Die Geschichte von $BTC (-0,06 %) beginnt nicht mit dem Bitcoin-Whitepaper von Satoshi Nakamoto aus dem Jahr 2008. Bitcoin ist nicht einfach so vom Himmel gefallen. Es ist das Ergebnis von über 20 Jahren Forschung, gescheiterten Versuchen und dem unermüdlichen Kampf einer Gruppe von Aktivisten, die sich "Cypherpunks" nannten. Ohne sie gäbe es Bitcoin heute nicht.
In diesem Beitrag schauen wir uns an, wer die Cypherpunks waren, wofür sie gekämpft haben und wie ihre Arbeit letztendlich den Weg für Bitcoin geebnet hat.
Die Cypherpunks - Aktivisten für digitale Privatsphäre
Anfang der 1990er Jahre wurde immer mehr Menschen klar, dass das Internet die Welt grundlegend verändern würde. E-Mails, Online-Kommunikation, digitaler Handel - all das stand vor der Tür. Aber einigen Leuten fiel auch auf, dass das Internet ein riesiges Überwachungsinstrument werden könnte. Jede E-Mail, jede Nachricht, jede Transaktion könnte potenziell von Regierungen oder Unternehmen mitgelesen werden. Was dystopisch klingt, wäre beinahe Realität geworden.
Genau hier kommen die Cypherpunks ins Spiel.
1992 gründeten drei Personen eine Mailingliste, die zur Keimzelle einer ganzen Bewegung wurde: Eric Hughes (ein Mathematiker aus Berkeley), Timothy C. May (ein ehemaliger Physiker und Ingenieur bei Intel) und John Gilmore (Mitgründer der Electronic Frontier Foundation)
Den Namen "Cypherpunk" hat übrigens Jude Milhon geprägt - ein Wortspiel aus "Cipher" (Verschlüsselung) und "Cyberpunk" (das Science-Fiction-Genre). Auf dieser Mailingliste diskutierten Mathematiker, Programmierer, Kryptografen und Aktivisten darüber, wie man Kryptografie nutzen kann, um die Privatsphäre der Menschen im digitalen Zeitalter zu schützen.
Das waren keine Hacker im Keller mit Aluhut. Das waren hochintelligente Leute aus Universitäten und Tech-Unternehmen, die ein fundamentales Problem erkannt hatten, das auch heute noch aktuell ist.
Die beiden Manifeste
Die Cypherpunks haben ihre Überzeugungen in zwei Manifesten niedergeschrieben, die auch heute noch absolut lesenswert sind.
Timothy C. May verfasste bereits 1988 das "Crypto Anarchist Manifesto" (https://nakamotoinstitute.org/library/crypto-anarchist-manifesto/). Darin beschrieb er eine Zukunft, in der Kryptografie es Menschen ermöglicht, anonym miteinander zu handeln und zu kommunizieren - frei von staatlicher Überwachung. In einer Zeit, in der das Internet noch in den Kinderschuhen steckte, hat May quasi vorhergesagt, was wir heute erleben: digitale Kommunikation, digitaler Handel und den Kampf um Privatsphäre.
1993 folgte dann Eric Hughes mit "A Cypherpunk's Manifesto" (https://nakamotoinstitute.org/library/cypherpunk-manifesto/). Hughes formulierte darin die Kernüberzeugung der Bewegung, die man in etwa so zusammenfassen kann: "Privatsphäre ist kein Luxus, sondern ein Grundrecht. Und Kryptografie ist das Werkzeug, um dieses Recht in der digitalen Welt durchzusetzen."
Und dann der berühmteste Satz der Cypherpunks: "Cypherpunks write code."
Nicht reden, nicht protestieren - Code schreiben. Und genau das haben sie getan.
Die Crypto Wars - der Verschlüsselungskrieg
Die Cypherpunks mussten nicht nur Software entwickeln - sie mussten diese auch gegen die eigene Regierung verteidigen.
In den USA galt starke Verschlüsselung in den 1990er Jahren offiziell als Waffe. Die US-Regierung hatte Verschlüsselungssoftware unter die gleichen Exportbeschränkungen gestellt wie Raketen und Panzer. Starke Kryptografie durfte nicht ins Ausland exportiert werden, weil die Regierung befürchtete, dass feindliche Staaten und Kriminelle damit ihre Kommunikation vor der NSA verstecken könnten.
