Ich habe in den letzten Tagen mit Gemini über verschiedene Softwareunternehmen diskutiert. Hier ist die Zusammenfassung zu den Ergebnissen zu meinem Gespräch über $SAP (-0,29 %):
1. Interne Entwicklungen und Strategie
SAP vollzieht derzeit den finalen Schritt der Transformation vom klassischen Lizenzmodell hin zu einer Cloud-basierten Plattformökonomie.
- Cloud-Transformation: Mit den Programmen „RISE“ und „GROW“ forciert das Management die Migration der Bestandskunden in die Cloud.
- KI-Integration: Künstliche Intelligenz wird als nativer Bestandteil in die Business Technology Platform (BTP) integriert. Für KI-gestützte Prozessoptimierungen sind Aufschläge auf die bestehenden Cloud-Abos vorgesehen.
- Mit dem KI-Copiloten Joule hat SAP eine zentrale Schnittstelle geschaffen, die über das gesamte Portfolio hinweg (ERP, HR, CRM) agiert. Joule dient nicht nur als einfache Abfrage-Maske, sondern soll komplexe Geschäftsvorgänge proaktiv steuern und analysieren. Dabei ist besonders wichtig, dass der Agent die Zahlen direkt aus den Systemen verwertet und nicht fantasiert – hier sitzt SAP an der Quelle.
2. Herausforderer und Wettbewerbssituation
Der Wettbewerb hat sich 2026 weiter spezialisiert, was SAP in verschiedenen Teilsegmenten unter Druck setzt:
- Oracle:
$ORCL (-0,06 %) ist der gefährlichste Verfolger im Kampf um die ERP-Vorherrschaft. Mit der Fusion Cloud bietet Oracle eine Architektur an, die oft als weniger fragmentiert wahrgenommen wird als die historisch gewachsene SAP-Landschaft. Besonders kritisch für SAP: Oracle nutzt seine eigene Cloud-Infrastruktur (OCI) als Preishebel. Während SAP bei den Hyperscalern (AWS/Azure) Miete zahlt, kontrolliert Oracle den gesamten Tech-Stack vom Chip bis zur Applikation. Das ermöglicht Oracle oft aggressivere Angebote bei der KI-Integration. - Spezialanbieter (Best-of-Breed): In den Bereichen Human Capital Management (HCM) und Financials gewinnen Anbieter wie $WDAY (+0,16 %) Marktanteile, da deren Cloud-Architekturen oft als weniger komplex in der Implementierung gelten.
- Ökosystem-Konkurrenz: Im Mittelstand stellt $MSFT (+0,25 %)
Dynamics 365 eine wachsende Gefahr dar. Die tiefe Integration in den Microsoft-Stack (Office/Azure) bietet Kostenvorteile, die SAP in diesem Marktsegment unter Druck setzen. - Plattform-Wettbewerb: Unternehmen wie $CRM (-0,08 %) oder $NOW (+0,32 %) besetzen zunehmend die Nutzerschnittstellen. Es besteht das Risiko, dass SAP zur reinen „Daten-Backend-Ebene“ degradiert wird.
3. Der „Moat“
Trotz der Konkurrenz verfügt SAP über Alleinstellungsmerkmale, die einen tiefen Burggraben bilden:
- Prozess-Komplexität: In der diskreten Fertigung und Prozessindustrie (Automotive, Chemie, Pharma) bleibt SAP aufgrund der Fähigkeit, komplexe globale Lieferketten und Produktionsabläufe abzubilden, marktbeherrschend.
- Regulatorik und Compliance: Die Software erfüllt lokale rechtliche und steuerliche Anforderungen in fast allen Weltregionen. Für global agierende Konzerne stellt dies einen entscheidenden Sicherheitsaspekt dar.
- Hohe Wechselkosten (Lock-in): Aufgrund der tiefen Integration in die operativen Kerngeschäftsprozesse ist ein Systemwechsel mit erheblichen Risiken und Kosten verbunden.
4. Risiken
- Migrations-Deadline 2027: Das Auslaufen der Wartung für Legacy-Systeme (ECC) erzeugt einen enormen Umsetzungsdruck. Verzögerungen bei Kundenprojekten könnten die Wachstumsraten im Cloud-Bereich kurzfristig dämpfen.
- Abhängigkeiten: Da SAP für seine Cloud-Angebote stark auf die Infrastruktur von $MSFT (+0,25 %) , $AMZN (-0,3 %) und $GOOG (-0,42 %) setzt, besteht eine Abhängigkeit bei der Margengestaltung und der technischen Roadmap dieser Partner.
- Opportunitätskosten: Die hohen Aufwendungen für die KI-Entwicklung und die Restrukturierung binden Kapital, das für anorganisches Wachstum (Akquisitionen) in neuen Technologiefeldern fehlen könnte.
Fazit: SAP bleibt derzeit ein defensiver Anker im Technologiesektor mit Marktführerschaft in kritischen Branchen. Es besteht aber wenig Spielraum für Enttäuschungen bei der Cloud-Migration und die Konkurrenz schläft nicht.
