Die Schweizer Großbank UBS hat ihre Haltung zum französischen Luxusgüterkonzern Hermès grundlegend geändert und das Papier von Neutral auf Sell herabgestuft. Das Kursziel wurde massiv von 1.695 Euro auf 1.168 Euro gekürzt. Diese deutliche Neubewertung markiert einen bemerkenswerten Wendepunkt für einen Titel, der im Luxussegment lange Zeit als nahezu unantastbar galt.
Im Zentrum der Analyse steht die Sorge um die langfristige Exklusivität der Marke. Nach Einschätzung der Analysten weitet Hermès die Produktion in den letzten Jahren kontinuierlich aus. Schätzungen zufolge bestehen mittlerweile rund 65 Prozent des Umsatzes im Lederwarenbereich aus nicht-quotierten beziehungsweise frei verfügbaren Taschen. Was früher durch eine strikte, künstliche Verknappung geschützt war, nähert sich Stück für Stück einem konventionelleren Konsumgütermodell an. Durch diese Entwicklung verliert die Marke einen Teil ihrer absoluten Exklusivität.
Dies hat laut UBS auch unmittelbare Konsequenzen für das Geschäftsprofil. Das Unternehmen verhält sich zunehmend zyklischer und wird anfälliger für konjunkturelle Schwankungen im globalen Luxusmarkt, da sich die erhoffte, rasche Markterholung als verfrüht erwiesen hat. Entsprechend wurden die finanziellen Prognosen deutlich nach unten revidiert. Für das Jahr 2027 senkte die Bank die Gewinnschätzungen je Aktie um zehn Prozent auf 43,98 Euro, womit sie spürbar unter dem breiten Marktkonsens liegt. Für 2028 wird ein noch größerer Abstand zu den Analystenerwartungen prognostiziert.
Ein wesentlicher Treiber für die schwächeren Gewinnperspektiven ist der erwartete Margendruck. Die operative Marge soll im Jahr 2027 auf rund 38,3 Prozent sinken und damit etwa 100 Basispunkte unter dem Vorjahresniveau liegen. Verantwortlich dafür sind geringere Skaleneffekte infolge eines langsameren Wachstums, höhere Ausgaben für Kommunikation und Marketing sowie belastende Effekte aus Währungsabsicherungen. Hinzu kommt ein dauerhaft höherer effektiver Steuersatz, den die Bank nun in ihren Modellen berücksichtigt. Für das organische Umsatzwachstum rechnet die UBS in den kommenden Jahren nur noch mit moderateren Raten im mittleren bis hohen einstelligen Bereich.
Trotz dieses verlangsamten Wachstums wird die Aktie weiterhin auf einem anspruchsvollen Bewertungsniveau gehandelt. Gemessen an den Gewinnschätzungen für die Jahre 2027 und 2028 liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis beim schätzungsweise 27- bis 29-Fachen. Aus Sicht der Analysten impliziert diese Bewertung unrealistisch hohe langfristige Erwartungen, die durch die operative Realität gedämpft werden dürften. Das neue Kursziel von 1.168 Euro basiert auf einer Kombination aus einem angepassten Discounted-Cashflow-Modell und einer Peer-Group-Bewertung und signalisiert auf dem aktuellen Kursniveau weiteres Abwärtspotenzial. Als potenzielles Risiko für diese pessimistische Einschätzung nennt die Bank unerwartet starke Produktinnovationen, die das globale Wachstum doch noch einmal überraschend beschleunigen könnten.
(Anmerkung: Von wegen mangelnde Exklusivität und nachlassende Nachfrage – diese UBS-Analyse kann ich in Zürich beim besten Willen nicht unterschreiben! Nachdem ich erst letzten Monat noch pflichtbewusst den asiatischen Umsatz in Hongkong angekurbelt habe, wollte ich am Samstag um 17 Uhr im Zürcher Hermès-Shop den lokalen Beitrag leisten. Resultat: Vor der Tür hieß es „Wegen Überfüllung geschlossen“ – man kam schlichtweg nicht mehr rein! Mein hart erarbeitetes Geld musste ich also notgedrungen bei der Konkurrenz lassen. Dort war es (in Klammern) zwar proppe voll, aber die waren wenigstens so charmant, mich reinzulassen. Von abkühlender Konsumlaune hat man in Zürich jedenfalls um Punkt fünf Uhr nachmittags rein gar nichts gemerkt!)
Hongkong:

Zürich:
