Die Bauindustrie ist ein faszinierendes Pflaster für uns Investoren. Sie ist weltweit einer der am wenigsten digitalisierten Sektoren. Genau hier setzt Nemetschek $NEM (-2,55 %) an. Als privater Investor suche ich nach Unternehmen, die ein echtes Problem lösen und dabei fast unverzichtbar werden. Nemetschek ist so ein Kandidat: Sie decken mit ihrer Software den gesamten Lebenszyklus eines Bauwerks ab – vom ersten Entwurf bis zum Abriss.
Was Nemetschek von vielen US-Konkurrenten unterscheidet, ist die Holdingstruktur. Anstatt alles in eine einzige Software zu pressen, lassen sie ihre Marken wie Graphisoft, Allplan oder Bluebeam unternehmerisch eigenständig agieren.
Das Herzstück ist das Segment Design, das 2025 stolze 46 % des Gesamtumsatzes beisteuerte. Hier nutzen Architekten Tools wie Archicad für das „Building Information Modeling“ (BIM), um Gebäude digital vorab zu planen.
im Segment Build wird es dann praktisch. Hier geht es um die Digitalisierung der Baustelle selbst. Mit der massiven Übernahme von GoCanvas im Jahr 2024 hat Nemetschek hier einen Turbo gezündet, um die Lücke zwischen den Planern im Büro und den Handwerkern vor Ort zu schließen.
Dazu kommen die Segmente Manage, das sich um den effizienten Betrieb von Gebäuden kümmert, und Media, in dem die Marke Maxon mit Cinema 4D fotorealistische Visualisierungen erstellt. Diese Vielfalt macht das Modell in meinen Augen sehr widerstandsfähig.
Aber wer hat das Sagen?
Hinter dem Unternehmen steht eine klare Vision und eine starke Familie. Die Kontrolle liegt fest in den Händen der Gründerfamilie.
Über seine Stiftungen hält Professor Georg Nemetschek rund 38,9 %, die Nemetschek Stiftung weitere 4 %, seine Söhne 5,4 % und er selbst hält direkt 2,7 %. Das bedeutet, dass über 50 % der Anteile in festen Händen liegen, während der Streubesitz bei 49 % liegt. Für uns Aktionäre ist das ein zweischneidiges Schwert. Es bietet enorme Stabilität für langfristige Entscheidungen, begrenzt aber den Einfluss externer Investoren.
Das operative Geschäft führt Yves Padrines als CEO, der seinen Vertrag erst kürzlich bis Ende 2028 verlängert hat. Er hat den Konzern massiv auf das Abo-Modell (SaaS) getrimmt. Unterstützt wird er von CFO Louise Öfverström und dem Neuzugang Usman Shuja, der als CDO die wichtige Build-Sparte leitet. Dass die Verträge der Kernmannschaft langfristig verlängert wurden, sehe ich als sehr positives Signal für die Kontinuität.
Warum Nemetschek so schwer zu schlagen ist!
Warum wechseln die Kunden nicht einfach zu Autodesk oder Bentley? Weil die Wechselkosten extrem hoch sind. Wenn ein Architekturbüro seine gesamten Prozesse auf Archicad oder Vectorworks eingestellt hat, kostet ein Wechsel nicht nur Software-Lizenzen, sondern Monate an Umschulung und Produktivitätsverlust. Das ist ein „klebriges“ Geschäft, was sich in einer extrem hohen Kundenloyalität widerspiegelt.
Ein weiteres Ass im Ärmel ist die „OPEN BIM“-Strategie. Während andere versuchen, die Kunden in ihrem geschlossenen System einzusperren, setzt Nemetschek auf offene Standards #ai. Das macht sie zum Liebling in großen, komplexen Projekten, wo verschiedene Firmen mit unterschiedlicher Software zusammenarbeiten müssen.
Die nackten Zahlen
Finanziell hat Nemetschek im Jahr 2025 einen echten Meilenstein erreicht: Erstmals wurde die Umsatzmarke von einer Milliarde Euro geknackt. Konkret stieg der Umsatz auf 1.191,2 Millionen Euro, was einem währungsbereinigten Plus von satten 22,6 % gegenüber den 995,6 Millionen Euro aus dem Vorjahr entspricht.
Besonders beeindruckend für mich als Investor ist, das der Anteil der wiederkehrenden Umsätze bei 92 % liegt. Das ist fast wie eine Versicherung für künftige Einnahmen. Trotz der hohen Investitionen und der Übernahme von GoCanvas liegt die EBITDA-Marge bei starken 31,2 %. Nemetschek schafft es also, profitabel zu wachsen, während sie ihr Geschäftsmodell komplett auf Abos umstellen.
Wo liegen die Gefahren?
Keine Analyse ohne Warnhinweise. Erstens: Die Bewertung. Nemetschek ist fast immer teuer. Ein KGV von 40 bis 50 ist eine Ansage. Da darf operativ nichts schiefgehen, sonst stürzt der Kurs schnell mal ab, wie wir Anfang 2026 gesehen haben, als es zeitweise unter 73 € ging.
Zweitens: Die US-Konkurrenz. Autodesk ist ein Gigant mit viel tieferen Taschen. Drittens: Das M&A-Risiko. Nemetschek wächst stark durch Zukäufe. Wenn sie sich einmal bei einer Milliarden-Übernahme wie GoCanvas verheben oder die Integration nicht klappt, könnte das die Margen verhageln.
Mein Urteil
Wenn du einen Zeithorizont von 5 bis 10 Jahren hast: Ja. Das Unternehmen ist kein „Zock“, sondern ein Qualitätswert. Experten erwarten, dass sich der Nettogewinn bis 2032 auf über 11 Milliarden Euro mehr als verdreifachen könnte.
Wenn der Gewinn sich verdreifacht, hat die Aktie definitiv das Potenzial für eine Vervielfachung, selbst wenn die Bewertung (das KGV) etwas sinken sollte. Ich persönlich sehe Nemetschek als eine der stärksten Tech-Aktien in Europa. Der jüngste Kursrücksetzer Anfang 2026 war in meinen Augen eher eine Korrektur der Überbewertung als ein Problem des Geschäftsmodells. Wer die Aktie bei Kursen um die 70 € bis 80 € einsammeln kann, kauft sich in ein hochprofitables Unternehmen mit einem tiefen Burggraben ein. Es ist ein Marathon-Investment in die Digitalisierung der Welt, die wir bewohnen.
Edit: wer noch etwas lesen möchte https://blog.aktien.guide/nemetschek-aktienanalyse

