Die US-Staatsverschuldung hat am 18. August erstmals die Marke von 40 Billionen Dollar überschritten – das ist doppelt so viel wie noch 2017.
Was bedeutet das eigentlich? Und welche Auswirkungen hat dies?
Die Schuldenzahl allein sagt wenig. Sie wird erst relevant, wenn man sie in drei Teile zerlegt: was sie kostet, wer sie finanziert und zu welchem Preis.
Woher kommen die Schulden?
Der Amerikanische Staat gibt dauerhaft mehr aus, als er einnimmt, und schließt diese Lücke über Anleihen. Für das laufende Halbjahr sehen die Zahlen so aus:
- Defizit laut Congressional Budget Office: 1,9 Bio. $ oder 5,8 % der Wirtschaftsleistung
- Ausgaben: 7,4 Bio. $ · Einnahmen: 5,6 Bio. $
- Juli allein: 432 Mrd. $ Defizit, der höchste Monatswert seit März 2021
Getrieben wird das von zwei Blöcken, die politisch kaum antastbar sind: Sozialversicherung und Medicare, deren Empfängerzahl mit der alternden Bevölkerung wächst. Dazu kommt das Steuerpaket (The Big Beautiful Bill) des vergangenen Jahres, das die Einnahmenseite dauerhaft senkt. Das CBO veranschlagt dessen Wirkung auf 4,7 Bio. $ zusätzliche Defizite bis 2035.
Die Schulden sind kein Problem, solange sie billig sind.
Genau das ändert sich jetzt: Die Zinsausgaben liegen im laufenden Jahr bereits bei ~1,2 Bio. $ – mehr, als die USA für Verteidigung oder Medicare ausgeben. Dabei wird eine Verdopplung auf 2,1 Bio. $ bis 2036 erwartet, also von 3,3 % auf 4,6 % der Wirtschaftsleistung.
Ab hier treiben sich die Schulden selbst an: Alte, niedrig verzinste Anleihen laufen aus und werden zu heutigen (sehr hohen) Zinssätzen refinanziert. Jeder Dollar Zins muss selbst wieder geliehen werden. Diesen Effekt nennt man Verdrängung: die Zinslast frisst Spielraum für alles andere im Haushalt.
Warum sind die Zinsen derzeit so teuer?
Die dreißigjährige US-Rendite ist im August über 5,3 % gestiegen, den höchsten Stand seit 2007, die zehnjährige liegt bei rund 4,7 %.
Drei Faktoren fallen dabei zusammen:
Angebot: Der Staat muss jährlich über 2 Bio. $ frisch platzieren
Konkurrenz: Rekordvolumina an Unternehmensanleihen zur Finanzierung des KI-Ausbaus ringen um dieselben Käufer
Inflationsrisiko: Die Teuerung liegt weiter über dem Fed-Ziel, zuletzt zusätzlich belastet durch höhere Ölpreise
Das Finanzministerium hat darauf reagiert und seine Rückkäufe langlaufender Papiere ab dem 9. September auf mindestens 4 Mrd. $ je Operation verdoppelt. Die Renditen gaben kurz nach und zogen am Folgetag wieder an – ein Hinweis darauf, dass der Markt die Maßnahme eher als Liquiditätshilfe liest denn als Antwort auf die Ursache.
Welche Auswirkungen hat das?
Die zehnjährige Rendite ist die Referenz für Hypotheken, Autokredite und Unternehmensfinanzierungen. Steigt sie, verteuert sich Kredit in der gesamten Volkswirtschaft. Für Aktien wirkt derselbe Zins als Abzinsungssatz:
Je höher er liegt, desto weniger sind die weit in der Zukunft liegenden Gewinne heute wert, was besonders hoch bewertete Wachstumswerte trifft.
Für Anleihebestände selbst gilt: Steigende Renditen bedeuten fallende Kurse, und je länger die Laufzeit, desto heftiger der Ausschlag.
Insgesamt ist die 40-Billionen-Marke vor allem symbolisch. Die aussagekräftigere Zahl ist die Zinsquote: Anders als Sozialausgaben oder Verteidigung lässt sich der Schuldendienst nicht kürzen oder verschieben. Und solange der Zinssatz über der Wachstumsrate liegt, wächst sie schneller als die Wirtschaftsleistung, die ihn tragen soll. Eine große Volkswirtschaft kann eine hohe Schuldenlast durchaus tragen – entscheidend ist jedoch, wie es von hier aus weitergeht.
$CSPX (-0,04 %)
$CSNDX (-0,68 %)
$IWM (-0,59 %)
Quellen:
https://www.cbo.gov/publication/61882
https://www.cbsnews.com/news/national-debt-tops-40-trillion-doubles/