Das führte zu einem der absurdesten Konflikte der Tech-Geschichte:
Phil Zimmermann und PGP
1991 entwickelte der Programmierer Phil Zimmermann eine Verschlüsselungssoftware namens PGP - "Pretty Good Privacy". PGP ermöglichte es zum ersten Mal normalen Menschen, ihre E-Mails so zu verschlüsseln, dass sie niemand mitlesen konnte - auch nicht die NSA. Zimmermann veröffentlichte PGP kostenlos im Internet. Damit war die Software allerdings auch außerhalb der USA verfügbar.
Die Folge? Die US-Regierung leitete ein dreijähriges Strafverfahren gegen Zimmermann ein - wegen illegalem Waffenexport. Dabei hatte Zimmermann keine Rakete exportiert, sondern Mathematik.
Die Cypherpunks reagierten auf ihre eigene Art:
Zimmermann druckte den kompletten PGP-Quellcode in ein Buch und veröffentlichte es. Denn Bücher gelten in den USA als geschützte Meinungsäußerung und unterlagen nicht den Exportbeschränkungen🤷♂️.
Code auf einer Diskette? -> Waffe!
Der gleiche Code in einem Buch? -> Meinungsfreiheit!
Der Clipper Chip - die Hintertür der NSA
Parallel versuchte die NSA mit dem sogenannten "Clipper Chip" eine Hintertür in jedes Verschlüsselungssystem einzubauen - ein spezieller Chip, der in Telefone und Computer eingebaut werden sollte. Die Kommunikation wäre zwar verschlüsselt gewesen, aber die Regierung hätte jederzeit einen Nachschlüssel gehabt, um alles mitzulesen.
Der Widerstand dagegen war enorm. Cypherpunks, Bürgerrechtsorganisationen, Tech-Unternehmen - alle waren dagegen. Und dann kam der Todesstoß: Der Kryptograf Matt Blaze fand 1994 eine fundamentale Sicherheitslücke im Clipper Chip und veröffentlichte sie (https://www.mattblaze.org/papers/eesproto.pdf). Das Projekt war damit politisch und technisch erledigt.
Die Cypherpunks haben gewonnen
Den endgültigen Sieg brachte der Gerichtsfall "Bernstein v. United States" (https://en.wikipedia.org/wiki/Bernstein_v._United_States). 1999 entschied ein US-Berufungsgericht, dass Quellcode unter den Schutz der Redefreiheit fällt. Die Exportbeschränkungen für Verschlüsselung wurden daraufhin massiv gelockert.
Und jetzt kommt der Punkt, der das alles in Perspektive setzt: Ohne den Sieg der Cypherpunks in den Crypto Wars gäbe es heute kein sicheres Online-Banking, keine verschlüsselten Messenger, kein HTTPS im Browser - und eben auch kein Bitcoin. Die Cypherpunks haben die kryptografischen Grundlagen erkämpft, auf denen unsere gesamte digitale Infrastruktur aufgebaut ist.
Die gescheiterten Versuche - digitales Geld vor Bitcoin
Die Cypherpunks wussten von Anfang an, dass Privatsphäre auch beim Geld entscheidend ist. Deswegen gab es ab den 1980er Jahren mehrere Versuche, digitales Bargeld zu schaffen. Jeder einzelne davon ist gescheitert - aber jeder hat ein Puzzlestück beigetragen, das Satoshi Nakamoto später zusammensetzen konnte.
David Chaum - DigiCash/eCash (1982-1998)
David Chaum war der Pionier. Bereits 1982 veröffentlichte er das Konzept der "Blind Signatures" - eine kryptografische Methode, mit der digitale Zahlungen anonym durchgeführt werden können. 1989 gründete er die Firma DigiCash und brachte Mitte der 90er mit einigen Banken das System "eCash" auf den Markt. Es war das erste echte digitale Bargeld.
