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Analystenhaus Gartners „Neocloudocalypse“: Wenn der KI-Boom zum Kapitalvernichter wird

$IREN (-11,51 %)
$CRWV (-10,62 %)
$NBIS (-10,55 %)
$APLD (-10,79 %) Lambda


Gartner prognostiziert, dass 80 % der Neoclouds bis zum Jahr 2030 ihren eigenständigen Betrieb einstellen müssen


Gartner warnt vor einer möglichen massiven Konsolidierung des KI-Infrastrukturmarktes. Das Problem: Die Investitionen in Rechenzentren, GPUs und Energieinfrastruktur könnten die künftig erzielbaren Umsätze deutlich übersteigen.

Die zentralen Zahlen:

  • Rund 7 Billionen US-Dollar an KI-Infrastrukturinvestitionen bis 2030.
  • Nur bis zu 3,6 Billionen US-Dollar an zurechenbaren KI-Umsätzen gegenüber einem geschätzten Umsatzbedarf von 8,5 Billionen US-Dollar.
  • Mehr als 80 % der Neocloud-Anbieter könnten bis 2030 ihre Unabhängigkeit verlieren.
  • Über 4 Billionen US-Dollar an Infrastrukturvermögen könnten bis 2032 von Wertberichtigungen betroffen sein.


Bekannte Szenarien :

🔴 Bear Case: KI-Monetarisierung bleibt hinter den Erwartungen zurück. Überkapazitäten, Preisdruck und hohe Finanzierungskosten führen zu Abschreibungen, Insolvenzen und sinkenden Bewertungen.

🟡 Base Case: Die KI-Nachfrage wächst weiter, aber nicht jeder Anbieter profitiert. Der Markt konsolidiert sich; finanzstarke Hyperscaler gewinnen Marktanteile, während kleinere Neoclouds übernommen werden oder ausscheiden.

🟢 Bull Case: Die Monetarisierung von KI beschleunigt sich, Auslastung und Preise bleiben hoch. Die Investitionen amortisieren sich, und effiziente Infrastrukturbetreiber erzielen attraktive Renditen.


Was meint ihr?

Wird das heute mit eingepreist neben den höheren Renditen bei Staatsanleihen und mögliche Zinserhöhungen?

Oder übersehe ich sonst noch etwas, das die heutigen Kursreaktionen verursacht?


@Multibagger
@Klein-Anleger
@Tenbagger-Capital
@Get_Rich_or_Die_Tryin
@Raketentoni
@Pazzzi

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13 Kommentare

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Moinsen, sorry hatte erst jetzt Zeit mit dem Agenten drüber zu reden, hier unsere Antwort für Dich :)

Die Gartner-Zahlen stimmen im Wesentlichen. Bei der Interpretation würde ich allerdings etwas auf die Bremse treten – „Neocloudocalypse“ ist die zugespitzte Überschrift, nicht Gartners eigentliche Aussage.

Gartner rechnet tatsächlich mit:

- knapp 1 Billion Dollar KI-Infrastrukturinvestitionen 2026,
- weiteren 6 Billionen Dollar von 2027 bis 2030,
- einem kumulierten Umsatzbedarf von 8,5 Billionen Dollar, um Investitionen, Finanzierungskosten und eine angenommene Kapitalrendite von 12 % zu decken,
- aber nur maximal 3,6 Billionen Dollar an KI-Umsätzen, die den Rechenzentren zugerechnet werden können.

Das ist eine gewaltige Lücke. Zwei Formulierungen sollte man trotzdem korrigieren.

**Erstens: Die 80 % bedeuten nicht 80 % Insolvenzen.**

Gartner sagt, dass mehr als 80 % der Anbieter bis 2030 ihren **eigenständigen Betrieb** aufgeben könnten. Darunter können neben Pleiten auch Übernahmen, Fusionen, Partnerschaften oder Strategiewechsel fallen.

Außerdem geht es um die Anzahl der Anbieter, nicht um 80 % der Rechenleistung oder des investierten Kapitals. Wenn zahlreiche kleine Neoclouds verschwinden, während einige große Anbieter weiterwachsen, können beide Aussagen gleichzeitig stimmen:

- massive Konsolidierung,
- weiterhin stark wachsender Neocloud-Markt.

Gartner prognostizierte im Juni schließlich noch, dass Neoclouds 2030 rund 20 % eines 267 Milliarden Dollar großen AI-Cloud-Marktes erreichen könnten. Gartner erwartet also nicht das Ende des Geschäftsmodells, sondern deutlich weniger eigenständige Gewinner.

**Zweitens: Die vier Billionen sind kein angekündigter Abschreibungsbetrag.**

Gartner spricht von mehr als 3,5 Billionen Dollar Investitionen, die bis Ende 2030 einem Wertberichtigungsrisiko ausgesetzt sein könnten, beziehungsweise von mehr als 4 Billionen Dollar gefährdetem Vermögenswert bis 2032.

