1. Die Situation: Warum Venezuela für Chevron so wichtig ist
- Venezuela besitzt die größten Ölreserven der Welt, vor allem das für die USA wichtige Schweröl für die Raffinerien im Golf von Mexico
- Chevron ist das einzige US-Unternehmen, das durch eine Sonderlizenz (General License 41) bereits eine aktive Infrastruktur und Joint Ventures vor Ort hat
- ein politischer Umbruch, der zu einer US-freundlicheren Regierung führt, würde Chevron vom "geduldeten Gast" zum Hauptakteur des Wiederaufbaus machen
2. Mögliche positive Auswirkungen
- Massiver Produktionsschub: Chevron könnte die Förderung in seinen Joint Ventures (wie Petropiar und Petroboscan) von derzeit ca. 100.000–150.000 Barrel pro Tag (bpd) kurzfristig verdoppeln und langfristig deutlich darüber hinaus steigern
- Schuldentilgung: In der Vergangenheit hat Chevron Ölexporte genutzt, um ausstehende Schulden der staatlichen PDVSA (staatliche Öl- und Gasunternehmen Venezuelas) in Milliardenhöhe zu begleichen, ein stabileres Umfeld würde diesen Cashflow-Rückfluss beschleunigen
- Strategischer Vorteil: Während Wettbewerber (z.b. $XOM (-2,04 %) , $SHEL (-2,77 %) ) erst neue Verträge aushandeln müssten, kann Chevron sofort die bestehende Infrastruktur hochfahren
3. Risiken und "Red Flags"
- 🚩 Capex-Explosion: Die venezolanische Infrastruktur (Pipelines, Raffinerien) ist nach Jahren der Vernachlässigung in einem desolaten Zustand
- Wenn Chevron ankündigt, seine Investitionsausgaben (CapEx) massiv über die geplanten 18-21 Mrd. USD hinaus zu erhöhen, um Venezuela zu sanieren, könnte dies die Aktienrückkäufe schmälern
- 🚩 Politische Instabilität & "Resource Nationalism": Auch eine neue Regierung könnte versuchen, die Gewinnanteile für den Staat zu erhöhen, wenn die Produktion erst einmal läuft
- Berichte über neue Steuern, höhere Royalties oder Streitigkeiten über die operative Kontrolle in den Joint Ventures wären ein Warnsignal
- 🚩 Ölpreis-Druck durch Überangebot: Wenn Venezuela schnell wieder Millionen Barrel auf den Weltmarkt wirft, könnte der Ölpreis (Brent) unter Druck geraten.
- Ein fallender Ölpreis bei gleichzeitig steigenden Investitionskosten in Venezuela würde die Margen von Chevron (Unit Margins) untergraben
3. Fortschritt bei den "Hess-Synergien" und Guyana
- Die Integration von Hess ist für Chevron essenziell, um das Portfolio mit extrem kostengünstigem Öl (Breakeven <$30) zu unterfüttern - Synergie-Ziel wurde bereits auf 1,5 Milliarden USD bis Ende 2026 angehoben
- 🚩 Verzögerungen oder rechtliche Rückschläge beim Zugriff auf die Hess-Anteile in Guyana z.B. durch Schiedsverfahren mit ExxonMobil
- Guyana ist das "Sicherheitsnetz" für Chevron. Sollte der Venezuela-Coup geopolitisch instabil werden oder der Ölpreis durch das Überangebot einbrechen, braucht Chevron die hochprofitablen Barrel aus Guyana, um die Dividende und den Kurs zu stützen.
Solange Chevron die Aktienrückkäufe beibehält und die Capex-Disziplin wahrt, bleibt die Aktie trotz der geopolitischen Volatilität aus meiner Sicht ein starkes Investment. Wenn das Management jedoch anfängt, "gutes Geld schlechtem Geld hinterherzuwerfen", um politische Ziele in Venezuela zu stützen, sollte man hellhörig werden. Meine Position bleibt im Depot, nachkaufen werde ich aktuell nicht.
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