Aber DigiCash hatte ein fundamentales Problem: Es war zentralisiert. Die Firma DigiCash war der zentrale Server, über den alle Transaktionen liefen. Als das Unternehmen 1998 Insolvenz anmeldete, war der Versuch endgültig gescheitert.
Lektion gelernt: Zentralisierung ist ein Single Point of Failure.
Adam Back - Hashcash (1997)
1997 entwickelte Adam Back ein System namens "Hashcash" (http://www.hashcash.org/papers/). Ursprünglich war es gar nicht als Geld gedacht, sondern als Spam-Schutz für E-Mails.
Die Idee: Um eine E-Mail zu versenden, muss der Computer erst eine kleine Rechenaufgabe lösen - einen "Proof of Work". Für eine einzelne E-Mail kein Problem, aber für einen Spammer, der Millionen E-Mails verschicken will, wird es unbezahlbar.
Kommt euch das bekannt vor? Genau - das ist das Grundprinzip, das Bitcoin heute fürs Mining verwendet.
Wei Dai - b-money (1998)
Im selben Jahr veröffentlichte Wei Dai seinen Vorschlag für "b-money" (http://www.weidai.com/bmoney.txt) - ein Konzept für dezentrales digitales Geld, bei dem Geld durch Proof of Work erzeugt und über ein Netzwerk mit kryptografischen Signaturen transferiert wird. Man könnte meinen, das klingt ein wenig nach Bitcoin, oder?
b-money wurde nie implementiert - es blieb ein theoretisches Konzept. Aber es war so einflussreich, dass es die allererste Referenz im Bitcoin Whitepaper ist. Satoshi schrieb Wei Dai sogar eine E-Mail, in der er erklärte, dass Adam Back ihn auf seine Arbeit aufmerksam gemacht hatte. Er schrieb sinngemäß: "Ich war sehr interessiert, deine b-money Seite zu lesen. Ich bereite ein Paper vor, das deine Ideen zu einem vollständigen, funktionierenden System erweitert". (https://gwern.net/doc/bitcoin/2008-nakamoto)
Nick Szabo - Bit Gold (1998-2005)
Nick Szabo - ein Informatiker und Kryptograf, der auch das Konzept der "Smart Contracts" erfunden hat - entwickelte bereits 1998 die Idee von "Bit Gold" und beschrieb das Konzept 2005 erstmals vollständig (https://nakamotoinstitute.org/library/bit-gold/). Von allen Vorläufern kam Bit Gold Bitcoin am nächsten. Szabos Idee: Digitale Werteinheiten werden durch Proof of Work erzeugt, mit einem Zeitstempel versehen und in einer Art Kette aneinandergehängt. Das ist im Kern genau das, was Bitcoin macht.
Bit Gold hatte allerdings ein ungelöstes Problem: Es konnte das sog. Double-Spending-Problem nicht ohne eine vertrauenswürdige dritte Partei lösen. Außerdem wurde es nie als funktionierendes System implementiert.
Hal Finney - RPOW (2004)
Hal Finney war ein langjähriges Mitglied der Cypherpunk-Mailingliste und baute 2004 das erste System, das Proof-of-Work-Token wiederverwendbar machte: RPOW - "Reusable Proofs of Work" (https://nakamotoinstitute.org/finney/rpow/index.html). Damit konnte man Hashcash-ähnliche Tokens tatsächlich als eine Art digitales Geld hin- und herschicken.
RPOW war allerdings auf einen zentralen Server angewiesen, was es angreifbar machte. Aber Finney hatte bewiesen, dass das Konzept grundsätzlich funktioniert.
Und hier schließt sich der Kreis: Hal Finney war nicht nur ein Cypherpunk und RPOW-Erfinder - er war auch der Empfänger der allerersten Bitcoin-Transaktion überhaupt. Am 12. Januar 2009 schickte Satoshi Nakamoto 10 BTC an Hal Finney in Block 170. Kurz vorher hatte Finney den mittlerweile legendären Tweet abgesetzt: "Running bitcoin" (halfin auf X: „Running bitcoin“ / X). Er war der erste Mensch neben Satoshi, der die Bitcoin-Software laufen ließ.
