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Positionsgrößen unter Unsicherheit – Warum Portfolio-Gewichtung wichtiger ist als der perfekte Einstieg

Lesedauer: ca. 4-5 Minuten

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Eine der Fragen, die hier auf Getquin immer wieder auftaucht, lautet: Wann ist der richtige Zeitpunkt zu kaufen? Häufig dreht sich die Diskussion um Bewertungen, historische Multiples oder mögliche Rücksetzer. Diese Perspektive ist verständlich. Gleichzeitig lenkt sie oft von einer Entscheidung ab, die für das Risiko eines Portfolios mindestens genauso wichtig ist: der Positionsgröße.


Viele Verluste entstehen nicht deshalb, weil eine Idee grundsätzlich falsch war. Sie entstehen, weil eine Position zu groß war. Umgekehrt passiert auch das Gegenteil. Eine gute Idee funktioniert, ist aber so klein gewichtet, dass sie für das Portfolio kaum Wirkung entfaltet. Deshalb lohnt es sich, nicht nur darüber nachzudenken, ob ein Unternehmen interessant ist, sondern auch darüber, wie viel Kapital ihm überhaupt zugeordnet werden sollte.


Der Hintergrund ist relativ simpel. Die Zukunft ist unsicher. Unternehmen können sich besser oder schlechter entwickeln, Märkte können wachsen oder stagnieren, Bewertungen können steigen oder fallen. Prognosen versuchen meist, einen einzigen zukünftigen Pfad vorherzusagen. In der Praxis ist es oft sinnvoller, mit Szenarien zu arbeiten, also mit mehreren plausiblen Entwicklungen.


Genau hier beginnt die Logik von Positionsgrößen.


Positionsgrößen ergeben sich im Kern aus zwei Dimensionen. Erstens aus der Qualität eines Unternehmens. Dazu zählen Wettbewerbsvorteile, Kapitalrenditen, Marktposition und die Stabilität der Cashflows. Zweitens aus der Unsicherheit der zukünftigen Entwicklung. Diese kann aus technologischen Veränderungen entstehen, aus zyklischen Märkten, aus regulatorischen Risiken oder schlicht aus der Größe eines Unternehmens.


Je höher die Qualität und je stabiler das Geschäftsmodell, desto größer kann eine Position im Portfolio sein. Je unsicherer die möglichen Zukunftspfade, desto vorsichtiger sollte die Gewichtung ausfallen.


Ein kleines Gedankenexperiment verdeutlicht diese Logik.


Angenommen, ein Unternehmen wird analysiert und drei plausible Szenarien für die nächsten fünf Jahre werden definiert.


Im bullischen Szenario wächst das Unternehmen stark, die Bewertung bleibt stabil und die Aktie verdoppelt sich. Im neutralen Szenario wächst das Unternehmen moderat und die Aktie steigt um etwa 40 Prozent. Im bearischen Szenario enttäuscht das Wachstum und der Kurs fällt um etwa 30 Prozent.


Wenn diesen Szenarien Wahrscheinlichkeiten zugeordnet werden, etwa 30 Prozent für das bullische Szenario, 50 Prozent für das neutrale Szenario und 20 Prozent für das negative Szenario, ergibt sich daraus ein Erwartungswert.


30 Prozent mal plus 100 Prozent

50 Prozent mal plus 40 Prozent

20 Prozent mal minus 30 Prozent


Der gewichtete Erwartungswert liegt damit bei ungefähr plus 44 Prozent über fünf Jahre. Das ist attraktiv. Trotzdem bedeutet ein hoher Erwartungswert nicht automatisch, dass eine Position groß sein sollte. Entscheidend ist auch die Streuung möglicher Ergebnisse. Ein Investment mit großer Unsicherheit gehört typischerweise kleiner gewichtet als ein Unternehmen mit stabileren Cashflows und engeren Szenarien.


In der Praxis entstehen daraus häufig drei Kategorien im Portfolio.


