Heute Morgen geht es mal nicht um neue Trades oder um Aktien, in die ich einsteigen möchte und die interessant sind. Heute möchte ich mit Euch meine Gedanken zu einem Thema austauschen, was eher dem Lernprozess an der Börse dient und warum es vielen so schwer fällt, dass sie das eigentlich logische in der Realität nicht umsetzen. Ich weiss, dass hier natürlich viele sind, die das, was ich schreibe, alles wissen. Aber den Einen oder die Andere interessiert und hilft es dann ja doch.
Was unterscheidet also einen durchschnittlich erfolgreichen Anleger von einem sehr erfolgreichen?
Aus meiner Sicht kann man das mit einem Wort zusammen fassen: DISZIPLIN!!!
Um das zu verstehen, blicke ich mal kurz so gute 25 Jahre zurück, auf die Zeit der Geburt des Neuen Marktes und der Technologieaktien. Damals war meine aktivste Zeit. Gegen das, was ich damals gehandelt habe, ist das heute ein Fliegenschiss. Es gab Tage, da habe ich 40% ( der höchste Tagesverlust) -60% ( der höchste Tagesgewinn) des Depotvolumens verloren oder gewonnen. Wie geht so was? Das frage ich mich heute auch!
Die Ursache lag aber wohl genau darin, dass mir etwas gefehlt hat und das war Disziplin!
Heute handel ich immer nach dem Motto: Gewinne laufen lassen! Verluste begrenzen! Liest man ja auch öfter in meinen Posts.
Damals habe ich vor allen Dingen zu Zeiten des Niederganges des Neuen Marktes, Gewinne schnell mitgenommen, aber die Werte, die 30,40 oder auch 60% ins Minus gelaufen waren, immer weiter nachgekauf, in dem festen Glauben, sie müssten ja mal wieder steigen.
Und damit es vor allen Dingen, den noch nicht so erfahrenen hier, die sich noch von den hier teilweise erzielten Renditen beeindrucken lassen, leichter fällt, verinnerlicht Euch dieses Motto. Es hörst sich banal an, aber die Umsetzung ist nicht so leicht. Das sehe ich daran, dass ich in den Kommentaren zu meinen Trades oft gefragt werde, wie lange willst du halten? Bin 30% im Plus, es juckt mich Gewinne mitzunehmen.
Der Gedankengang ist absolut verständlich. 30% sind viel in relativ kurzer Zeit, dass will ich mir sichern! Wenn man das machen möchte und damit zufrieden ist, kann man das machen, aber man muss dann auf der anderen Seite auch sagen, ich bin 15% im Minus, ich begrenze jetzt meine Verluste und suche mir den nächsten Einstieg. Weil wie will man sonst eine bessere Rendite erzielen, als der Markt. Aber bei vielen setzt dann der Prozess ein, ich kaufe nach und verbillige meinen Einstieg, oder noch schlimmer, wird schon wieder aufwärts gehen, nur Geduld. Verinnerlicht Euch: Ein Wert, der 50% ins Minus geht, muss sich anschliessend verdoppeln, damit Ihr nur auf Plus/Minus 0 kommt. Das ist für mich keine Option. Ich spreche dabei explizit nicht von meinen High Risk Derivate Trades, wo natürlich auch mal Verluste bis zum Totalverlust vorkommen. Das ist aber einkalkuliert.
Daher mein Rat, setzt Euch für Eure Käufe eher ein festes maximales Verlustziel!!! Wenn sich jeder hinterfragt und ehrlich ist, haben die meisten das nicht! Ich werde auch nie danach gefragt. Ein festes Gewinnziel braucht Ihr nicht! Wofür soll das gut sein?
Baut Euch eine Absicherung von Anfang an zumindest mental ein, z.B. 20% minus sind für mich akzeptabel. Läuft Euer Investment dann in die von Euch gedachte Richtung, zieht Ihr diese Grenze nach oben. Überschreitet ein Wert Eure Wunschgewinngrenze von z.B. 30%, könnt Ihr ja die Absicherung bis zu dem Punkt hochziehen. Aus eigenen schmerzhaften Erfahrungen kann ich euch sagen, Disziplin nach unten einzuhalten, ist wichtiger als nach oben, wenn Ihr dauerhaft erfolgreich sein wollt.
Und achtet bei Euren Erwartungen darauf, dass Eure Erwartung zu dem Risiko passt, was Ihr eingeht.
Oft beantworte ich gerade im Derivatebereich Fragen bis wann ich halten will, mit der Antwort, ich strebe 100% an. Als Antwort kommt dann oft, mir würden die 30% bis jetzt schon reichen. Ganz ehrlich, das kommt doch auf das eingegangene Risiko an. Wähle ich ein Derivat mit Hebel 10, was ein sehr hohes Risiko ist, erwarte ich, dass die Aktie 10% macht, damit ich meine 100% erreiche. Will ich nur 30% haben, nehme ich doch kein Hebel 10 Produkt, nehme ich eins mit Hebel 3 und schlafe ruhiger, weil ich einen Bruchteil des Risikos eingehe und die gleiche Aktienentwicklung benötige.
PS: Ich schlafe auch mit Hebel 20 gut! :-)
Wenn Ihr weitere Fragen habt, stellt sie gerne. Vielleicht verhilft es ja dem Einen oder der Anderen zu einer erfolgreicheren Denkweise.
Ansonsten wünsche ich Euch allen einen erfolgreichen Tag, egal was Ihr vorhabt.
Ausserdem schon mal ein schönes Wochenende! Auch wenn das wahrscheinlich nicht mein letzter Post für heute war!
Euer Chris