Satoshi setzt die Puzzlestücke zusammen
Am 31. Oktober 2008 veröffentlichte eine bis heute unbekannte Person oder Gruppe unter dem Pseudonym "Satoshi Nakamoto" das Bitcoin Whitepaper auf der Kryptografie-Mailingliste (https://www.metzdowd.com/pipermail/cryptography/2008-October/014810.html).
Das Whitepaper selbst (https://bitcoin.org/bitcoin.pdf) zitiert direkt die Arbeiten der Cypherpunks: b-money als Referenz Nr. 1 und Hashcash als Referenz Nr. 6. Satoshi hat die Puzzlestücke, die über zwei Jahrzehnte von den Cypherpunks entwickelt wurden, genommen und zu einem funktionierenden System zusammengesetzt:
- Von David Chaum: Die Idee von kryptografisch gesichertem, digitalem Bargeld
- Von Adam Back: Proof of Work als Sicherheitsmechanismus (Hashcash)
- Von Wei Dai: Das Konzept eines dezentralen Geldsystems mit Proof of Work (b-money)
- Von Nick Szabo: Die Verkettung von Proof-of-Work-Blöcken und digitale Knappheit (Bit Gold)
- Von Hal Finney: Die praktische Umsetzung von wiederverwendbaren Proof-of-Work-Tokens (RPOW)
Was Satoshi als einziger geschafft hat: Das Double-Spending-Problem ohne zentrale Instanz zu lösen - durch die Kombination von Proof of Work, der Blockchain und dem Difficulty Adjustment in einem dezentralen Peer-to-Peer-Netzwerk. Das war der fehlende Baustein, an dem alle vorherigen Projekte gescheitert waren.
Warum das heute wichtiger ist denn je
Die Ideale der Cypherpunks - Privatsphäre, finanzielle Selbstbestimmung und Freiheit von zentraler Kontrolle - sind heute relevanter denn je. Weltweit arbeiten Regierungen an digitalen Zentralbankwährungen (CBDCs), die potenziell jeden einzelnen Cent, den du ausgibst, an einer zentralen Stelle nachverfolgbar machen könnten. Die Überwachung der digitalen Kommunikation nimmt stetig zu. Und unter dem Vorwand der Bekämpfung von kriminellen Aktivitäten gibt es immer wieder neue Regulierungsvorstöße wie beispielsweise die Chat-Kontrolle der EU.
Bitcoin ist die Antwort der Cypherpunks auf genau diese Entwicklungen. Es ist digitales Bargeld - ohne zentrale Kontrolle, ohne Überwachung, ohne die Möglichkeit, es einfach per Knopfdruck einzufrieren oder zu entwerten. Bitcoin ist nicht nur eine Technologie oder ein Investment. Es ist die Verwirklichung einer Vision, für die Menschen über zwei Jahrzehnte gekämpft haben.
Fazit / TL;DR
Bitcoin ist das Ergebnis einer über 20 Jahre langen Reise, angetrieben von einer Gruppe brillanter Köpfe, die erkannt hatten, dass Privatsphäre und finanzielle Souveränität im digitalen Zeitalter nur durch Kryptografie geschützt werden können.
Von den Manifesten der Cypherpunks über den Verschlüsselungskrieg mit der US-Regierung, die gescheiterten aber wegweisenden Versuche von DigiCash, Hashcash, b-money, Bit Gold und RPOW - bis hin zu Satoshis genialer Synthese all dieser Ideen im Bitcoin Whitepaper. Jedes Kapitel dieser Geschichte war notwendig, damit Bitcoin entstehen konnte.
Ich hoffe, der Beitrag hat euch gefallen und ihr konntet wieder etwas Neues mitnehmen! Fragen wie immer gerne in die Kommentare👇
Hab mir gedacht, ich muss euch mal wieder etwas von der ganzen Preis Action in den letzten Tagen ablenken😘
Schönes Wochenende✌️🧡
Edit: Falls ihr Probleme mit den Links habt... die werden teilweise am Ende mit der Klammer zu oder dem Punkt, der danach kommt, aufgerufen. Zur Not einfach oben in der URL rausnehmen. Da will GetQuin nicht so wie ich das will😅

