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Erbschaft ... und dann?

Wenn Eltern sterben, ist man selbst meist auch nicht mehr ganz jung. Die eigene Altersvorsorge sollte besser nicht vom Erbe abhängen und - wegen des fortgeschrittenen Alters - schon halbwegs abgesichert sein (ja, heute würde ich keine LV mehr abschließen, hat man halt so gemacht). Eine Immobilie hat man vielleicht auch, in meinem Fall eine selbstgenutzte Eigentumswohnung und zwei kleinere Einheiten zur Vermietung.


Und dann kommt etwas ungeplant und unerwartet eine Erbschaft, die in meinem Fall das Vermögen um zwei Drittel erhöhte. Uff.


Das klingt erst einmal toll, aber eigentlich ist man ganz schön traurig.

Ich empfinde es als meine Aufgabe, verantwortungsvoll und sinnvoll mit dem Geld umzugehen, die Leistung der Vorfahren "dauerhaft nutzbar" zu machen und zu ehren.

Aber wie?


Vielleicht haben andere ja ähnliche Sachlagen und Fragen wie ich in diesem Fall, weshalb ich meine Überlegungen und Entscheidungen in groben Zügen offenlege.


Meine "Vorbildung" bzw. Erfahrung mit Investments:


Wie ihr seht, war ich erst seit April 2025 hier im Forum dabei und viel mehr Erfahrung habe ich mit Investieren & Co. auch nicht. Die letzten 5 Jahre hatte ich nur einen 300€-Sparplan auf den S&P 500 laufen, ja, aber alles ganz passiv.

Seit April hatte ich mit "freiem Kapital" (<25k) zum ETF noch ein paar Einzelaktien gekauft und Spaß daran, z.B. mit $IREN (+1,3 %) , die ich bei 13 oder 14 € eingesammelt hatte und gerne habe ich hier auch Analysen und Gedankengänge verfolgt. Alles experimentell, Misserfolge gab es auch genug.


Mitten im Lernprozess kam dann recht plötzlich die Erbschaft und ich musste damit umgehen.


Ansatz einer Planung


Das Geld kann nicht einfach "rumliegen".

Was will ich eigentlich erreichen?

  • Ruhestand um x Jahre vorziehen (9 Jahre müsste ich noch regulär arbeiten) -> wieviel erwerbsfreie Zeit kann ich mir erkaufen? 5 Jahre wären toll. In 4 Jahren würde ich also beginnen, mir jährlich 40-50.000 € auszuzahlen, was ich dann mit offiziellem Renteneintritt wieder deutlich reduzieren könnte.
  • ein Wohnmobil (<60k) wäre schon schön.
  • Verleben möchte ich das Geld aber nicht. Es wäre schön, wenn noch einiges davon mit hoher Wahrscheinlichkeit vererbt werden könnte (Wir haben zwei Kinder).



Anlagestrategie


Wenn ich meine Alterssicherung schon selbst angespart habe, dann kann ich mit mäßigem Risiko auch noch ein paar Jahre Wachstum mitnehmen, um mir all die Wünsche zu ermöglichen. Dazu habe ich mir länger Gedanken gemacht und erkläre das Ergebnis auch nach dem Screenshot, der das aktuelle Portfolio zeigt:


Meine derzeitige Aufteilung:

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Erläuterungen


Der FTSE All-World als Brot- und Butter-Core-Investment deckt 25% ab.

wikifolios (weil da Leute hoffentlich Ahnung haben) sorgen für das Wachstum mit 50% Anteil am investierten Kapital.

@Epi s 3xGTAA für Momentum (S&P 500 und Nasdaq sind da abgedeckt)

Umbrella und PPInvest low Vola (WFPP999999) für Wachstum mit sehr gutem Chancen/Risiko-Verhältnis (ca. 2!)

Special Situations long/short als Chance, falls Trump ganz durchdreht (da liegen aktuell 50% Cash drin aus gutem Grund)

Ein paar Prozente Cash als Reserve im $XEON (+0,01 %)
Ein paar Prozente Gold, Silber und Bitcoin (Lehrgeld) als Diversifikation

Kapitaleinkommen: $TDIV (-0,05 %) und $MAIN (-1,39 %) . Die sind mein Testfeld, ob das als Altersstrategie für ein regelmäßiges Dividendeneinkommen taugt. In die beiden gehen derzeit auch meine meisten Sparraten. Gewinnmitnahmen sollen auch dort landen.


Chancen/Risisko-Betrachtung


Die Anteilsgewichtete Sharpe-Ratio über alle diese Anlagen (ohne Aktien) sollte ziemlich genau bei 1 liegen.

Dass der bisherige interne Zinsfuß von 24% seit 10.11.2025 bis heute sicher nicht gehalten werden kann, sollte klar sein. Meine Hoffnung ist es allerdings durchaus, dass ich - ohne großen Aufwand treiben zu müssen - bei 15-20% p.a. landen könnte.