„Exposed to write-down risk“ heißt nicht, dass diese vier Billionen vollständig abgeschrieben werden. Die Anlagen könnten niedriger rentieren, teilweise wertberichtigt, umgenutzt oder an andere Betreiber verkauft werden. Aus einem Abschreibungsrisiko direkt einen sicheren Kapitalverlust in gleicher Höhe zu machen, wäre ein bisschen so, als würde man jede Immobilie mit gesunkenem Marktwert sofort abreißen.

**Warum fallen die Aktien ausgerechnet heute so stark?**

Ja, Gartners Veröffentlichung passt genau zum heutigen Abverkauf und dürfte die Sorgen verstärkt haben. Der unmittelbarere Auslöser war aber eine Kombination aus mehreren Faktoren:

1. Die US-Inflation stieg im September auf 3,7 % und lag damit über den erwarteten 3,6 %.
2. Dadurch nahm der Markt eine weitere Fed-Zinserhöhung ernster.
3. Die zweijährige US-Rendite sprang um rund 7 Basispunkte, die zehnjährige um etwa 4 Basispunkte.
4. Gleichzeitig gerieten die Anleihen von CoreWeave massiv unter Druck.
5. Die Rendite einer CoreWeave-Anleihe stieg zeitweise auf ungefähr 15 %.

Gerade der letzte Punkt ist wichtig: Der Kreditmarkt hat plötzlich sichtbar gemacht, was zusätzliche Finanzierung für einen kapitalhungrigen Neocloud-Betreiber kosten könnte. Reuters führt den heutigen Rückgang der Gruppe ausdrücklich auf höhere Zinserwartungen und die zunehmenden Zweifel an der Finanzierung des KI-Ausbaus zurück.

Das war also nicht nur ein Gartner-Bericht. Es war eine ziemlich unangenehme Mischung aus heißer Inflation, steigenden Renditen, schwachen Unternehmensanleihen und einem Bericht, der am selben Tag genau erklärt, warum diese Kombination gefährlich werden kann.

**Die genannten Unternehmen sollte man trotzdem nicht über einen Kamm scheren.**

- **CoreWeave** ist der unmittelbarste Problemfall: sehr hohe Schulden und Leasingverpflichtungen, enorme Ausbaupläne und deshalb extreme Abhängigkeit vom Kreditmarkt. Allein im zweiten Quartal wurden mehr als 10 Milliarden Dollar über unbesicherte Schulden und Wandelanleihen aufgenommen.

- **Nebius** betreibt ebenfalls ein kapitalintensives AI-Cloud-Modell, besitzt aber unterschiedliche Finanzierungswege und nutzt inzwischen auch Partnerschaften, bei denen Infrastrukturpartner einen Teil des Kapitals beziehungsweise der Rechenzentren stellen.

- **IREN** ist vertikal integrierter und besitzt Stromzugänge, Rechenzentren und Compute-Infrastruktur. Ein erheblicher Teil der GPU-Investitionen für große Verträge ist durch Kundenanzahlungen und projektbezogene Finanzierungen gedeckt. Das reduziert das Risiko, beseitigt aber weder Verschuldung, Verwässerung, Kundenkonzentration noch das Risiko einer schnellen GPU-Alterung. IREN meldete zuletzt rund 7,4 Milliarden Dollar langfristige Schulden.

- **Applied Digital** ist stärker Rechenzentrumsentwickler und Vermieter als klassischer GPU-Cloud-Anbieter. Dort liegen die Risiken vor allem bei Baukosten, Finanzierung, Fertigstellung und der Bonität großer Mieter. Langfristige Take-or-pay-Verträge schützen, helfen aber wenig, wenn ein bedeutender Mieter selbst Finanzierungsprobleme bekommt.

Der LAMB-Link führt übrigens zur Kryptowährung Lambda. Das ist nicht die Aktie des gleichnamigen amerikanischen AI-Cloud-Anbieters. Da ist offenbar die falsche Lambda in die Apokalypse geraten.

**Mein Fazit**

Die Gartner-Warnung sollte man ernst nehmen. Sie beschreibt das zentrale Risiko dieses Booms sehr treffend:

> Die Nachfrage nach KI kann stark wachsen und trotzdem können zahlreiche Infrastrukturbetreiber schlechte Investitionen tätigen.

Entscheidend ist nicht allein, ob mehr Rechenleistung gebraucht wird, sondern:

- zu welchen Preisen sie verkauft wird,
- wie hoch die tatsächliche Auslastung ist,
- wie schnell die GPUs technisch veralten,
- wie teuer Fremdkapital wird,
- wie belastbar die Kundenverträge sind,
- wer das Restwertrisiko trägt,
- und wie viel Verwässerung zur Finanzierung notwendig wird.

