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>>Warum zu viele Informationen unsere Entscheidungen negativ beeinflussen können<<



»Einleitung: Informationsrevolution«


Wir leben heute in einer Zeit in der es möglich ist nahezu jede erdenkliche Information in wenigen Sekunden mit einem Griff zu unserem Smartphone zu erhalten. Ob es das Wetter für morgen, die Speisekarte von unserem Lieblingsrestaurant, die Route zum Urlaubsort oder der Börsenkurs von Microsoft ist: jede Information ist schnell und jederzeit verfügbar. Vor nicht allzu langer Zeit schaute man sich den Wetterbericht einmal am Tag in der Tageszeitung oder bei der täglichen Abendnachrichtensendung an. Die Speisekarte vom Restaurant bekam man meist nur im Restaurant selbst. Für den Weg in den Urlaub wurde sich der ADAC Straßenatlas 1992 gekauft und die Route wurde mühselig selbst zusammengestellt. Durch Internet und Smartphone sind wir es heutzutage gewohnt ständig, überall und schnell Informationen zu erhalten. Selbst komplexes Wissen können wir uns heute bequem zu Hause vor dem PC oder Smartphone aneignen, während wir früher den Weg in die Bibliothek gehen mussten und dann noch die passenden Bücher aus den angestaubten Regalen suchen mussten. Wir halten fest: Informationen sind ständig und schnell verfügbar.

Aber nicht nur die Geschwindigkeit an Informationen zu erlangen hat sich in den letzten Jahrzehnten rasant verändert, sondern auch die pure Anzahl an Informationen. Jeder Griff zum Smartphone überschüttet uns förmlich mit Informationen: Wetter, Börsenkurse, News, Social Media, neue WhatsApp-Mitteilungen usw. Diese vielen Informationen gelangen auch noch in immer kürzeren Zeitabständen zu uns.

Diese neue „Informationsflut“ ist historisch gesehen einzigartig. Noch nie ist es in einem so kurzen Zeitraum zu einem so rasanten Anstieg der Informationen gekommen. Das Internet kam vor ungefähr 30 Jahren zu größeren Teilen der Bevölkerung, das Smartphone in seiner heutigen Form gibt es seit der Vorstellung des iPhones im Jahre 2007, also seit ungefähr 15 Jahren. Wir haben demnach in den letzten 30 Jahren und insbesondere in den letzten 15 Jahren eine Art „Revolution“ der Art und Weise wie wir an Informationen kommen erlebt. Zudem ist es erstmals in der Geschichte der Menschheit so, dass jeder* Mensch auf der Welt mit Smartphone und Internetzugang unabhängig von Wohnort oder sozialem Status Informationen beziehen kann (*Zensuren und Internetsperren werden hier nicht betrachtet).

Diese Entwicklung ist natürlich vordergründig als sehr positiv zu betrachten und bietet jede Menge Chancen. Allerdings ist diese „Informationsrevolution“ -- eben weil sie in der Geschichte der Menschheit so historisch ist – auch mit potenziellen Gefahren und Risiken verbunden. In diesem Post soll es nun speziell um die potenziellen Risiken der Informationsflut beim Investieren gehen.



»Ist mehr immer besser?«


Nach der weitläufigen Meinung ist es so, dass mit mehr Informationen auch ein breiteres Wissen und damit idealerweise eine bessere Erkenntnis verbunden ist. Schließlich haben wir heutzutage den Luxus uns zu jedem Wertpapier alle möglichen Informationen und News zusammenzusuchen und daraus unsere Investment-These aufzustellen. Der Investor A, der sich in den 50er oder 60er Jahren die Börsenkurse und Mitteilungen über sein Investment noch mühevoll aus der Tageszeitung oder dem Börsenblatt suchen musste, war demnach schlechter und langsamer informiert als Investor B in den 90er oder frühen 2000er Jahren in dem das Internet oder Fernsehen die Börsenkurse, News und AdHoc-Mitteilungen schnell verfügbar machte. In der heutigen Smartphone-Zeit bekommt Investor C all diese Informationen idealerweise direkt per Push-Nachricht auf sein Smartphone-Display – und das auch noch in Bruchteilen von Sekunden und nur einen Griff in die Hosentasche entfernt. Im Sinne der mathematischen Spieltheorie und des „Homo oeconomicus“ [1] ist es für Investor C demnach mit einer größeren Anzahl von schnellen Informationen deutlich einfacher richtige Investmententscheidungen zu treffen als für B und A. Aber ist das wirklich so?

Das Problem bei all diesen schnellen Informationen ist unsere Fähigkeit zur Filterung und Verarbeitung. Die meisten Privat-Anleger verfolgen eine eher langfristige Strategie (zum Beispiel Buy & Hold) und betreiben kein Day-Trading. Der Anlagehorizont erstreckt sich also meist auf mehrere Jahre. Allerdings ist es heutzutage nicht mehr so, dass uns Informationen zu unserer Anlage in entsprechenden Abständen erreichen und je mehr wir uns mit unserem Investment auseinandersetzen, desto mehr neue Informationen erreichen uns täglich. Dieser Widerspruch aus langem Anlagehorizont und einer täglichen Anzahl an neuen Informationen sorgt für Verunsicherung und unterbewusster ständiger Neubewertung unseres Investments in immer kürzeren Zeitabständen. So wird aus einer Buy & Hold Strategie schnell eine „Buy & Sell“ Strategie. Laut einer Studie der NYSE ist die durchschnittliche Haltedauer von US-Aktien seit den 60er Jahren stetig gesunken: von durchschnittlich 8 Jahren in den 60er Jahren, auf 2 Jahre in den 90er Jahren, auf ungefähr 1 Jahr in den 2010er Jahren und im Jahre 2020 auf weniger als 6 Monate [2]. Dieser Effekt wird natürlich auch durch die geringeren Order-Gebühren und einer Vielzahl an hochvolumigen Trading-Plattformen erzeugt, ist aber sicherlich ein guter Indikator dafür, dass eine Vielzahl von Informationen bei uns oftmals für Verunsicherung gegenüber unserem Investment führt.

Als vorbildlicher und gut informierter Privat-Anleger möchten wir uns sehr gut über unser Investment informieren. Dies führt nun aber dazu, dass wir uns sehr oft mit neuen Informationen zu unserem Investment auseinandersetzen und unsere Investment-These überprüfen. Einen gesunden Mittelweg aus informiert sein und nicht verunsichern lassen ist eine Kompetenz im Umgang mit Informationen, die uns fast nirgendwo beigebracht wird. Sind wir überzeugt von unserem Investment, so finden wir hunderte Informationen, die uns von unserem Investment überzeugen und uns blind gegenüber den kritischen Aspekten machen können. Dies führt zum sogenannten Confirmation-Bias (siehe auch mein Artikel über Börse und Psychologie https://app.getquin.com/activity/YDHwRAosJH?lang=de&utm_source=sharing). Sind wir anfangs von unserem Investment überzeugt, aber lassen uns dann durch die vielen Informationen verunsichern, so ist das ein anderes Problem. Der richtige Umgang mit einer Vielzahl an positiven- und negativen Informationen muss gelernt werden und ist eine Kompetenz, die man als Mensch nicht in die Wiege gelegt bekommt.



»Persönliches Beispiel: Apple«


Wie ich bereits in meinem Post über Apple (siehe https://app.getquin.com/activity/bqFUHUUxCo?lang=de&utm_source=sharing) erwähnte, spielte ich schon lange vor meinem ersten Investment in Apple mit dem Gedanken mir Apple-Aktien zu kaufen. Im Jahre 2012 informierte ich mich zunächst über den Kurs und die Fundamentaldaten. Danach schaute ich mir Bewertungen und Analysen an. Diese erzeugten ein gemischtes Bild: einerseits hat Apple schon damals ordentlich Geld verdient und die Absatzzahlen vom iPhone wuchsen zweistellig. Andererseits wurde immer wieder die „Peak iPhone“ Theorie verbreitet und prophezeit, dass der iPhone-Boom vorbei ist und Apple zukünftig weniger Geld verdienen wird. Richtigerweise wurde auch vorhergesagt, dass Android das mit Abstand dominierende Smartphone Betriebssystem werden wird. Der damalige Kurs von Apple lag Split-bereinigt bei ungefähr 20$ je Aktie. Heute natürlich ein Schnäppchen. Man muss sich aber vor Augen halten, dass sich der Aktien-Kurs seit der Vorstellung des iPhones im Jahre 2007 von ungefähr 2$ bis ins Jahr 2012 bereits verzehnfacht hatte. Nach all diesen Informationen entschloss ich mich nicht zu investieren.

Dies holte ich dann erst im Jahre 2017 zu einem Kurs von 33$ pro Anteil nach. Seitdem bin ich nahezu täglich regelmäßig mit ähnlichen Informationen konfrontiert: Apple verdient gut Geld, Apples Erlöse wachsen gut, Apple ist zu sehr abhängig vom iPhone, der iPhone Peak ist erreicht usw. Damit habe ich seit meinem Investment 2017 eine Informations-Flut an positiven- und negativen Nachrichten über Apple ausgesetzt. Zum Glück bin ich seitdem immer der Überzeugung gewesen, dass Apple auch weiter gutes Geld verdienen wird und habe mich nicht irritieren lassen. Da die Apple-Aktien mein erstes Investment waren konnte ich auch nicht von einer reichhaltigen Erfahrung zehren. Mit etwas Glück und eventuell auch etwas Verstand habe ich aber nie ernsthaft erwogen meine Anteile zu verkaufen.