Und die 5-7% Einzelaktien behalte ich für den Spaß und zum Lernen, weil ich das Thema einfach spannend finde. Vielleicht führt das auch noch einmal zu einer Umorientierung in der Verteilung, aber derzeit starte ich mal so.


Wenn ich mit meinem Plan böse Dummheiten mache, sagt es ruhig!


Links zu den wikifolios:

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20 Kommentare

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Mein Vater ist vor zwei Jahren gestorben und ich war letztes Jahr in einer ähnlichen Situation.
Mein aufrichtiges Beileid!
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@Isus01010 Und wie hast Du deine Investitionen ausgerichtet, falls du etwas geerbt hast?
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Bei mir war der Fall etwas anders, weil der Nachlass zu einem großen Teil aus einem Depot mit Einzelaktien bestand. Es war dann an mir, die Anteile der anderen Erben zu liquidieren und den Rest in mein bestehendes Depot einzugliedern.
Ich habe im Zuge dessen von einer reinen ETF Strategie in eine Mischung aus ETF und Einzelaktien umgestellt. Einige Perlen mit tollen Kursgewinnen habe ich behalten, weil ich die auch um den Einstiegspreis nicht mehr bekommen würde. Aktuell fließt neues Kapital in die ETF um den Einzelaktien-Anteil wieder unter 30 Prozent zu drücken.
Ich habe das Depot erst mal hier eingepflegt, einige Monate bevor ich Zugriff auf die Werte hatte. In der Zwischenzeit habe ich mir die Strategie zurecht gelegt. Als ich Zugriff bekommen habe ich schnell und unemotional meinen Plan umgesetzt. Also direkt gekauft und verkauft ohne Timing. Das würde ich wieder so machen
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@Isus01010 Ah, ganz anders, aber auch interessant.
Den Punkt mit "umemotional und umgehend" kann ich gerade gut nachvollziehen. Es sind soooo viele rationale Entscheidungen zu treffen in der Situation und auch ich habe z.B. das Elternhaus schnell verkauft.
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Ja, ich habe mir auch die Kurse bewusst nicht gemerkt zu denen ich verkauft habe und habe das alte Depot dann entfernt. Alles was ich noch habe läuft jetzt in meinem Depot mit. Einen Teil habe ich selber neu angelegt und mich auf ein stimmiges Gesamtergebnis konzentriert. Nur den S&P 500 hab ich zu zögerlich nachgekauft. Aber auch da bin ich mittlerweile dort wo ich sein will.
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17Std.
Danke fürs Teilen!

Ich finde deinen Ansatz gut, die inhaltliche Arbeit andere machen zu lassen, um damit auf Überrendite zu kommen, wenn man selbst erst an der Börse angefangen hat.

Aber eine Frage: Angenommen, dein Plan funktioniert und du erwirtschaftest 20%pa bis zur Rente. Warum willst du eine solche überlegene Strategie in eine suboptimale tauschen? Mach doch einfach weiter und entnimm, was du brauchst. Dieser Ansatz ändert übrigens die Berechnung des optimalen Renteneintrittzeitpunktes deutlich. 😏
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@Epi Es freut mich, dass du meinen Ansatz nachvollziehen kannst und soweit gut findest. Ob meine Annahmen eintreffen, gilt es halt zu beweisen. Wenn alles läuft, wie ich es mir vorstelle, kann das mit den Dividendenwerten ggf. entfallen.
Du siehst ja, dass ich dort aktuell eher Testgrößen laufen habe.

Die Stärke von vergleichsweise stabilen Dividenden könnte in schwachen oder rückläufigen Märkten zum Tragen kommen. Man redet ja immer von Zyklen, nur weiß man wohl nie sicher, wo in der Welle man gerade steht.
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17Std.
@en-sx Beachte: Märkte sind schwach, wenn die Gewinne schmelzen. Und wenn Gewinne schmelzen, dann auch Dividenden.
Sicherer finde ich da die Total Return Ansätze. Wenn man ein paar unkorrelierte davon mischt, dann ist man schon gut gegen Schwäche abgesichert. Besser als mit Dividenden auf jeden Fall.
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@Epi Total Return heißt, dass man Betrag X über eine Zeit y mit einer Wahrscheinlichkeit von z erwirtschaften kann?

Danke für den Hinweis. Klar werden Dividende bei ausbleibenden Gewinnen auch entfallen oder zumindest erheblich gekürzt, oft aber verzögert, wenn ich das richtig beobachte.
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16Std.
@en-sx Total Return Ansatz bedeutet, dass er versucht, unabhängig vom allgemeinen Markt eine bestimmte Rendite zu erwirtschaften. Also im Grunde im Chart eine gerade Linie von links unten nach rechts oben, ohne die Zickzacks der Märkte.
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@Epi Ah, alles klar. Nette grafische Erklärung für Dummies.
Der PPInvest low Vola kommt dem definitiv am nächsten, wenn es @PPinvest gelingt, den Kurs der letzten beiden Jahre zu halten.
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16Std.
@en-sx Genau, PPs Wikifolio wäre ein gutes Beispiel, wenn der Chart älter als 10 Jahre wäre. Seit Mitte 2024 war es ja relativ friedlich an den Börsen.
Die wenigsten schaffen eine langfristige konstante Rendite. Meist bricht es irgendwann irgendwie massiv ein und alle Gewinne sind dahin. Z. B. LTC 1997.
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@Epi Weshalb man nicht alles auf ein Pferd setzt und immer ein Auge drauf haben muss ...
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Seit einigen Wochen befass ich mich ebenfalls mit der Thematik… noch ist meine Schwiegermutter da, aber es ist absehbar das irgendwann der Tag kommen wird und somit auch das Erbe. Ich erstelle gerade eine Art Privatbilanz um einen bessern den Durchblick zu haben über unsere komplette Finanzen und was noch zu erwarten ist (Erbe nicht einberechnet)
Wie genau ich es kreieren werde wenn der Tag x kommt, weiß ich noch nicht.
Keep it simple.
Bin aktuell auch vermehrt auf Epi‘s Account unterwegs und in anderen Foren um einfach Ideen zu bekommen wie man es optimal strukturiert.
Dir erstmal vielen Dank für deinen Beitrag und mein Beileid, fühl dich gedrückt von mir.
Was spricht dagegen das du früher in Rente gehst und mit dem Wohnmobil durch die Welt reist?!
Wie man weiß, kommen im alter diverse Gesundheitliche Einschränkungen , bei dem einen mehr dem anderen weniger. Deshalb würd ich den Gedanken garnicht weit in die Ferne schieben.
Würd mich über eine Fortsetzung von diesem Beitrag freuen.
Bis dahin viel Erfolg 🍀
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@FrauManu Erst einmal danke ich dir und wünsche euch alles Gute und dass der Abschied "gelingt". Ich habe es als sehr tröstlich und beruhigend empfunden, alles würdevoll und gut gemanagt zu haben. Es war der letzte mögliche Dank an die Eltern.

Warum nicht früher in den Ruhestand gehen? Ganz einfach: Weil ich eine abwechslungsreiche und verantwortungsvolle Arbeit habe, die mir Spaß macht und zudem viele Freiheiten lässt.
In vier Jahren stehen jedoch altersbedingte Personalwechsel an und ich verliere meine liebsten Kollegen. Da dachte ich: Das wird der richtige Zeitpunkt, wir gehen gemeinsam und machen Platz für die Jugend.

Vielleicht schreibe ich wirklich ab und an, wie es läuft mit den wikifolios und dem Mix, wenn das von Interesse ist.
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Ich kann die Situation nachvollziehen. Natürlich ist man traurig und man hat jede Menge Dinge zu erledigen und zu Ordnen.

Bei mir war es so, dass die ganze Erbschaftsabwicklung nicht ganz einfach war, da der Immobilienanteil relativ hoch war. Die Immos waren teilweise unrenoviert und unvermietet, dafür bis zum Dach voll mit allerlei Gerümpel. Ich hab mich also erst mal mit dem Finanzamt wegen der Erbschaftssteuer über die Bewertung der Immobilien gestritten und dann hab ich mich der Sanierung und Vermietung widmen müssen um überhaupt Erträge zu generieren. Letztendlich war es finanziell attraktiv, aber anstrengend.

Wenn wenig Investmenterfahrung besteht, würde ich auf breit gestreute ETFs gehen. Im Prinzip hast Du dazu ja schon ein paar Positionen in Deinem Portfolio.

Falls Du es Dir verkneifen kannst würde ich vom Wohnmobil absehen, außer Ihr habt vor für mehrere Monate im Jahr auf große Fahrt zu gehen. Sich ein richtig cooles Wohnmobil für die Zeit wo Ihr es nutzt zu mieten ist gegenüber einem Kauf effektiv günstiger. Natürlich ist aber nicht immer alles rational greifbar - manchmal muss man auch irrational handeln um sich einen Herzenswunsch zu erfüllen.

Ich wünsch Dir viel Glück. 🙂
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@NichtRelevant Danke für Deine Geschichte wofür ich Dir weiter Glück und Erfolg wünsche.

Das Wohnmobil kommt als Ablösung für ein altgedientes und weil wir seit unseren Kindertagen Camper sind. Das ist halt unser Hobby und Hobbys sind per Definition irrational. :-D
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@en-sx Ok. Dann sei Euch das Wohnmobil gegönnt. Der/die Erblasser werden es auch tun, falls es tatsächlich ein Jenseits geben sollte von dem die Altvorderen einen beobachten. 🙂 -> 🚐
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Je nach dem wie viel Geld es den nun insgesamt ist.

Wenn du das Geld „dauerhaft nutzbar“ machen möchtest, schau dir doch mal das Endowment-Prinzip an.
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@Ape65 Danke für den Begriff, kenne ich sogar.
So viel ist es dann doch (noch) nicht :-D
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