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Deutschlands wertvoller Konzern ist auch für Aktionäre spitze

In der vergangenen Woche war Siemens $SIE (+2,79 %) an SAP $SAP (+3,03 %) vorbeigezogen, dann lag am Donnerstag wieder SAP vorn. Derzeit befinden sich beide Konzerne mit einer Marktkapitalisierung von jeweils rund 200 Milliarden Euro auf Augenhöhe.


Kein anderer Konzern stand in der 38-jährigen Geschichte des am 1. Juli 1988 gestarteten Dax nach Handelsblatt-Berechnungen so oft an der Spitze wie Siemens. Ein Erfolgsrezept der Münchener ist die Verlässlichkeit in Form stetig steigender Erträge und Dividenden. Hinzu kommt die Fähigkeit, sich immer wieder der industriellen Entwicklung anzupassen.


Zehn der aktuell 40 Dax-Konzerne sind von Anfang an im ursprünglich nur 30 Titel zählenden Auswahlindex vertreten: Allianz, BASF, Bayer, BMW, Deutsche Bank, Henkel, Mercedes-Benz (damals noch unter dem Namen Daimler-Benz), RWE, Volkswagen und Siemens.


Am besten entwickelt hat sich unter diesen Dax-Veteranen nach Berechnungen des Handelsblatt Research Institute die Siemens-Aktie mit einem Kurszuwachs von knapp 2300 Prozent. Wer die Aktie seit der Dax-Gründung gehalten hat, erzielte mit ihr im Durchschnitt einen Kursgewinn von 8,7 Prozent pro Jahr.


Nicht berücksichtigt sind dabei die vielen Ausschüttungen an die Aktionäre. Um rund 5850 Prozent ist die Siemens-Aktie gestiegen, wenn Kurszuwächse und Dividenden zusammengerechnet werden. Pro Jahr ergibt das eine durchschnittliche Rendite von 11,3 Prozent.


Keine Aktie, die von Anfang an im Dax notiert, hat sich besser entwickelt. Zum Vergleich: Der Dax insgesamt schaffte, einschließlich aller Dividenden, seit Auflegung eine durchschnittliche Jahresrendite von 8,8 Prozent.


In dieser Siemens-Rendite ist ein ganz besonders lohnendes Geschäft für die Anleger noch gar nicht berücksichtigt. Wer Ende September 2020 Siemens-Aktien gehalten hat, bekam für jeweils zwei Anteilsscheine gratis und automatisch eine Siemens-Energy-Aktie $ENR (+3,66 %) ins Depot eingebucht.


Mit diesem Schritt spaltete Siemens seine Kraftwerkssparte ab. Die neuen Aktien beendeten den ersten Börsentag am 28. September 2020 mit 21,21 Euro je Stück. Aktuell kostet eine Aktie 153 Euro. Das entspricht in nur fünfeinhalb Jahren einem Zuwachs von 621 Prozent.


Schon bald gibt es für Siemens-Aktionäre erneut einen kräftigen Nachschlag. Nach seinem Kraftwerksgeschäft spaltet Siemens den Medizinbereich ab. Dieser notiert mit dem Namen Siemens Healthineers $SHL (-2,22 %) zwar schon heute an der Börse und ist ebenfalls im Dax. Doch bislang hält Siemens rund 67 Prozent der Aktien.


Damit ist Healthineers in der Bilanz von Siemens immer noch voll konsolidiert, das heißt, Siemens verbucht die Gewinne in seiner Bilanz. Das wird sich demnächst ändern, denn 30 Prozent der Healthineers-Aktien sollen per Direktabspaltung an die Siemens-Aktionäre gehen. Sie sollen die neuen Aktien in ihr Depot eingebucht bekommen, ähnlich wie einst bei Siemens Energy. Wie das Aufteilungsverhältnis aussehen wird, ist noch offen.


Mit dieser Entkonsolidierung der seit 2018 an der Börse notierenden Medizintechnikeinheit verliert der Siemens-Konzern knapp ein Drittel seines Umsatzes, und auch im Gewinn zeigen sich die Spuren der Abspaltung. Für das laufende Geschäftsjahr prognostizieren Analysten für Siemens im Schnitt einen Nettogewinn von 8,1 Milliarden Euro, nach 9,6 Milliarden Euro im abgelaufenen Jahr. Grund dafür ist der Wegfall von Healthineers.


Sinn macht diese Strategie aus Anlegersicht trotzdem, denn Priorität hat für Siemens das Ziel, schneller zu wachsen und profitabler zu werden. Dieser aktionärsfreundliche Anspruch der Fokussierung ist der Grund, warum es immer mehr verschiedene Aktien aus der Siemens-Familie gibt.


Auch Infineon $IFX (+2,65 %) gehört dazu, denn Siemens hat seine Halbleitersparte bereits im Jahr 2000 an die Börse gebracht. Es gibt also inzwischen vier Siemens-Aktien im Dax.


Ein Grund für die vielen Kaufempfehlungen der Analysten (aktuell: 21 Kaufen | 4 Halten | 4 Verkaufen) für Siemens ist neben der zwar ambitionierten, aber im Vergleich zu den Wettbewerbern günstigeren Bewertung die Gewinnbeteiligung für Aktionäre. Für das abgelaufene Geschäftsjahr, das bei Siemens bereits am 30. September 2025 endete, will der Vorstand die Dividende von 5,20 auf 5,35 Euro erhöhen. Es ist die fünfte Erhöhung in Folge. Seit 2010 hat sich die Dividende mehr als verdreifacht.


Dabei ist die Dividendenrendite mit 2,1 Prozent im historischen Vergleich zwar eher niedrig. Hier gab es in den letzten 20 Jahren fast immer mindestens drei Prozent zu holen. Doch die gesunkene Rendite resultiert keineswegs aus langsamer steigenden, geschweige denn sinkenden Ausschüttungen, sondern allein aus dem enorm gestiegenen Aktienkurs. Der verzeichnete in den vergangenen drei Jahren ein Plus von 80 Prozent.


Mit dieser rasanten Entwicklung konnten die Ausschüttungen nicht mithalten. Die Folge ist, dass die Dividendenrendite für Neueinsteiger gesunken ist. Ein wirkliches Problem ist das angesichts des starken Kursanstiegs aber nicht.


Quelle Text (Auszug) & Bild: Handelsblatt, 05.02.2026

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