Diese Erfahrung ist für mich aber heute besonders wertvoll, denn ich habe gelernt, dass man Informationen filtern muss um eine Aktie langfristig und überzeugt zu halten. Ich schaue mir auch heute noch Informationen/News zu Apple an, aber weiß die Informationen, die ich nahezu täglich bekomme auch besser einzuschätzen. Stellt Apple ein neues iPhone vor, so sind die Analysten enttäuscht und es wird vorhergesagt, dass es sich schlecht verkaufen wird. Der Aktienkurs sinkt so gut wie immer am Tag der Vorstellung. Trotzdem lasse ich mich davon nicht verrückt machen und wie sich gezeigt hat ist das der richtige Weg gewesen. Auch in Zukunft gilt es die positiven- und negativen Informationen zu sammeln und abzuwägen.



Quellen:


[1] Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Homo_oeconomicus

[2] Topforeignstocks: https://topforeignstocks.com/2020/08/04/average-holding-period-for-u-s-stocks-is-just-5-1-2-months-in-2020/

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15 Kommentare

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Das Thema ist mMn mega underrated und viel zu wenig diskutiert. Auch wenn du es hier natürlich mit der Börse verbunden hast, lassen sich auch viele andere Dinge damit erklären (z.B. Polarisierung oder Psychische Probleme).

Zusätzlich dazu sind auch Echokammern ein riesen Problem. Dies sieht man z.B. bei QAnon oder Impfgegnern. Aber, und um den Bogen wieder zum Thema Börse zu schlagen, man sieht den Einfluss von Echokammern auch bei der Diskussion von vielen Trendinvestments. Olli z.B. informiert sich sicher nur über Bitcoin und über die augenscheinlich positiven Aussichten, vergisst aber sich auch andersweitig auch über die Schattenseiten zu informieren. Sorry Olli 😘 Andere Beispiele sind GME, AMC oder auch Tesla.

Gerade in sozialen Netzwerken werden solche Echokammern durch Suchalgorythmen auch noch verstärkt.
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@StupidRich ja du hast Recht. Viele gesellschaftlichen Verwerfungen beruhen auf der eigenen Informationsblase. Soziale Medien spielen da natürlich eine große Rolle. Sie fördern per Algorithmus den Confirmation-Bias
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Wunderbarer Beitrag @ccf
Eigentlich ist Michael doch schreibfaul, oder nicht? 😉

Ganz schwieriges Thema. Das schlimme ist, egal wie sicher man sich bei einem Unternehmen ist, die Informationsflut sorgt dafür, dass es IMMER dutzende Gegenargumente gibt. Man braucht da wirklich dicke Haut, wenn man sich dazu entscheidet, „auf dem laufenden“ bleiben zu wollen. Ich leide da auch noch ein wenig drunter. Ist für mich tatsächlich aber besser, als sich einfach von der Realität abzukapseln und „ignorant“ anzulegen. Sieht man leider auch hin und wieder.
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@Divmann stimmt zu jedem noch so guten Investment findet man mindestens genau so viele schlechte Meinungen. Dabei ist in dem Post noch nicht mal berücksichtigt, dass auch die Quellen der Informationen sind unfassbar geändert haben. Jeder kann heutzutage seine Meinung öffentlich teilen und diese kann millionenfach gelesen werden. Das ist auch einzigartig in der Geschichte.
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@MScottInvesting Das schlimme ist ja, die Grenze zwischen Fakt und Meinung ist nicht mehr eindeutig! Ich habe früh gelernt, dem Helmut von Facebook glaubt man keine Aussagen über Impfungen. Leider suchen sich aber viele Menschen Meinungen von anderen, und erheben sie zu Fakten. Das ist auch ein ganz mieser Trend, heutzutage sucht man sich die „Fakten“ zu seiner Meinung und bildet sie nicht durch Fakten. Man findet für jeden Müll sinnvoll klingende Texte im Internet. Auch ein Symptom der Informationsflut.
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@Divmann genauso ist es. Wie gesagt wir lernen fast nirgendwo den richtigen Umgang mit Informationen und dazu gehört die richtige Filterung und Verarbeitung. Das ist ein riesiges Problem der heutigen Zeit, gerade weil diese Informationsrevolution in so kurzer Zeit geschehen ist.
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Alles richtig 👌 @ccf
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@Chrisuonfireles sehe ich auch so. Erzeugt zu oft nur Verunsicherung
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Schöner Beitrag, finde ich sehr interessant! @ccf
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Gelöschter Nutzer
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@Chrisuonfireles sehe ich auch so. Zu oft erzeugt das nur Verunsicherung
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Gelöschter Nutzer
4J.
Kommentar wurde gelöscht
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@ListigerLurch verstehe ich. Das Problem ist, dass sich gewisse Sachen eben nicht kurz halten lassen. Ich will damit nicht sagen, dass ich diesen speziellen Beitrag nicht kürzer hätte machen können, aber mir persönlich ist es so lieber. Ich kann es aber zukünftig auch kürzer probieren.
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