Der Autokonzern Stellantis $STLAM (+2,73 %) zieht die Notbremse bei Elektroautos und reagiert auf hohe Kosten und mangelnde Nachfrage. Anleger reagieren schockiert auf die Nachricht.
Ich bin ja nun wahrlich kein Fan von Automobilaktien, aber sollten sie die eh schon stark gekürzte Dividende nicht noch weiter eindampfen locken momentan über 11% Dividendenrendite. Falls sie die Dividende aber wie angedeutet erstmal ganz streichen, dann gute Nacht. Ein Grund sich tiefergehend mit dem Unternehmen zu beschäftigen?

Stellantis bremst seine Elektroambitionen deutlich und schreibt rund 22 Milliarden Euro ab. Das teilte der Konzern am Freitag mit. Hintergrund ist ein Kurswechsel wegen hoher Kosten und schwacher Verkaufszahlen bei Elektrofahrzeugen.
Knapp 15 Milliarden davon gehen drauf für die Umkehr bei Elektroautos auf dem wichtigen US-Markt. Infolge der von US-Präsident Donald Trump gestrichenen Elektroautoförderung und geänderter Abgasrichtlinien streicht Stellantis Modelle und wird mit den technischen Plattformen künftig wohl weniger Geld verdienen.
Hinzu kommen Barzahlungen von etwa 6,5 Milliarden Euro, die voraussichtlich über die kommenden vier Jahre geleistet werden sollen. Dieses Jahr will das Management daher keine Dividende an die Aktionäre ausschütten. Zudem will sich das Unternehmen frisches Geld in Höhe von bis zu fünf Milliarden Euro über die Ausgabe neuer Anleihen besorgen.
Die an der Pariser Börse gehandelte Stellantis-Aktie sackte am Freitag in der Spitze um fast 30 Prozent ab. Das ist der stärkste Einbruch binnen eines Tages in der Geschichte des 2021 gegründeten Autokonzerns. Die Marktkapitalisierung lag damit zeitweise bei weniger als 17 Milliarden Euro.
Stellantis-Chef Antonio Filosa erklärte: „Die heute bekannt gegebenen Belastungen spiegeln größtenteils die Kosten wider, die aus einer Überschätzung des Tempos der Energiewende entstanden sind und die uns von den realen Bedürfnissen, Möglichkeiten und Wünschen vieler Autokäufer entfernt haben.“ Sie zeigten auch die Auswirkungen „früherer mangelhafter operativer Umsetzung“, deren Folgen nun schrittweise behoben werden sollten.
Stellantis spricht jetzt von einem vorgeschalteten „Reset“ vor der Vorstellung seines neuen Strategieplans im Mai. Der Konzern rechnet für das zweite Halbjahr 2025 unter dem Strich mit einem vorläufigen Verlust von 19 bis 21 Milliarden Euro. Der Umsatz solle bei 78 bis 80 Milliarden Euro liegen, was den Erwartungen von Analysten entsprach.
Aus für ambitioniertes Batterieprojekt
Beim bereinigten Betriebsergebnis erwartet das Management einen Verlust von 1,2 bis 1,5 Milliarden Euro und Barabflüsse von 1,4 bis 1,6 Milliarden Euro. Die vollständigen Jahreszahlen will Stellantis am 26. Februar veröffentlichen.
Parallel dazu kündigte Stellantis am Freitag das Ende seines Joint-Ventures mit LG Energy in Kanada an. Nextstar galt als Leuchtturmprojekt zur Produktion von Lithium-Batterien, das der frühere Konzernchef Carlos Tavares vorangetrieben hatte. Bislang seien in den Standort mehr als fünf Milliarden kanadische Dollar (rund 3,4 Milliarden Euro) investiert worden. Nun wird Stellantis seinen 49-prozentigen Anteil veräußern.
USB-Analyst Patrick Hummel bezeichnete die 22-Milliarden-Euro-Abschreibung als „negativ“ für den Moment. Doch: „Es könnte das klärende Ereignis sein, auf das wir gewartet haben.“ Er unterstreicht, dass entscheidend sei, dass die 6,5 Milliarden Euro an Barzahlungen sich auf vier Jahre verteilen werden.
„Aus bilanzieller Sicht können jährliche Barabflüsse in Höhe von 1,6 Milliarden Euro verkraftet werden“, schreibt Hummel. Zwar lägen die Abschreibungen deutlich über den fünf bis zehn Milliarden Euro, die gemeinhin erwartet worden waren. „Doch es ist wichtiger, dass der Baranteil ungefähr den Erwartungen entspricht.“
Konzernchef Filosa hatte den Job im vergangenen Sommer übernommen, nachdem der langjährige CEO Carlos Tavares Ende 2024 von dem Amt zurückgetreten war. Zwischen Tavares, der als harter Sanierer galt, und dem Verwaltungsrat von Stellantis soll es strategische Differenzen gegeben haben. Zwischenzeitlich managte Verwaltungsratschef John Elkann den 14-Marken-Konzern, bevor Filosa übernahm.
Konzernchef sieht Anzeichen für Besserung
Tavares hatte 2022 angekündigt, den Autokonzern bis 2030 in Europa voll zu elektrifizieren, musste von dieser Linie aber schrittweise abrücken. Auch in den USA sollte Stellantis, zu dem Marken wie Jeep und Dodge gehören, vor allem elektrisch wachsen.
Tatsächlich verloren die Stellantis-Marken in Nordamerika aber immer weiter Marktanteile und Absatz. Filosa, der selbst in Amerika lebt, versucht, das Geschäft in dem wichtigen Markt nun zu drehen, indem er wieder stärker auf große klassische Verbrenner wie den Pick-up Ram 1500 und den Jeep Cherokee setzt, die allesamt unter Tavares ausgelaufen waren.
Filosa sieht laut Mitteilung aber bereits Anzeichen der Besserung: Die notwendigen Veränderungen in der Produktpalette zeigten erste positive Resonanz bei den Kunden. „Im Jahr 2026 konzentrieren wir uns unverändert darauf, frühere Lücken in der Umsetzung zu schließen, um diesen ersten Anzeichen eines erneuten Wachstums weiteren Schwung zu verleihen“, sagte der Italiener.
So hat Stellantis im zweiten Halbjahr 2025 einen konsolidierten Absatz von 2,8 Millionen Autos erreicht, ein Anstieg von 277.000 Stück beziehungsweise elf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Wachstum wird von Nordamerika angeführt, wo die Lieferungen um 39 Prozent angestiegen sind.
Auch Analyst Hummel sieht Grund zur Hoffnung für das laufende Jahr: „Die hohen Abschreibungen im zweiten Halbjahr 2025 könnten einen positiven Effekt von über einer Milliarde Euro auf das bereinigte Betriebsergebnis durch niedrigere zukünftige Abschreibungen und Amortisationen haben.“
Quelle: Text ( Auszüge) und Bild Handelsblatt vom 06.02.2026

