Carsten Spohr, der CEO der Lufthansa Group ($LHA (-3,8 %) ) eröffnete die Konferenz mit einer Beschreibung des Jahres 2024 als ein Jahr der Höhen und Tiefen, wobei die Kernmarke Lufthansa Airline aufgrund von Arbeitskämpfen und Infrastrukturproblemen in Deutschland hinter den Erwartungen zurückblieb.
Im Gegensatz dazu entwickelten sich die anderen Fluggesellschaften innerhalb des Konzerns und Lufthansa Technik positiv, einige erzielten sogar neue Rekordergebnisse.
Spohr betonte jedoch, dass eine Trendwende eingeleitet wurde, die bereits im vierten Quartal zu deutlichen Verbesserungen geführt habe. Besonders hervorgehoben wurde die erfolgreiche Akquisition von ITA Airways. Zudem habe sich die operationelle Stabilität verbessert und die Investitionen in Premiumqualität würden sich zunehmend auszahlen.
Trotzdem räumte Spohr ein, dass für die Lufthansa Airline ein wirtschaftlicher Turnaround dringend erforderlich sei, da der Großteil des Gewinnrückgangs des Konzerns auf diese Marke zurückzuführen sei. Er erwähnte ein eingeleitetes Turnaround-Programm und verwies auf die starke Wachstumsprognose der globalen Luftfahrtindustrie. Die Passagierfluggesellschaften der Lufthansa Group hätten von dieser Nachfrage profitiert und ihre Kapazität um 9 % gesteigert.
Der Umsatz stieg um 6 % auf 37,6 Milliarden Euro, ein neuer Rekord. Das bereinigte Konzern-EBIT belief sich auf 1,6 Milliarden Euro. Besonders positiv hob Spohr die Ergebnisse von SWISS, Eurowings, Brussels Airlines, Austrian Airlines und Lufthansa Technik hervor, während Lufthansa Cargo ein starkes Jahresende verzeichnete. Er betonte, dass der Konzern in der Lage sei, auch ohne einen Beitrag der Kernairline ein Ergebnis von 1,6 Milliarden Euro zu erzielen, was vor einigen Jahren noch undenkbar gewesen wäre.
Spohr erläuterte auch die strategische Kapazitätsallokation, wobei die starke Nachfrage auf der Nordatlantikroute genutzt und Kapazitäten aufgrund von Wettbewerbsnachteilen im Fernostverkehr reduziert wurden. Innerhalb Europas habe die Lufthansa Group ihre führende Position ausgebaut und von der Fokussierung auf das touristische Reisesegment profitiert. Zudem sieht der Konzern weiteres Potenzial in der südlichen Hemisphäre durch die Integration von ITA. Ein weiterer wichtiger Punkt sei die Verbesserung der Kostenstruktur durch den Einsatz von City Airlines und Discover Airlines, die eine wettbewerbsfähigere Feed- und De-Feed-System bieten würden.
Anschließend präsentierte Till Streichert, der CFO der Lufthansa Group, detaillierte Finanzzahlen. Er sprach von einem Umsatzwachstum von 6 %, das jedoch von einem Anstieg der Betriebskosten um 9 % überlagert wurde. Trotz niedrigerer Treibstoffkosten stiegen die Materialkosten aufgrund höherer Wartungskosten und Gebühren. Auch die Personalkosten stiegen aufgrund von Tarifvereinbarungen und einer Erhöhung der Mitarbeiterzahl. Streichert erwähnte, dass die Kosten aufgrund von Streiks und operationellen Instabilitäten um 840 Millionen Euro gestiegen seien. Das bereinigte EBIT belief sich auf 1,6 Milliarden Euro, ein Rückgang von 40 % gegenüber dem Vorjahr. Der Jahresüberschuss betrug 1,4 Milliarden Euro, weshalb eine Dividendenzahlung von 0,30 Euro pro Aktie vorgeschlagen wurde.
