Beim Technologiekonzern Siemens laufen die Geschäfte besser als gedacht. CEO Roland Busch hebt deshalb die Prognose an. Die Aktie nähert sich vor der Hauptversammlung dem Rekordhoch.
12.02.2026, 09.12 Uhr
Siemens hat das Ergebnis aus dem Industriegeschäft im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2025/26 (per Ende September) um 15 Prozent auf 2,90 Milliarden Euro gesteigert und übertrifft damit die Prognosen der Analysten. Sie hatten im Schnitt 2,64 Milliarden Euro erwartet. Unter dem Strich blieb ein Gewinn von 2,22 Milliarden Euro, teilte der Konzern am Donnerstag vor der Hauptversammlung mit. Der Profit lag wie erwartet deutlich unter dem Vorjahreswert von 3,87 Milliarden. Damals hatte Siemens allein aus dem Verkauf der Elektromotoren-Tochter Innomotics 2,1 Milliarden Euro erlöst.
Die Ergebnisse kamen bei den Anlegern am Morgen gut an. Vorbörslich legte die Aktie rund 3 Prozent auf 263,75 Euro zu.
Der Konzernumsatz kletterte auf vergleichbarer Basis um 8 Prozent auf 19,14 Milliarden Euro. Das liegt am oberen Ende der Prognose für das Gesamtjahr. Der Auftragseingang schnellte um 10 Prozent auf 21,37 Milliarden und lag damit ebenfalls über den Prognosen. Vorstandschef Roland Busch (61) sieht den Start ins Geschäftsjahr als Beleg für die erfolgreiche Umsetzung der Strategie. „Siemens ist in seinen Wachstumsmärkten sehr gut positioniert. Künstliche Intelligenz ist ein starker Wachstumstreiber für unsere Geschäfte.“
Nun schraubt Siemens die Gewinnerwartungen für das laufende Geschäftsjahr leicht nach oben. Das bereinigte Ergebnis je Aktie werde 2025/26 zwischen 10,70 und 11,10 Euro liegen: Bisher war das Unternehmen von 10,40 bis 11,00 Euro ausgegangen.
Sparte Digital Industries erholt sich
Aufwärts geht es beim Sorgenkind der vergangenen Jahre, der Automatisierungs-Sparte Digital Industries (DI). Dort legten im ersten Quartal Auftragseingang und Umsatz um 13 und 10 Prozent zu, getrieben vom Softwaregeschäft, auf das Busch besonders setzt. „Wir erschaffen das industrielle Gegenstück zu ChatGPT ", sagte er im Interview mit dem manager magazin. Erste Impulse kamen dabei von den milliardenschweren US-Zukäufen Altair und Dotmatics. Die Gebäudetechnik- und Infrastruktur-Sparte Smart Infrastructure profitierte weiter vom Boom bei Rechenzentren in den USA – der Auftragseingang schnellte um 22 Prozent auf einen Rekordwert.
Enttäuschend war nur der am Kapitalmarkt viel beachtete Mittelzufluss aus dem operativen Geschäft (Free Cashflow), der um mehr als die Hälfte auf 677 Millionen (1,58 Milliarden) Euro einbrach. Dabei spielten auch Altlasten eine Rolle: Siemens hatte in Hanau lange Jahre Brennelemente für Kernkraftwerke hergestellt und zahlte nun 360 Millionen Euro dafür, dass die Bundesregierung nach dem Atomausstieg und der Stilllegung des Standorts die Kosten für die Entsorgung des radioaktiven Abfalls übernimmt.
Zum ersten Mal seit sechs Jahren hat Siemens seine Aktionäre zu einer Präsenz-Hauptversammlung eingeladen. Grund ist eine Abstimmungsniederlage im vergangenen Jahr. Für Busch ist es eine Premiere, live vor den Anteilseignern aufzutreten. Mehr als 5000 Aktionäre haben sich angemeldet. Sie wollen vor allem wissen, wie weit Siemens auf dem Weg zur „One Tech Company“ gekommen ist, mit der Busch die einzelnen Sparten enger verzahnen will. Zudem dürfte es um die geplante Abspaltung der Medizintechnik-Tochter Healthineers gehen.
rei/Reuters