Der heutige Abverkauf preist dieses Risiko stärker ein. Er bedeutet aber nicht, dass Gartner heute schon „bewiesen“ wurde. Der Markt erhöht gerade schlicht den Risikoaufschlag für alle Geschäftsmodelle, die Milliarden investieren müssen, bevor der entsprechende Cashflow tatsächlich auf dem Konto liegt.

Oder etwas kürzer: **Die KI-Nachfrage muss nicht platzen, damit bei den Neoclouds Kapital vernichtet wird. Es reicht bereits, wenn die Nachfrage langsamer wächst als Schulden, Kapazitäten und Abschreibungen.**
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@Raketentoni „falsche Lambda in die Apokalypse geraten“ Haha 😂 korrigier ich noch
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war vorher auch schon bekannt. Ich persönlich mag keine kapitalintensive und wertvernichtende Firmen im KI trade. Es gibt unzählige Firmen mit asset light modellen, hohen Margen und hohem ROIC. Und wenn es solche Firmen gibt, warum sollte man dann eine CoreWeave oder Nebius nehmen.
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@Dirty30 fair point. Meine Frage war auch eher, warum wird heute so allergisch reagiert bei den Neocloudanbietern?
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@pivot_code alles, was nicht profitabel ist bzw. irgendwie am KI Trade hängt, wird nach den Inflationsdaten und der Aussicht auf weitere Zinserhöhungen heute abgestraft. Siehe dazu auch $RKLB, $ANET und $APH (die letzteren beiden hochprofitabel und trotzdem ganz ordentlich verprügelt). Da verwundert es doch weniger, dass die Werte mit Hardcore CapEx, Monster Kapitalbedarf und aktuell gar keiner oder sehr geringer Profitabilität in dem Kontext teilweise zweistellig verlieren.

Noch dazu die aberwitzigen Aussagen des CEOs von $AVGO von gestern oder vorgestern (die entweder einfach richtig schlecht gemacht waren oder schlicht als Ausrede zur Rechtfertigung dieser unsäglichen Ringfinanzierungen herhalten sollte). Insbesondere dieses Statement kam bei mir extrem negativ an.
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@Get_Rich_or_Die_Tryin ja habe 2/4 von dir genannten im Portfolio und die CEO „Casino Aussage“ war wirklich wild.
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@pivot_code komplett. Keine Ahnung was ihm da in die Birne geschossen ist.🤦🏼‍♂️ Auf der anderen Seite wäre mir Broadcom immer noch einer der lieberen Akteure aus dem Bereich im Depot. Custom-ASICs Gewinnen aus meiner Sicht an Bedeutung, problematisch wird es allerdings, wenn Broadcom die irgendwann nicht mehr in großem Stil baut, sondern die Hyperscaler die Produktion einfach komplett unabhängig gestalten. Daher ist Broadcom auch vor einiger Zeit schon mit Gewinn bei mir aus dem Depot geflogen. Ich bleibe dableiben bei den Bauteilen, die in jedem Rack, egal mit welchem Chip unersetzbar sind. Siehe $ANET und $APH .😉
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@Dirty30 any examples?
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@pivot_code das hängt aber damit zusammen. In der aktuellen Situation verkauft eher unprofitabel als stabile Wertschöpfung ab. Und die beiden Lager existieren im KI Trade.
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@Get_Rich_or_Die_Tryin agree!
Bei $APH bin ich dabei, aber habe bei $ANET den Einstieg verpasst leider
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Ich stimme zu, durch die extrem teuren Finanzierungskosten sind die Wachstumsaussichten einiger KI-Infrastruktur-Unternehmen fragwürdig.

Bspw. $CRWV hat ein massives Problem, da sie Überschuldet sind und ihre Anleihen mit mittlerweile 15% p.a. verzinst werden müssen (vor 1 Monat ~10%).

Dies vernichtet die Gewinne.

Das große Problem ist, dass viele dieser Unternehmen ihre gesamte Kapazität bereits für Jahre verkauft haben. (z.B. $CRWV $APLD)

Durch die steigenden Zinskosten und zusätzlich steigenden Material- und Baukosten sitzen diese Unternehmen in der Falle, da die vertraglich verkaufte Rechenkapazität damit die Baukosten nicht mehr reinholen wird.
-zumindest kurzfristig

Dabei haben $IREN und $NBIS den Vorteil, einen großteil ihrer Kapazität für die nächsten 1-2 Jahre noch nicht verkauft zu haben. Diese Profitieren von den GPU-Preissteigerungen damit direkt und können ihre Rechenleistung erst kurz vor Fertigstellung verkaufen um somit ihre Rendite zu sichern.

Der Abverkauf ist größtenteils berechtigt, jedoch wirkt es bei $IREN oder $NBIS übertrieben.

Vielleicht übersehe ich auch etwas.
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