Streichert ging näher auf die einzelnen Geschäftsbereiche ein. Die Kapazität der Passagierfluggesellschaften wurde um 8,5 % erhöht, wobei das Wachstum im zweiten Halbjahr reduziert wurde, um die Erträge zu stabilisieren. SWISS erzielte eine starke Marge von 12,4 %, während Lufthansa Airlines keine positive Marge erzielte. Streichert nannte Ineffizienzen, operationelle Instabilität, Kapazitätsengpässe bei Dienstleistungspartnern, eine hohe Anzahl technischer Ausfälle aufgrund älterer Flugzeuge und Streiks als Gründe für den Ergebnisrückgang der Lufthansa Airline.
Er erläuterte den Turnaround-Plan für die Lufthansa Airline, der auf die Stabilisierung des Betriebs, die Steigerung der Effizienz und die Realisierung des finanziellen Potenzials abzielt. Bis 2026 wird ein Brutto-EBIT-Effekt von rund 1,5 Milliarden Euro und bis 2028 von 2,5 Milliarden Euro erwartet. Erste Fortschritte seien bereits bei der Stabilisierung des Betriebs erzielt worden, was zu einer Verbesserung der Pünktlichkeit und einer Regelmäßigkeit von 99 % in den ersten beiden Monaten des Jahres 2025 geführt habe.
Des Weiteren wurden Maßnahmen zur Effizienzsteigerung und Umsatzsteigerung ergriffen, wie z. B. höhere Treibstoffeffizienz, Digitalisierung und die Neuverhandlung von Verträgen. Auf der Umsatzseite werden ab 2025 acht Strecken ab München mit der neuen Allegris-Kabine bedient, was zu höheren Erträgen und zusätzlichen Umsätzen führen soll.
Lufthansa Cargo blickt auf ein erfolgreiches Jahr zurück, mit einem bereinigten EBIT von 251 Millionen Euro. Haupttreiber war das starke asiatische E-Commerce-Geschäft. Lufthansa Technik erzielte ein bereinigtes EBIT von 635 Millionen Euro. Der operative Cashflow belief sich auf 3,9 Milliarden Euro, während der Netto-CapEx bei 2,7 Milliarden Euro lag. Der bereinigte Free Cashflow betrug 840 Millionen Euro. Die Nettoverschuldung blieb mit 5,7 Milliarden Euro stabil. Für das Gesamtjahr 2025 wird mit einer Treibstoffrechnung von rund 7,9 Milliarden Euro gerechnet.
Für 2025 wird ein moderates Kapazitätswachstum von rund 4 % erwartet, was das Umsatzwachstum unterstützen und die Erträge stabilisieren soll. Trotz Gegenwinds wird ein deutlicher Anstieg des bereinigten EBIT erwartet. Für den Herbst 2025 ist ein Capital Markets Day geplant.
Spohr gab einen strategischen Ausblick und ging auf die Flottenentwicklung ein. Die Engpässe bei den Herstellern würden voraussichtlich bis zum Ende des Jahrzehnts andauern. Besonders betroffen sei die Lufthansa Group vom Ausfall von 41 Boeing-Langstreckenflugzeugen. Insgesamt werden im Laufe des Jahres 26 Auslieferungen neuer Flugzeuge erwartet. Bis zum Sommer 2028 soll die Langstreckenflotte umfassend erneuert werden.
Ab dem Sommerflugplan werden alle Strecken von München in die USA entweder mit A350 mit neuer Allegris-Kabine oder mit Airbus A380 bedient. Die Resonanz auf die neue Allegris-Kabine sei durchweg positiv. Zudem gab es zahlreiche digitale Fortschritte innerhalb des Konzerns.
Spohr betonte, dass die Lufthansa Group-Struktur einzigartig sei, da sie viele nationale Fluggesellschaften und Marken unter einem Dach vereint. Die Integration von ITA sei ein Paradebeispiel dafür. Der Konzern arbeite kontinuierlich an der Verbesserung der Kundenerfahrung, z. B. durch das Projekt „One IT“ zur Standardisierung der digitalen Infrastruktur. Zudem werde im Jahr 2025 eine neue Dachmarkenstrategie eingeführt.
Im anschließenden Frage- und Antwortteil gingen die Analysten auf verschiedene Aspekte ein.