Die erste Kategorie sind Core Positionen. Dabei handelt es sich um Unternehmen mit strukturellen Wettbewerbsvorteilen, hohen Kapitalrenditen und relativ stabilen Geschäftsmodellen. Ein Beispiel dafür ist $GOOGL (+0,09 %) (Alphabet). Das Unternehmen verfügt über dominante Plattformen im Suchmaschinen und Werbemarkt sowie über erhebliche Skalenvorteile. Ein weiteres Beispiel ist $V (-0,15 %) (Visa). Das globale Zahlungsnetzwerk profitiert von starken Netzwerkeffekten, hohen Margen und einem Geschäftsmodell, das relativ unabhängig von kurzfristigen Konjunkturschwankungen funktioniert. Solche Unternehmen können im Portfolio häufig Gewichtungen von etwa fünf bis zehn Prozent erreichen.


Die zweite Kategorie sind Satellite Positionen. Hier handelt es sich meist um kleinere Unternehmen oder Firmen mit stärker schwankenden Ergebnissen, deren Geschäftsmodell dennoch attraktiv erscheint. Beispiele dafür könnten $ERII (+0,21 %) (Energy Recovery) oder $EKT (-2,3 %) (Energiekontor) sein. Beide profitieren von strukturellen Trends wie Wasserinfrastruktur oder erneuerbaren Energien, unterliegen aber gleichzeitig größeren operativen Schwankungen als globale Plattformunternehmen. Typische Gewichtungen liegen hier häufig im Bereich von zwei bis fünf Prozent.


Die dritte Kategorie sind Option Positionen. Dabei handelt es sich um Investments mit sehr hoher Unsicherheit, aber potenziell großer Upside. Rohstoffunternehmen oder sehr kleine Wachstumsfirmen gehören häufig in diese Gruppe. Ein Beispiel wäre $DML (-0,98 %) (Denison Mines) aus dem Uransektor. Solche Positionen werden oft bewusst klein gehalten, etwa zwischen einem halben und zwei Prozent des Portfolios. Der Gedanke dahinter ist einfach. Wenn das Investment scheitert, bleibt der Schaden begrenzt. Wenn das Szenario aufgeht, kann der Beitrag dennoch relevant werden.


Ein konkretes Zahlenbeispiel macht diese Logik greifbarer. Angenommen, ein Portfolio umfasst 100.000 Euro. Eine Core Position mit acht Prozent Gewicht entspricht dann etwa 8.000 Euro. Eine Satellite Position mit drei Prozent Gewicht entspricht rund 3.000 Euro. Eine Option Position mit einem Prozent Gewicht entspricht etwa 1.000 Euro. Selbst wenn eine solche Option Position komplett scheitert, bleibt der Effekt auf das Gesamtportfolio überschaubar.


Ein weiterer Punkt wird häufig unterschätzt. Positionsgrößen sind nicht statisch. Sie verändern sich über die Zeit automatisch. Wenn eine Aktie stark steigt, wächst ihre Gewichtung im Portfolio. Viele der größten Portfolio Gewinner entstehen genau dadurch, dass erfolgreiche Positionen nicht zu früh reduziert werden.


Eine ursprünglich kleine Position kann dadurch im Laufe der Jahre zu einer der größten Positionen im Portfolio werden. Das ist kein Fehler, sondern häufig ein Zeichen dafür, dass sich eine gute Idee tatsächlich entfaltet hat.


Umgekehrt kann es sinnvoll sein, Positionen zu reduzieren, wenn Bewertungen extrem steigen oder wenn die Gewichtung durch Kursgewinne unverhältnismäßig groß geworden ist. Ziel ist dabei nicht, kurzfristige Kursbewegungen zu timen. Ziel ist es, die Stabilität der Portfolio Architektur zu erhalten.


Der häufigste Fehler in diesem Zusammenhang ist Überkonzentration. Sie entsteht selten durch eine bewusst geplante Strategie. Häufig ist sie das Ergebnis von Narrativen. Eine überzeugende Geschichte, eine Phase schneller Kursgewinne oder starke Aufmerksamkeit können dazu führen, dass einzelne Positionen immer weiter ausgebaut werden. Das Portfolio wird dadurch anfälliger für Fehler.


Die zentrale Erkenntnis lautet deshalb relativ einfach.


Ein robustes Portfolio entsteht nicht dadurch, jede Aktie perfekt zu timen. Es entsteht dadurch, Kapital sinnvoll entlang von Qualität, Bewertung und Unsicherheit zu verteilen.


Oder anders formuliert.


Der Einstieg bestimmt den Preis.

Die Positionsgröße bestimmt das Risiko.


