In letzter Zeit lese ich vermehrt über sogenannte Coverd Call ETF’s.
Hier gibt es unzählige Beispiele, wie z.B. $WINC (-0,23 %) , $CHPY (-1,02 %) , $QYLE (+0,32 %) , $XYLP (-0,09 %) , $SXYD (+0,3 %) , die bestimmte Indizes abzubilden versuchen und mit Optionen arbeiten.
Die ETF‘s locken mit hohen Ausschüttungsquoten – meist ab 7-8% manchmal sogar 11-12%.
In einem kürzlichen Beitrag schrieb der gute @Dividendenopi bereits darüber, dass man die Risiken nicht unterschätzen darf.
An diesem Punkt bin ich während meines Besuchs im Fitnessstudio, während einer Satzpause, nachdenklich geworden und recherchierte etwas für mich. Lieber @Testo-Investo – nein die Recherche habe ich natürlich nicht auf der Bank betrieben, sondern später. Nicht, dass ich das Gerät blockiere und mit deinen Bitcoin beworfen werde…
Die Ergebnisse meiner Recherche möchte ich hier mit euch teilen und auch gerne zu Diskussion anregen. Ich bin mir sicher, dass wir einen qualifizierten Kommentar von @Epi benötigen, und einen weniger qualifzierten von @DonkeyInvestor :D noch ein paar weitere wie @Tenbagger2024 , @Multibagger , @Simpson und @PoorDad seien auch markiert :) @MozartsGeist und @Solitair haben dazu bestimmt auch eine Ansicht und @NichtRelevant hat auch eine äußerst relevante Meinung.
- Begrenztes Aufwärtspotential – hier möchte ich gerne dazu einladen einen Coverd Call ETF eurer Wahl anzuklicken und die Benchmark Funktion von Get Quin zu nutzen. Während der letzten Orangeman-Aktionen knickten die Märkte teils deutlich ein. Doch während die Indizes sich deutlich erholten und sogar neue Allzeithochs erreichten, blieben die Coverd Call ETF’s deutlich zurück. Der Hintergrund hierfür ist eine Deckelung, da bei dem dahinter liegenden Optionsgeschäft vereinfacht gesagt der ETF nur bis zum Basispreis der Option (dem Strike) profitiert. Man tauscht also massive Kursgewinne gegen Optionsprämien ein.
- Crash-Gefahr – auch bei dem „Verhalten im Crash“, schlägt sich der ETF nicht gut. Es ist ein Irrglaube, dass die eingenommenen Optionsprämien einen Crash abfedern. Sie bieten lediglich einen Puffer bei leichten Rücksetzern oder Seitwärtsmärkten. Kommt ein Bärenmarkt oder Crash daher dann… schaut euch einfach erneut den Benchmark vom NASDAQ vs. $QYLE an.
- Höhere Kosten, und steuerlich unattraktiv – ein nicht zu unterschätzender Punkt sind ebenfalls die laufenden Kosten. Während einige World ETF’s mit unglaublichen 0,07% glänzen, kommt ein Coverd Call ETF mit meist über 0,40% daher. Das ist mehr als das 4 fache, was man gegen eine Underperformance des Marktes eintauscht. Auch müssen die Ausschüttungen voll versteuert werden, wenn man über die 1000€ Freibetrag kommt, während man bei einem thesaurierenden nur seine Vorabsteuerpauschale bezahlt. Kein guter Tausch, wie ich finde.
- Substanzzehrung – nicht zuletzt und auch erkennbar ist, dass einige ETF’s versuchen eine extrem hohe monatliche Ausschüttung zu erreichen. Wenn die Optionsprämien und Dividenden hierfür nicht ausreichen, schüttet der Fonds im Grund Teile seiner eigenen Substanz bzw. dem Nettoinventarwert aus. Hierdurch kann der Kurs des Fonds langfristig sinken – er kannibalisiert sich selber. Das klingt für mich eher nach einer Krankheit, als einem Investment.
Nun fragt man sich bei den ganzen negativen Aspekten natürlich, warum man diesen Fonds überhaupt kaufen sollte. Es gibt wohl doch ein paar Gründe:
- Cashflow – wenn nicht langfristiger Vermögensaufbau im Vordergrund steht, sondern der regelmäßige Zufluss von Einnahmen, dann kann dies ein Grund sein einen Coverd Call ETF zu halten. Es kann z.B. für einen Rentner oder Ruheständler interessant sein, der seinen Lebensstandard hiermit finanzieren möchte. All-In sollte der Ruheständler wohl aber trotzdem nicht gehen.
- Seitwärtsphasen in den Märkten – in Seitwärtsphasen in denen ein Index monatelang auf der Stelle tritt, spielen Coverd Call ETF’s ihre Stärke aus. Da die Kurse nicht stark steigen und somit kein verpasstes Aufwärtspotential haben, aber auch nicht dramatisch einbrechen und somit ebenfalls kein zu verkraftendes Abwärtspotential aufweisen, generieren verkaufte Optionen trotzdem einen Gewinn, die sogar das Marktumfeld schlagen können. Daneben reduzieren sie durch die Prämien die Volatilität.
- Psychologische Komponente – regelmäßige Ausschüttungen bedienen bei vielen Anlegern das gute Gefühl in trotzdem in Bärenmärkten oder Seitwärtsphasen Geld zu verdienen. Dies kann helfen panische FoMo Aktionen zu vermeiden und generell investiert zu bleiben.
Fazit: Es kann Sinn machen einen Coverd Call ETF im Portfolio zu haben. Allerdings bezweifle ich, dass es für die meisten hier auf Get Quin Sinn machen würde, da der Großteil eben nicht in der Auszahlphase seines Lebens steht. Wenn es um die psychologische Komponente geht – die regelmäßigen Ausschüttungen – so bin ich der Meinung, dass man dies trotzdem mit einem ausschüttenden World ETF versuchen sollte. Natürlich sind hier die Dividendenrenditen fast zehnmal niedriger, aber immerhin generiert man nachhaltigen Kurswachstum, der auf Jahrzehnte deutlich wichtiger ist, als momentane hohe Ausschüttungen.
Was ist eure Meinung hierzu und noch wichtiger: habe ich etwas Wichtiges vergessen?
Euer FinanzMechaNik
*KI generiertes Bild*

