Ich habe an der Telefonkonferenz von Thales ($HO (-7,85 %) ) zum Gesamtjahr 2024 teilgenommen und möchte die wichtigsten Punkte und Erkenntnisse mit euch teilen.
CEO Patrice Caine begann mit den Highlights des Jahres 2024 und betonte die starke kommerzielle Dynamik des Unternehmens in allen Bereichen. Thales hat im Jahr 2024 sechs Verträge mit einem Wert von über 500 Millionen Euro abgeschlossen, was zu einem neuen Rekord bei Auftragseingang und Auftragsbestand führte. Das Umsatzwachstum übertraf mit 8,3 % organisch die Erwartungen. Besonders hervorzuheben ist das Wachstum im Verteidigungssektor. Der bereinigte EBIT stieg um 13 % im Vergleich zum Vorjahr, und der Cashflow war erneut exzellent.
Thales setzt seine strategische Roadmap um, um seine globale Technologieführerschaft in den Bereichen Verteidigung, Luft- und Raumfahrt sowie Cyber & Digital auszubauen. Im Raumfahrtgeschäft wurde ein Anpassungsplan gestartet, um die Kostenstruktur an die neuen Marktbedingungen im zivilen Telekommunikationsmarkt anzupassen und die Rentabilität wiederherzustellen.
Der Auftragseingang stieg organisch um 6 % auf 25,3 Milliarden Euro, was einem Book-to-Bill-Verhältnis von 1,23 entspricht. Der Umsatz stieg um 8,3 % auf 20,6 Milliarden Euro. Der bereinigte EBIT erhöhte sich um mehr als 13 %, und die EBIT-Marge verbesserte sich auf 11,8 %. Der bereinigte Konzerngewinn stieg um 7 % auf 1,9 Milliarden Euro, trotz höherer finanzieller Aufwendungen aufgrund gestiegener Schuldenkosten im Zusammenhang mit den Akquisitionen. Der freie operative Cashflow aus fortgeführten Aktivitäten stieg um 9 % und übertraf 2 Milliarden Euro. Der Vorstand schlägt eine Dividendenerhöhung von 9 % auf 3,70 Euro vor.
Pascal Bouchiat, CFO von Thales, erläuterte, dass der Auftragseingang von über 25 Milliarden Euro zu einem Book-to-Bill-Verhältnis von 1,23 führte. Ohne Cyber & Digital erreichte das Book-to-Bill-Verhältnis sogar 1,28. 35 Aufträge mit einem Wert von über 100 Millionen Euro wurden im Jahr 2024 verbucht, darunter sechs mit einem Wert von über 500 Millionen Euro. 27 Großaufträge entfielen auf den Verteidigungsbereich. Im Bereich Space gab es ebenfalls eine gute Dynamik, insbesondere im vierten Quartal.
Der Scope-Effekt betrug 649 Millionen Euro, hauptsächlich aufgrund der Akquisitionen von Cobham, Imperva und Tesserent. Das organische Umsatzwachstum betrug 8,3 %, wobei der Verteidigungsbereich ein deutliches zweistelliges Wachstum verzeichnete. Avionics verzeichnete ein mittleres einstelliges Wachstum, während Cyber & Digital ein niedriges einstelliges organisches Wachstum erzielte.
Die Bruttomarge stieg um 329 Millionen Euro, hauptsächlich aufgrund des Umsatzwachstums im Verteidigungsbereich. Die F&E-Ausgaben stiegen weiter und erreichten 6,2 % des Gesamtumsatzes. Die indirekten Kosten wuchsen organisch mit der Hälfte der Umsatzrate. Die Aerospace-Sparte verzeichnete einen Auftragsanstieg von 14 %. Avionics profitierte von einer starken Dynamik im Flugzeug- und Aftermarket-Geschäft, während das Raumfahrtgeschäft ein negatives bereinigtes EBIT aufgrund von F&E-Aufwendungen und Restrukturierungskosten auswies. Der Auftragseingang im Verteidigungsbereich erreichte mit 14,7 Milliarden Euro einen neuen Höchststand.
Patrice Caine nannte vier strategische Prioritäten für die nahe Zukunft:
- Kapazitätserhöhung: Erhöhung der Produktionskapazitäten und Sicherstellung der richtigen Talente.
- Wiederherstellung der Rentabilität im Raumfahrtbereich: Nutzung des Anpassungsplans von Thales Alenia Space.
- Aufrechterhaltung der Innovations- und F&E-Führerschaft: Differenzierung durch bahnbrechende Produkte.
- Wertschöpfung aus Akquisitionen: Starke operative Leistung von Imperva und Cobham AeroComms.