Im nächsten Beitrag der Serie geht es deshalb um eine Frage, die direkt daran anschließt. Wie geht man eigentlich mit Gewinnern im Portfolio um? Wann sollte eine Position einfach weiterlaufen dürfen und wann wird eine Gewichtung zu groß? Ein spannendes Beispiel dafür ist $GOOGL (+0,09 %) (Alphabet). Ein Unternehmen, das über viele Jahre hinweg enorme Wertsteigerungen erzielt hat und gleichzeitig immer wieder die Frage aufwirft, wie man mit solchen Gewinnern im Portfolio sinnvoll umgeht. Genau darum wird es im nächsten Teil gehen: Gewinner richtig managen.

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18 Kommentare

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Mit dem Thema Gewinner richtig managen beschäftige ich mich schon länger. Wann kommt der nächste Teil?
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@SchmonInvest ich versuche, den nächsten Beitrag kommenden Samstag zu bringen
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Saustark! 👍🏻 Vor allem Teil 2 wird für mich spannend - beim Umgang mit Gewinnen habe ich leider immer wieder Probleme.
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Als Lesezeichen gespeichert Part 11 🤝
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Richtig starker Beitrag! 👍 Freue mich auf die nächste Folge! 😊
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Wichtiges Thema. Und ich bin auch aufs Managen der Gewinner gespannt. Bei mir die Frage, wie es mit $PLTR in meinem Portfolio weiter geht. Welches ich im Januar bereits halbiert habe und wofür ich grob eine Vorstellung für den weiteren Verlauf habe.
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@NotBubble danke dir ☺️ ich versuche, den nächsten Beitrag kommenden Samstag zu bringen
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Sehr schöner Beitrag, unaufgeregt und natürlich erzählt, ohne KI-generierten Text. Danke dafür. Ich bin gespannt auf den bereits angekündigten nächsten Beitrag. 🙂
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Kann sein, dass ich irgendwas bislang missverstanden habe. Aber ist der Text nicht einfach die gängige Begründung einer Core-Satellite-Strategie? Warum sollte man sein Portfolio denn sonst so strukturieren, wenn nicht, um durch angemessene Gewichtungen Chancen und Risiken möglichst optimal auszubalancieren? Oder habe ich da jetzt etwas überlesen?
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@Fanni_Spielgeld Guter Punkt und die Frage ist absolut berechtigt.

Die Logik überschneidet sich tatsächlich mit der klassischen Core-Satellite-Struktur. Der Unterschied, den ich im Beitrag betonen wollte, liegt eher in der Herleitung der Positionsgröße. Core und Satellite sind zunächst einmal nur Kategorien. Die eigentliche Entscheidung entsteht vorher: aus der Kombination von Geschäftsqualität, Szenario-Bandbreite und Bewertung.

Ein Unternehmen kann deshalb strukturell sehr hochwertig sein und trotzdem nicht automatisch eine große Position werden, wenn zum Beispiel die Bewertung extrem ist oder die Ergebnisunsicherheit hoch bleibt. Umgekehrt kann eine vermeintliche Satellite-Position im Zeitverlauf zu einer Core-Position werden, wenn sich Qualität und Visibilität der Ergebnisse erhöhen.

Der Beitrag versucht deshalb weniger eine bestimmte Portfolioform zu verteidigen, sondern eher zu zeigen, warum unterschiedliche Gewichtungen logisch entstehen, wenn man entlang von Szenarien und Unsicherheit denkt.

In diesem Sinne liegst du mit der Core-Satellite-Lesart also gar nicht falsch. Sie ist nur eher das Ergebnis der Logik als ihr Ausgangspunkt.
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Guter Post. Die Strukturierung des Depots ist wichtig und wird häufig gar nicht berücksichtigt.
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Das Managen der Gewinner ist spannend. $GOOGL ist so eine Position bei mir, die ich damals in meiner anfänglichen Unwissenheit gekauft hatte - weil ich u.a. die Produkte nutze/gut finde. 😂 Heute eine nette Performance im Depot.

Diesen Satz finde ich ist einer der wichtigsten Aussagen:
➡️ "In der Praxis ist es oft sinnvoller, mit Szenarien zu arbeiten, also mit mehreren plausiblen Entwicklungen."

