Beim Blick in Euer Depot werden vermutlich die Meisten von Euch in den letzten Tagen festgestellt haben, dass Euer Networth ein Stück nach unten gegangen ist. Mein Depot ist auch ein gutes Stück nach unten gegangen und die naheliegende Emotion ist da erst mal Wut/Enttäuschung. Hier möchte ich darlegen, dass diese Wut/Enttäuschung für die Mehrheit von uns eigentlich irrational ist.

Die meisten Investoren streben nach langfristigem Vermögensaufbau um z.B. in 10 oder 15 Jahren – vielleicht auch erst zu Beginn der Rente - ein schönes Vermögen aufgebaut zu haben. Ob man das Vermögen an die Kinder weitergibt, nach und nach im Herbst des Lebens verkonsumiert oder von den Dividenden leben möchte ist abhängig von der individuellen strategischen Ausrichtung und Lebenssituation. Vermutlich sind die wenigsten hier aber schon in der „Entnahmephase“ und bauen somit gerade erst Ihr Vermögen für später auf.
Und hier kommt der Punkt. Auch wenn der Wert des Depots vorerst abgenommen hat, habt Ihr (sofern Ihr nichts verkauft habt) erst mal die gleiche Anzahl an Aktien und Unternehmensanteilen. Dem bzw. den Unternehmen selbst ist der Preis des eigenen Anteilsscheins für die operative Geschäftstätigkeit erst mal völlig egal. Der Kursrückgang – vor allem weil es ein Kursrückgang ist, der aus einem nervösem Markt resultiert und nicht aus schlechten Nachrichten aus dem Unternehmen – hat in den allermeisten Fällen NULL Einfluss auf das Unternehmen selbst. Die Marktkapitalisierung des Unternehmens geht nach unten, das KGV auch. Die Dividendenrendite geht hoch. Ein Kauf ist nun also attraktiver als vorher, sofern es sich um ein stabiles Unternehmen mit einem halbwegs krisensicheren Geschäftsmodell handelt.
Wenn Ihr also langfristig investiert und nach und nach mehr und mehr Anteile kauft ist die Delle oder auch ein größerer Einbruch gut für Euch, da Ihr während der Kurs niedriger ist mehr Unternehmensanteile für das gleiche Geld bekommt. Abgerechnet wird am Schluss, wenn Ihr das Geld braucht – zwischenrein ist es wirklich nur ein Screenshot!
Gibt es Ausnahmen? Ja. Wenn Ihr gerade im Begriff wart Geld durch Aktienverkäufe zu entnehmen und Ihr das Geld braucht (Hauskauf, Umzug, neues Auto, Unternehmensgründung) etc. ist es natürlich blöd. Wenn Ihr spekulative Investments tätigt und gegebenenfalls Finanzinstrumente nutzt um auf steigende Kurse zu wetten ist‘s noch blöder. Aber auf die meisten von uns trifft das nicht zu.
Fazit: Ärgert Euch nicht, das ist unvernünftig. Wenn möglich nutzt die niedrigen Preise um diszipliniert und stoisch nachzukaufen. In ein paar Jahren werdet Ihr Euch richtig freuen, dass Ihr Anteile für günstiges Geld kaufen konntet.
Zum Abschluss noch ein Beispiel aus dem eigenen Depot: Meine größte Einzelposition ist die Münchner Rück ( $MUV2 (-0,65 %) ). Der Kurs war letztes Jahr irgendwann mal bei 600 Euro pro Aktie, heute ist er bei 520. Dem Unternehmen geht es blendend, das Versicherungsgeschäft hängt nicht an der Konjunktur. Niemand hat bisher versucht Zölle auf Versicherungs- oder Rückversicherungsleistungen zu erheben. Auch Lieferketten gibt’s keine, die unterbrochen werden könnten. Gewinn ist rauf, Dividende ist rauf. Das Aktienrückkaufprogramm der Firma wird dazu führen, dass bei verringertem Kurs noch mehr Aktien vom Markt genommen werden als ursprünglich angenommen. Der Ertrag pro Anteilsschein wird somit sowohl durch die Entwicklung im operativen Geschäft als auch die Verknappung der Anteilsschiene weiter organisch anwachsen. Es besteht aus der Sicht eines langfristigen Investors also trotz Kursrückgang wirklich keinerlei Anlass hier irgendwie hektisch im Depot herumzubasteln.
(Grafik generiert mit Lovart.ai, modifiziert in Photoshop)

