Hallo zusammen,
immer wieder habe ich in den letzten Monaten mit einigen hier im Forum über $IREN (-11,2 %) diskutiert und dabei meine massiven Bedenken hinsichtlich der ständigen und extremen Verwässerung geäußert. Meine Haltung zu diesem Papier ist deshalb nach wie vor ausgesprochen skeptisch und negativ. Da der Aktienkurs zuletzt spürbar an Schwung verloren hat und seitwärts läuft oder nachgibt, möchte ich die Gelegenheit nutzen, um das damals angesprochene Risiko noch einmal detailliert zu beleuchten und aufzuzeigen, warum hier echte Alarmglocken läuten sollten.
Eines vorab: Ich kritisiere hier ausdrücklich NICHT das Geschäftsmodell! Die Expansion in Richtung KI-Cloud-Infrastruktur und Rechenzentren ist spannend und hat sicherlich extremes Potenzial. Was ich aber scharf kritisiere, ist einzig und allein die Form der Kapitalbeschaffung. Und dies sehe ich als absolute Bedrohung für den Fortgang als eigenständiges Unternehmen.
In letzter Zeit sehe ich immer öfter Umfragen im Forum, bei denen $IREN (-11,2 %) bei einer Auswahl von 10 Aktien regelmäßig auf Platz 1 landet – teils mit über 50 % Zustimmung. Das ist für mich völlig unverständlich. Vor allem neue Anleger lassen sich von der Story blenden und packen sich die Aktie mit viel zu großer Gewichtung ins Depot, ohne das dahinterstehende Risiko zu verstehen.
Die Finanzierungsmethode: Ständige Aktienausgabe im Abo
Um den Bau von Rechenzentren und teure Nvidia-GPUs zu bezahlen, nutzt $IREN (-11,2 %) vor allem eins: $IREN (-11,2 %) gibt fortlaufend neue Aktien aus. Das Besondere und Gefährliche dabei: Das Unternehmen lässt sich im Abstand von wenigen Monaten immer wieder aufs Neue die Genehmigung für die Ausgabe frischer Aktien einholen. Es ist quasi ein permanent laufender Verwässerungs-Apparat.
* Bei steigenden Kursen: Kein Problem. Für frisches Geld müssen nur wenige Aktien gedruckt werden. Der Kurs steigt, alle sind glücklich.
* Bei stagnierenden oder fallenden Kursen: Hier schlägt die Falle zu. Je tiefer der Kurs sinkt oder je länger er auf einem niedrigen Niveau verharrt, desto mehr Aktien muss das Unternehmen ausgeben, um denselben Kapitalbedarf zu decken. Umso mehr Aktien ausgegeben werden müssen, desto höher wird logischerweise die Verwässerung für die Alt-Anleger sein. $IREN (-11,2 %) ist bei diesem Modell auf Gedeih und Verderb auf ständig steigende Kurse angewiesen und kann sich keine Schwächephase erlauben.
Warum sinkende Kurse zur Kernfalle werden (Das Rechenbeispiel)
Braucht $IREN (-11,2 %) beispielsweise 500 Millionen USD, sieht das bei verschiedenen Kursen drastisch aus:
* Bei 50 USD Kurs müssen 10 Millionen neue Aktien gedruckt werden.
* Rutscht der Kurs auf 25 USD ab, müssen für dieselbe Summe plötzlich 20 Millionen neue Aktien auf den Markt geworfen werden.
Das Ergebnis ist eine brutale Verwässerung (Dilution). Die Anzahl der Aktien explodiert – genau wie man es aus der Praxis von bekannten Negativbeispielen kennt.
Ein warnendes Praxisbeispiel aus der Historie: Plug Power ($PLUG (-1,57 %) )
Wer glaubt, dass das nur graue Theorie ist, sollte einen Blick auf historische Hype-Märkte werfen:
* $PLUG (-1,57 %) : Um den Bau von Fabriken zu finanzieren, gab das Unternehmen fortlaufend neue Aktien aus. Die Anzahl der ausstehenden Aktien stieg von rund 100 bis 200 Millionen auf weit über 1 Milliarde Aktien! Als der Kurs abrutschte, mussten bei tiefen Kursen immer gigantischere Mengen gedruckt werden, was das Papier für Alt-Anleger massiv entwertete.
Das Problem beim Gewinn je Aktie (EPS) & meine Prognose
Viele schauen nur auf den Gesamtumsatz oder den Nettogewinn. Aber entscheidend ist, was beim einzelnen Aktionär ankommt – nämlich der Gewinn pro Aktie (EPS). Und hier greift eine gnadenlose Mechanik:
* Je niedriger der Kurs auf Dauer bleibt, desto mehr Aktien müssen gedruckt werden, um exakt denselben Geldbetrag für Investitionen einzusammeln.
* Umso höher muss folglich das absolute Gewinnwachstum des Unternehmens sein, damit alle Aktionäre beim Gewinn pro Aktie auch wenigstens ein leichtes Wachstum haben.
Wenn die Aktienanzahl durch diese Dauerschwemme (die klassische Death Spiral) rasant schneller wächst als der operative Gewinn, schrumpft der Gewinn je Aktie unweigerlich zusammen – obwohl das Unternehmen insgesamt größer wird.
Meine Prognose: Genau das führt in eine Sackgasse. $IREN (-11,2 %) wird irgendwann bei den Quartalszahlen extrem enttäuschen, weil das operative Wachstum mit diesem astronomischen Tempo der Verwässerung schlicht und einfach nicht mehr Schritt halten kann. Wenn dann die Zahlen „nur“ noch solide ausfallen, während die Aktienflut unaufhaltsam weitergeht, bricht das Kartenhaus ein. Das wird dann das harte Ende sein.
Fazit
$IREN (-11,2 %) verzeiht keine Kursschwäche. Lasst euch von den Hypes und den regelmäßigen Aktien-Empfehlungen oder Abstimmungen nicht blenden: Eine Aktie mit diesem Risikoprofil gehört niemals überproportional gewichtet ins Depot!