Thales strebt für 2025 ein organisches Wachstum von 5 % bis 6 % und eine bereinigte EBIT-Marge von 12,2 % bis 12,4 % an.
Im Anschluss an die Präsentation hatten Analysten die Möglichkeit, Fragen zu stellen.
Chloe Lemarie von Jefferies fragte nach den Treibern der starken Verteidigungsleistung im vierten Quartal und der erwarteten Margenentwicklung in den einzelnen Sparten für 2025. Pascal Bouchiat erklärte, dass die Auslieferung von Ausrüstung, die sich bereits auf der Bilanz befand, sowie die Auflösung von Lieferkettenengpässen im Bereich Radarproduktion zu dem starken Wachstum beigetragen hätten. Patrice Caine ergänzte, dass die Erholung im Raumfahrtbereich und der Beitrag von Cobham AeroComms die Margen verbessern sollten. Im Bereich Cyber & Digital wird ein weiterer Margenanstieg erwartet, während im Verteidigungsbereich eine stabile Profitabilität angestrebt wird.
Christophe Menard von der Deutschen Bank fragte nach der Sensitivität der Prognosen angesichts steigender Verteidigungsausgaben und der Time-to-Market verschiedener Verteidigungsprodukte. Pascal Bouchiat betonte, dass die Prognosen auf den zum Zeitpunkt der Kapitalmarkttage bekannten Informationen basieren und eine weitere Steigerung der Verteidigungsausgaben noch nicht berücksichtigt ist. Patrice Caine erklärte, dass Thales in der Lage ist, sich schnell an die Nachfrage anzupassen, aber zusätzliche Verträge benötigt, um die Kapazitäten weiter auszubauen.
Ben Heelan von der Bank of America fragte nach der Kapitalallokation, möglichen Akquisitionen im Verteidigungsbereich, dem Stand der Gespräche mit Leonardo und Airbus im Bereich Space sowie der Situation in der Lieferkette. Patrice Caine betonte, dass die Priorität weiterhin auf der Entschuldung des Konzerns liegt, schloss aber Akquisitionen im Verteidigungsbereich nicht aus. Die Gespräche im Bereich Space sind noch in einem frühen Stadium. Pascal Bouchiat räumte ein, dass die Situation in der Lieferkette, insbesondere bei Leiterplatten, noch nicht vollständig behoben ist und weitere Anstrengungen erfordert.
David Perry von JPMorgan bat um eine Einschätzung der politischen Situation in Frankreich bezüglich der Verteidigungsausgaben und fragte nach dem organischen Wachstum von Cyber im Jahr 2024. Patrice Caine verglich die Situation in Großbritannien, Deutschland und Frankreich und betonte, dass es wichtig sei, die konkreten Maßnahmen und Budgetänderungen abzuwarten. Pascal Bouchiat erklärte, dass Cyber ein gutes Wachstum verzeichnete, während Digital durch die Lagerbestandsreduzierung im Bankensektor beeinträchtigt wurde.
Herve Drouet von CIC Market Solutions fragte nach der Umsetzungsgeschwindigkeit von Kapazitätserhöhungen und den möglichen Auswirkungen einer Erhöhung der Verteidigungsausgaben auf 3,5 % des BIP. Patrice Caine betonte, dass die präsentierten Kapazitätserhöhungen bereits erreicht wurden und Thales in der Lage ist, sich an die Marktentwicklung anzupassen, aber konkrete Verträge benötigt. Pascal Bouchiat ergänzte, dass eine weitere Steigerung der Produktionskapazitäten Investitionen erfordern würde, aber sich positiv auf den Cashflow auswirken sollte.
Ross Law von Morgan Stanley fragte nach den Treibern für die Umsatzprognose von 5 % bis 6 % und dem absoluten EBIT-Niveau im Raumfahrtbereich im Jahr 2024. Pascal Bouchiat erklärte, dass die Prognose auf einem mittleren einstelligen Wachstum in Avionics und Cyber & Digital sowie einem flachen bis niedrigen einstelligen Wachstum im Raumfahrtbereich basiert. Das negative EBIT im Raumfahrtbereich betrug 2024 minus 65 Millionen Euro.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Thales ein erfolgreiches Jahr 2024 verzeichnete und optimistisch in die Zukunft blickt. Die strategischen Prioritäten des Unternehmens sind klar definiert, und die finanzielle Leistung ist solide. Die steigenden Verteidigungsausgaben in Europa bieten zusätzliche Wachstumschancen, aber es ist wichtig, die konkreten Maßnahmen und Vertragsabschlüsse abzuwarten.