Die Wüstenrot & Württembergische AG ($WUW (+0,56 %) ) hat heute ihre Halbjahreszahlen für 2026 vorgelegt. Mein Eindruck: operativ ordentlich, aber mit einigen Fragezeichen beim Neugeschäft und bei den Risiken.
Die wichtigsten Zahlen 👇
• Konzernergebnis: 105 Mio. € → +15 % gegenüber 91 Mio. € im Vorjahr
• Ergebnis je Aktie: 1,11 € → nach 0,96 €
• Eigenkapital: 5,0 Mrd. €
• Baudarlehensbestand: 30,9 Mrd. € → +2,5 %
• Finanzergebnis: 213 Mio. € → mehr als verdoppelt gegenüber 91 Mio. €
• Konzerngesamtergebnis: 146 Mio. €
Besonders stark war erneut das Segment Schaden-/Unfallversicherung. Das Ergebnis lag bei 108 Mio. € und damit leicht über dem Vorjahr. Beitragsanpassungen, Bestandswachstum und geringe Unwetterschäden haben geholfen.
Aber: Wohnen bleibt die Baustelle 🏠
Das Neugeschäftsvolumen im Segment Wohnen sank um rund 11 % auf 7,55 Mrd. €.
Interessant ist allerdings der Blick auf das Netto-Neugeschäft nach Bausparsumme: Dieses stieg um 3,3 % auf 4,34 Mrd. €.
Der Rückgang beim Gesamtneugeschäft ist laut W&W vor allem Ergebnis einer stärker ertragsorientierten Annahmepolitik. Weniger Volumen um jeden Preis kann langfristig durchaus sinnvoll sein.
Gleichzeitig stieg das Segmentergebnis Wohnen von -51 Mio. € auf -12 Mio. € deutlich an. Noch kein Gewinn, aber eine klare Verbesserung.
Personenversicherung: Licht und Schatten
Die Beitragssumme im Lebensversicherungs-Neugeschäft stieg um 5,2 % auf 1,86 Mrd. €.
Besonders stark entwickelte sich die betriebliche Altersvorsorge mit +13,2 %. Auch fondsgebundene Versicherungen legten laut Bericht um rund 14 % zu.
Das Segmentergebnis fiel dagegen von 33 auf 26 Mio. €.
Schaden-/Unfallversicherung bleibt Gewinnmotor
Hier liegt für mich der wichtigste Punkt des Halbjahres.
Das Segment erzielte 108 Mio. € Ergebnis und damit praktisch auf Vorjahresniveau.
Der Versicherungsumsatz stieg um 4,4 % auf 1,51 Mrd. €.
Allerdings verschlechterte sich die Netto-Combined-Ratio von 87,7 % auf 90,3 %. Das zeigt: Die Profitabilität bleibt gut, aber der Rückenwind des außergewöhnlich starken Vorjahres lässt nach.
Und die Aktie? 💰
Die W&W-Aktie notierte zum Halbjahresende bei 14,60 €.
Seit Jahresbeginn waren das lediglich +0,4 %. Unter Einbeziehung der Dividende von 0,65 € je Aktie kam die Aktie allerdings auf eine Gesamtperformance von 4,9 %.
Damit bleibt W&W für mich eher ein Titel für Anleger, die auf Dividende, Substanz und langfristige operative Verbesserung setzen – und weniger für kurzfristiges Wachstum.
Ausblick 2026
W&W bestätigt die bisherige Prognose:
👉 Konzernergebnis nach Steuern: 120–150 Mio. €
Nach 105 Mio. € bereits im ersten Halbjahr ist das Ziel grundsätzlich erreichbar.
Gleichzeitig bleibt das Umfeld anspruchsvoll: hohe Zinsabhängigkeit, steigende Kreditrisikovorsorge, geopolitische Unsicherheiten sowie mögliche Belastungen durch Schadeninflation und Kapitalmärkte nennt W&W selbst als wesentliche Risiken.
Mein Fazit
Das Halbjahr ist besser, als der erste Blick auf einzelne Neugeschäftszahlen vermuten lässt.
✅ Ergebnis +15 %
✅ Baudarlehensbestand wächst
✅ Lebensversicherung entwickelt sich ordentlich
✅ Schaden-/Unfallversicherung bleibt sehr profitabel
✅ Prognose 2026 bestätigt
❌ Wohnen weiterhin mit negativem Segmentergebnis
❌ Neugeschäft Wohnen deutlich rückläufig
❌ Combined Ratio verschlechtert
❌ Hohe Abhängigkeit von Zins- und Kapitalmarktentwicklung
Für mich bleibt W&W damit ein interessanter Value-/Dividendentitel mit Turnaround-Komponente. Entscheidend wird sein, ob das Segment Wohnen nachhaltig in die Gewinnzone kommt und wie stabil die Versicherungsergebnisse bleiben.
Wie seht ihr W&W nach den Halbjahreszahlen – Kauf, Halten oder Finger weg?
Quelle: Wüstenrot & Württembergische AG, Halbjahresfinanzbericht zum 30.06.2026. (W&W Gruppe)