Mit Szenarien müssen ja nicht nur Untergangsszenarien betrachtet werden. In dem Zusammenhang finde ich das Thema um die "Monte-Carlo-Simulation" in der Depotbetrachtung spannend. Es ist nicht dieser eine Pfad mit "7% p.a.". Das ist wie du sagst, nur ein Weg.

Bei vielen denke ich ist es so, dass sie aufgrund von Aufmerksamkeit/Hype einer Aktie hinterherlaufen oder auf den Zug mit aufspringen. Also emotionsgetrieben anstatt analytisch (wie du schreibst mit möglichen Szenarien).

Am Ende bevorzuge ich ein übersichtliches Depot, das auch ohne große Arbeit auskommt. Kurzzeitiges Rauschen sollte einen nicht in emotionsgetriebene Handlungen stürzen lassen. 💪
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Ich setze konsequent auf Equal Weighting. Jede meiner aktuell 39 US-Aktien hat exakt die gleiche Positionsgröße. Das schaltet den psychologischen Stress aus. Ich muss mich nie darüber ärgern, dass ein Highflyer zu niedrig gewichtet war oder ein Verlierer das Depot überproportional belastet.

Mein Selektionsprozess folgt einer klaren Hierarchie:

Analyse: Fundamentaldaten, Branche und Analysten-Ratings müssen ein stimmiges Bild ergeben.

Timing: Absolut entscheidend ist für mich das Chartbild auf Wochenbasis. Als Trendhändler steige ich ausnahmslos in der Korrektur ein, niemals in der laufenden Bewegung.

Disziplin: Einmal investiert, wird das 'Pferd' laufen gelassen. Es gibt kein Nachkaufen und kein Aufstocken, der Anfangswert bleibt fix.

Damit nehme ich das Grübeln über die Positionsgröße komplett aus der Gleichung. Ich warte wie ein Scharfschütze auf den perfekten Moment 😃
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@xxxMIRKOxxx Verpasst man damit nicht Chancen bei Rücksetzern innerhalb bereits investierter Unternehmen (Einstiegskurs optimieren… cost leverage)? Andererseits spricht deine Portfolio Entwicklung durchaus für die Strategie. 🤔
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@MozartsGeist wie gesagt, da ich jede Position gleichgewichten möchte würde ich einen weiteren Einstieg in einer Position niemals tun. Verpassen, tue ich nicht wirklich etwas da ich immer eine prall gefüllte Watchliste habe und sobald ich wieder die Summe X zusammen habe, die ich auch bei den anderen Werten investiert habe, gehe ich auf die Lauer und setze ein neues Pferd ins Rennen 🐴

Ich bin ja mal gespannt, wie viele dieser Pferdchen ich in den nächsten Jahren noch an der Startlinie loslaufen lassen darf 🤣
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Wie immer toller Beitrag zum Wochenende. Danke.
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Die Positionsgröße hängt ja auch immer mit der Erwartung zusammen - Dein Beispiel würde ich eher in die Kategorie "Marktrendite" +- 3% einordnen. Je nach Strategie muss die ideale Positionsgröße variabel sein
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@Krush82 Guter Punkt, sehe ich ähnlich.

Die Erwartung spielt natürlich eine zentrale Rolle und damit auch die Frage, ob man eher in Richtung Marktrendite denkt oder bewusst davon abweichen möchte. Dein Hinweis auf variable Positionsgrößen je nach Strategie passt deshalb absolut.

Im Beitrag geht es allerdings bewusst eher um klassische, strukturierende Ansätze, also um die Frage, wie man ein Portfolio entlang von Qualität und Unsicherheit sauber aufbaut. Fortgeschrittene Ansätze, die stärker über Erwartungswerte, Faktorwetten oder gezielte Outperformance gegenüber dem Markt gehen, gehen noch einmal einen Schritt weiter.

Das ist auch ein Stück weit der Fokus der Serie. Die Kernzielgruppe sind eher Investoren, die ihre Entscheidungslogik schärfen und strukturieren wollen, nicht diejenigen, die bereits sehr tief in quantitativen oder strategischen Modellen unterwegs sind.

Gleichzeitig hoffe ich natürlich, dass auch für Fortgeschrittene ein gewisser Mehrwert dabei ist, gerade was die Herleitung und Klarheit in der Argumentation angeht.
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