10Std.·

🕖 Sechs Monate Global Quant 6-Faktor

Am 13. März ist die Strategie gestartet. Seit dem 9. Juni ist sie als Zertifikat handelbar. Heute stehen plus 18,3 Prozent auf der Uhr, und die Zahl sagt weniger, als sie aussieht.


📊 Wo die Strategie heute steht


Plus 18,3 Prozent seit dem Start, plus 7,5 in den letzten drei Monaten, plus 1,8 im letzten Monat. Der größte zwischenzeitliche Verlust lag bei 14,6 Prozent. Investiert sind 4.259 Euro bei 44 Watchlistings. Eine Zahl steht in solchen Übersichten fast nie. Der höchste Stand lag bei 126 Punkten, aktuell sind es 118,3. Vom eigenen Hoch ist die Strategie also gut sechs Prozent entfernt. Die 18,3 Prozent oben sind kein Rekordstand, sondern eine Erholung. Was nach einem ruhigen halben Jahr klingt, hatte einen ziemlich hässlichen Sommer.


📉 Der Juli


Im Juli habe ich zum ersten Mal gemerkt, wo der Unterschied zwischen einem Backtest und echtem Geld liegt. Am 1. Juli lief das zweite Rebalancing. Danach ging es nach unten. Ich messe mit, wie sich das gekaufte Portfolio gegen alle 843 Aktien meines Universums schlägt, gleichgewichtet. Nach vier Wochen lag das Depot bei minus 6,81 Prozent. Der Querschnitt stand bei plus 2,13. Fast neun Punkte Rückstand in vier Wochen.

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Das war der Momentum-Crash. Was vorher gut gelaufen war, ist am stärksten gefallen. Momentum ist einer meiner sechs Faktoren. Ein Portfolio, das danach auswählt, muss in so einer Phase hinter einem gleichgewichteten Querschnitt liegen. Im Backtest habe ich solche Strecken mehrfach gesehen. Sie zu lesen ist trotzdem etwas anderes, als vier Wochen lang jeden Morgen draufzuschauen.


Gemacht habe ich nichts. Nicht weil ich diszipliniert wäre, sondern weil die Regel keinen Eingriff vorsieht. Zwischen zwei Terminen passiert nichts, egal was im Depot steht. Nach acht Wochen war der Rückstand auf 5,5 Punkte geschrumpft. Die Erholung kam, als die Phase drehte. Hätte ich Ende Juli verkauft, wäre der Verlust fest gewesen und die Erholung an mir vorbei.


💶 Das Depot nach sechs Monaten


Von den 30 Positionen stammen 14 noch vom ersten Tag im März. Sieben kamen im April dazu, neun im Juli. Zwei Rebalancings, und fast die Hälfte ist unverändert. Nach Gewicht liegen rund 41 Prozent in Finanzwerten, knapp 30 Prozent in Halbleitern und Speicher, knapp 13 Prozent in Minen. Gesetzt habe ich davon nichts. Das Modell steuert Branchen nicht. Sie fallen an, weil dort gerade günstige Bewertung und starkes Momentum zusammenkommen. Im Juli hat es aus teuer gewordenen Chipwerten in europäische Banken rotiert. Bei den Chips kamen die Gewinne dem Kurs nicht mehr hinterher, bei den Banken war es umgekehrt. Bankinter $BKT (+1,93 %) , CaixaBank $CABK (+0,76 %) , BPER $BPE (+1,13 %) , Monte dei Paschi $BMPS (+3,32 %) und Swedbank $SWED A (+0,61 %) stehen heute nebeneinander im Depot. Eine Meinung zu europäischen Banken hatte ich nie.


🔁 Gewinner laufen lassen


Micron $MU (-0,14 %) ist der Fall, an dem man sieht, wie das Ding arbeitet. Gekauft mit 3,3 Prozent Gewicht, heute sind es 6,6. Zwischen den Terminen gewichte ich nicht zurück. Gewinner bleiben groß, Verlierer werden klein. Gegen eine Variante, die jede Position wieder auf dasselbe Gewicht setzt, hat das im letzten Quartal 1,86 Punkte gebracht. Ein Quartal ist nichts, aber die Richtung passt zu dem, was der Backtest zeigt.


🔄 Am 1. Oktober


Beim dritten Rebalancing wechselt rund die Hälfte des Depots, 15 Titel raus und 15 rein. Deutlich mehr als beim letzten Mal. Die Minen gehen fast komplett, also Antofagasta $ANTO (+2,02 %) , Coeur $CDE (+1,14 %) , Endeavour $EDV (+0,24 %) und Newmont $NEM (+0,6 %) . Gold und Kupfer sind seit dem Frühjahr stark gelaufen und genau das macht die Aktien im Modell teuer. Rein kommen vor allem Raffinerien und Halbleiter. Welche Titel es genau werden, schreibe ich nach dem Rebalancing. Interessanter finde ich, was bei den Banken passiert. Im Juli hat das Modell aus teuren Chipwerten in europäische Banken rotiert. Jetzt dreht es einen Teil davon zurück, Bankinter $BKT (+1,93 %) , Swedbank $SWED A (+0,61 %) und UniCredit $UCG (+1,8 %) stehen auf der Verkaufsliste. Nicht weil sie schlecht gelaufen wären, alle drei liegen im Plus. Sie sind gestiegen und damit teurer geworden, und das reicht dem Modell. Das ist der Punkt, an dem so ein System am wenigsten intuitiv wirkt. Es verkauft nicht, weil etwas schlecht läuft. Es verkauft, weil etwas nicht mehr günstig ist.


💡 Was sechs Monate nicht sagen


Zwei Rebalancings sind zwei Datenpunkte. Am 1. Oktober kommt der dritte, erst dann fängt eine Reihe überhaupt an. Der Backtest über sechseinhalb Jahre sagt eine Sache, sechs Monate live sagen eine andere, und wie weit die auseinanderlaufen weiß ich heute nicht.

Was ich nach einem halben Jahr mitnehme, ist kleiner als jede Renditezahl. Eine Regel, die vorher feststeht, nimmt einem die Entscheidung in genau dem Moment ab, in dem man sie am schlechtesten treffen würde.


❓ Habt ihr im Juli durchgehalten oder umgeschichtet? Und arbeitet ihr mit festen Regeln oder entscheidet ihr von Fall zu Fall?


👇 Schreibt es in die Kommentare!


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