- Jarrod Castle von UBS fragte nach der Bedeutung des „signifikanten“ EBIT-Anstiegs im Jahr 2025, nach dem Zeitplan für die Übernahme der restlichen Anteile an ITA Airways und nach einem Update zu TAP. Streichert antwortete, dass ein signifikanter Anstieg ein zweistelliges Wachstum im Vergleich zu 2024 bedeute. Spohr ergänzte, dass über die Ausübung der Option zum Erwerb der restlichen ITA-Anteile noch nicht entschieden sei und dass die Privatisierung von TAP voraussichtlich länger dauern werde.
- Ruxandra Haradau-Doser von HSBC erkundigte sich nach dem Stand des Feeder-Vertrags mit Condor, nach dem NPS-Trend bei Lufthansa Airline und nach blockierten Business-Class-Sitzen in den neuen Boeing 787. Spohr erklärte, dass der Vertrag mit Condor gekündigt wurde und die EU-Kommission die Untersuchung diesbezüglich abgeschlossen habe. Zudem sei der NPS von Lufthansa in diesem Winter um 10 Punkte gestiegen. Die blockierten Business-Class-Sitze seien auf fehlende Zertifizierungen zurückzuführen.
- Jaime Rowbotham von Deutsche Bank fragte nach den potenziellen Auswirkungen der deutschen Konjunkturprogramme auf die Lufthansa Group und nach dem Zeitpunkt, an dem sich der Gewinn Trend bei Lufthansa Airline positiv entwickeln werde. Spohr antwortete, dass die Konjunkturprogramme grundsätzlich positiv für Lufthansa seien. Streichert ergänzte, dass er für 2025 mit einem positiven Ergebnis bei Lufthansa Airline rechne.
- Andrew Lobbenberg von Barclays fragte nach dem Stand der Gespräche mit der Lufthansa-Crew über Produktivität und nach den Aussichten für das Frachtgeschäft. Spohr antwortete, dass die Gespräche mit der Crew laufen, aber noch keine Einigung erzielt wurde. Er zeigte sich optimistisch für das Frachtgeschäft und erwartet, dass die geringere Vorhersehbarkeit der Weltwirtschaft zu einer starken Nachfrage führen werde.
- Muneeba Kayani von Bank of America erkundigte sich nach den Kosten im Zusammenhang mit Flugunregelmäßigkeiten und nach dem Stand der Geschäftsreisen. Streichert gab an, dass die Kosten im Zusammenhang mit Flugunregelmäßigkeiten voraussichtlich sinken werden und dass die Geschäftsreisen bei etwa 65 % des Niveaus vor der COVID-19-Pandemie liegen.
- Alex Irving von Bernstein fragte nach den strategischen Prioritäten bei M&A-Aktivitäten und nach dem Thema Technologie. Spohr antwortete, dass die Priorität auf der Integration von ITA liege und dass Lufthansa aufgrund ihrer Größe keine Nachteile bei der technologischen Entwicklung habe.
- Ruairi Cullinane von RBC Capital Markets fragte nach dem Beitrag aus der Auflösung von Rückstellungen und nach der Entwicklung der Marge im Logistikbereich. Streichert erklärte, dass das vierte Quartal 2023 von der Auflösung von Rückstellungen profitiert habe und dass die starke Nachfrage im Logistikbereich zu einer guten Margenentwicklung geführt habe.
- Antonio Duarte von Goodbody fragte nach dem Wachstum von Lufthansa Technik und nach den Erträgen im asiatisch-pazifischen Raum. Streichert erklärte, dass Lufthansa Technik über dem Marktdurchschnitt wachsen wolle und dass die Erträge im Premiumsegment besser seien als im Nicht-Premiumsegment.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Lufthansa Group vor einem Übergangsjahr steht, in dem die Weichen für zukünftiges Wachstum und höhere Profitabilität gestellt werden. Die Integration von ITA Airways, die Restrukturierung der Lufthansa Airline und Investitionen in moderne Flugzeuge sind zentrale Elemente der Strategie. Trotz kurzfristiger Herausforderungen wie Lieferverzögerungen und Kostensteigerungen blickt das Management optimistisch in die Zukunft.