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Der Bitcoin-Kurs fällt: Gründe und Hintergründe

Die jüngste Kursentwicklung von Bitcoin zeigt erneut, dass sich die Märkte von den Fundamentaldaten abgekoppelt und diese überschossen haben – ein Muster, das für scharfe Korrekturen bei digitalen Vermögenswerten typisch ist. Wenn die Stimmung ungeordnet wird und sich der Preis von den zugrunde liegenden Signalen löst, ist es oft sinnvoller, den Fokus auf Positionierung, Kapitalflüsse und strukturelle Stressindikatoren zu legen, um zu beurteilen, ob der Abwärtsdruck seinem Ende nahekommt.

Mehrere dieser Signale beginnen sich nun zu synchronisieren. Globale Krypto-ETPs verzeichneten gestern mit 18,5 Milliarden US-Dollar das höchste jemals gemessene tägliche Handelsvolumen. Solche Volumenspitzen während Kursrückgängen haben historisch eher Kapitulation als erneuten Überzeugungsverkauf signalisiert. Zwar haben sich die Nettoabflüsse aus Fonds verlangsamt, doch in früheren Zyklen markierten nicht die Abflüsse selbst, sondern die Tiefpunkte in der Veränderungsrate der Flüsse häufig lokale Tiefstände.


Auch das On-Chain-Verhalten stützt diese Einschätzung. Adressen mit Beständen von mehr als 10.000 Bitcoin hatten seit Oktober 2025 während des Abverkaufs Bitcoin im Wert von rund 28 Milliarden US-Dollar verkauft, doch diese Verkäufe sind zuletzt zum Stillstand gekommen. In den vergangenen zwei Wochen haben diese großen Halter Bitcoin im Umfang von etwa 4,7 Milliarden US-Dollar hinzugekauft. Nachhaltige Bodenbildungen sind selten ohne eine Stabilisierung und spätere Umkehr in der Positionierung der sogenannten Wale entstanden. Dieser Wendepunkt ist noch nicht endgültig bestätigt, stellt aber ein ermutigendes Signal dar.


Der $BTC (-0,06 %)-Preis liegt derzeit unter den geschätzten durchschnittlichen Produktionskosten. Aus Produktionssicht notiert Bitcoin deutlich unter den geschätzten durchschnittlichen Förderkosten börsennotierter Miner, die wir bei rund 74.600 US-Dollar veranschlagen. Phasen, in denen der Kassapreis spürbar unter den Produktionskosten liegt, waren historisch meist von kurzer Dauer, da der Druck auf die Bilanzen der Miner, ihre Investitionsausgaben und das marginale Angebot rasch zunimmt.

Auch verhaltensbezogene Indikatoren sprechen für eine späte Stressphase. Berichte darüber, dass Privatanleger aufgrund stark gestiegener Handelsvolumina zeitweise keinen Zugang zu Handelsplattformen hatten, fielen in der Vergangenheit häufig mit Phasen maximalen Verkaufsdrucks zusammen – und nicht mit dem Beginn längerer Abwärtstrends.


Das makroökonomische Umfeld wird am Rand unterstützender. Der gestrige JOLTS-Bericht fiel deutlich schwächer aus als erwartet; die Zahl der offenen Stellen sank auf ein Mehrjahrestief. Dies führte zu einem spürbaren Anstieg der vom Markt implizierten Wahrscheinlichkeiten für eine Zinssenkung im Juni – trotz der Unsicherheit über die künftige Führung der US-Notenbank. Zwar könnte ein stärker „hawkischer“ Vorsitzender den geldpolitischen Spielraum einschränken, doch schwächere Arbeitsmarktdaten verringern die Möglichkeit, restriktive Zinsen ohne politische und institutionelle Spannungen aufrechtzuerhalten.


Im Zuge des Rückgangs sind zudem erneut Sorgen rund um Quantencomputing aufgekommen, diese werden jedoch deutlich überschätzt. Die Risiken durch Quantencomputer sind theoretischer Natur, liegen in weiter Ferne und betreffen nur einen kleinen Teil älterer Adressen. Die zentralen monetären Eigenschaften von Bitcoin bleiben intakt, und das Protokoll verfügt über ausreichend Zeit und klar definierte Wege, um bei Bedarf Post-Quanten-Kryptografie zu implementieren. Es handelt sich hierbei um eine ingenieurtechnische Fragestellung, nicht um einen Faktor, der die Investmentthese grundlegend infrage stellt.


Da der Abwärtsdruck nachzulassen scheint, lohnt es sich, den Blick wieder auf die fundamentale Investmentthese von Bitcoin zu richten. Bitcoin bleibt ein knappes, nicht-staatliches monetäres Asset mit fixer Angebotsmenge und ohne Abhängigkeit von institutioneller Glaubwürdigkeit. In einem Umfeld zunehmender fiskalischer Dominanz, politisierter Geldpolitik und schwindenden Vertrauens in traditionelle Wertaufbewahrungsmittel bleibt diese zentrale Investmentthese unverändert bestehen.


(Autor: James Butterfill, Head of Research bei CoinShares)

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$BITC (-2,41 %)

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