Erstens bleiben die Kapitalflüsse ungünstig. Seit Oktober haben große Bitcoin-Holder rund 29 Billionen US-Dollar verkauft, was historischen Mustern in der Mitte des Halving-Zyklus entspricht, in denen die Distributionsphase typischerweise sechs bis neun Monate andauert. Zwar haben kleinere Anleger akkumuliert, doch reichte dies bislang nicht aus, um den Verkaufsdruck vollständig aufzufangen. Gleichzeitig bleiben die institutionellen Zuflüsse in digitale Asset-ETPs verhalten; seit Jahresbeginn wurden Abflüsse von 440 Milliarden US-Dollar verzeichnet.
Zweitens hat sich #bitcoin zunehmend vom Wachstum der globalen M2-Geldmenge entkoppelt – einer Beziehung, die historisch eng verlief. Entweder haben Investoren diesen Zusammenhang grundlegend falsch eingeschätzt oder die globale Liquidität steht kurz vor einer deutlichen Kontraktion. Angesichts der aktuellen geldpolitischen Rahmenbedingungen erscheint Letzteres unwahrscheinlich, was darauf hindeutet, dass Bitcoin im Verhältnis zu den vorherrschenden monetären Bedingungen unterbewertet ist.
Auch geopolitische Risiken spielen eine Rolle. Bitcoins hybride Identität als Risiko-Asset und Wertaufbewahrungsmittel wirkt in Phasen akuter geopolitischer Spannungen eher belastend. Steigende Ölpreise und zunehmende Spannungen im Nahen Osten, einschließlich maritimer Truppenverlegungen in Richtung Iran, haben die allgemeine Risikostimmung gedämpft und traditionelle sichere Häfen wie Gold begünstigt.
Auch die politischen Dynamiken in den USA begrenzen kurzfristige Katalysatoren. Die aggressive Haltung der Trump-Administration gegenüber der Federal Reserve hat ihren eigenen Einfluss eingeschchränkt; rechtliche Schritte gegen amtierende Notenbankmitglieder dürften kaum Erfolg haben, und der Spielraum, das Machtgefüge innerhalb der Fed neu zu gestalten, ist begrenzt. Entsprechend erscheint ein bedeutender, politisch getriebener Impuls für Bitcoin vor Mitte 2026 unwahrscheinlich.
Mit Blick nach vorn erwarten wir in den kommenden drei bis sechs Monaten ein volatiles, seitwärts tendierendes Marktumfeld mit begrenztem Aufwärtspotenzial oberhalb von 100.000 US-Dollar. Der mittelfristige Ausblick bleibt jedoch konstruktiv. Die monetären Bedingungen sind weiterhin locker, Sorgen über Währungsentwertung bestehen fort, die Verkäufe großer Marktteilnehmer dürften bis Mitte 2026 auslaufen, und historische Liquiditätsbeziehungen deuten auf erhebliches Aufholpotenzial hin.
Paradoxerweise könnte Bitcoin damit derzeit den überzeugendsten Entwertungs-Trade darstellen. Edelmetalle haben den geldpolitischen Kurswechsel bereits weitgehend eingepreist, Bitcoin hingegen nicht. Für geduldige Anlegerinnen und Anleger könnte diese Diskrepanz eher die Chance als das Risiko sein. (Autor: James Butterfill, CoinShares' Head of Research)


