Als Zuhörer der Telefonkonferenz von Archer Aviation ($ACHR ) zum vierten Quartal 2024 konnte ich wichtige Einblicke in die aktuelle Entwicklungsstufe des Unternehmens bekommen.
Adam Goldstein, der Gründer und CEO von Archer, skizzierte seine Vision einer grundlegenden Neugestaltung der Luftfahrt. Er betonte, dass die Luftfahrt der Zukunft allgegenwärtig, hochgradig autonom und elektrisch sein müsse, um den wachsenden Städten und Bevölkerungen gerecht zu werden. Um dies zu erreichen, müsse die Luftfahrt für die Massen zugänglich gemacht, die Autonomie durch softwaregesteuerte Systeme und KI erhöht und elektrische Antriebe verstärkt eingesetzt werden.
Goldstein sieht Archer in der Verantwortung, diese Transformation anzuführen. Das Unternehmen konzentriert sich auf drei Hauptbereiche:
- Design und Herstellung des elektrischen Lufttaxis Midnight für den Einsatz in Städten.
- Verteidigung in Partnerschaft mit Anduril, um ein hybrides Senkrechtstartflugzeug für militärische und zivile Zwecke zu entwickeln.
- Software zur Entwicklung fortschrittlicher Flugsteuerungssysteme und zur Optimierung des Luftraums durch KI.
Ein zentraler Punkt war die Vorstellung des "Launch Edition"-Programms, das es Archer ermöglichen soll, Midnight-Flugzeuge in ausgewählten Märkten weltweit einzusetzen, bevor die FAA die Typenzulassung erteilt hat. Abu Dhabi Aviation wurde als erster Launch Edition-Partner vorgestellt. Diese Partnerschaften sollen nicht nur Einnahmen generieren, sondern auch als "Playbook" dienen, das auf weitere Partner weltweit skaliert werden kann. In den USA arbeitet Archer weiterhin mit United Airlines und Southwest zusammen, um den Betrieb in Schlüsselstädten wie L.A., San Francisco, Miami und New York zu planen.
Goldstein hob auch die Bedeutung des Verteidigungsgeschäfts hervor und betonte die Partnerschaft mit Anduril zur Entwicklung eines hybriden Flugzeugs für vertikale Starts. Er sieht hier eine Chance für milliardenschwere Programme, die keine FAA-Zulassung benötigen. Ähnlich wie bei SpaceX würden sich Synergien zwischen dem zivilen und dem militärischen Bereich ergeben, wobei die zivile Technologie Glaubwürdigkeit und diversifizierte Einnahmequellen schaffe, während die Rolle im Verteidigungsbereich eVTOL als nationale Priorität etabliere.
Abschließend erwähnte Goldstein eine Kapitalerhöhung von 300 Millionen US-Dollar, die Archer eine Liquidität von über 1 Milliarde US-Dollar verschafft.
Im Anschluss präsentierte Thomas Muniz, der Chief Technology Officer von Archer, detaillierte Einblicke in den technologischen Fortschritt des Unternehmens. Er betonte, dass die Kerntechnologie von Midnight, das elektrische Antriebssystem und die Flugsteuerungssoftware, für verschiedene Anwendungen angepasst werden kann. Das Unternehmen hat umfangreiche Tests durchgeführt, darunter Propeller-Ausdauerprüfungen, Bodenvibrationstests und Fehlerinjektionstests. Muniz hob hervor, dass es keine Abkürzungen bei der Flugsicherheit gebe und dass die gründlichen Tests das Vertrauen in die Reife des Flugzeugdesigns und der Systeme gestärkt hätten.
Ein wichtiger Designaspekt von Midnight ist die Fähigkeit zum konventionellen Starten und Landen (CTOL) sowie zum vertikalen Starten und Landen (VTOL), was die operative Flexibilität und Sicherheit erhöht. Muniz erwähnte auch die Fortschritte bei den betrieblichen Genehmigungen der FAA und die Zertifizierung der Part 141 Flight Training Academy, die es Archer ermöglicht, Midnight-Piloten auszubilden und zu zertifizieren.
International hat Archer die Bemühungen in den VAE verstärkt und arbeitet eng mit der General Civil Aviation Authority zusammen. Ein projektspezifischer Zertifizierungsplan wurde finalisiert, und Archer hat bereits mit der Einreichung von Konformitätsdaten begonnen. Im Sommer soll das erste bemannte Midnight-Flugzeug nach Abu Dhabi geliefert werden, um dort Flugtests unter heißen Bedingungen durchzuführen.
Bezüglich Archer Defense plant das Unternehmen ein VTOL-Flugzeug mit Hybridantrieb und geringer thermischer und akustischer Signatur.
Priya Gupta, die kommissarische CFO von Archer, präsentierte die Finanzergebnisse für das vierte Quartal 2024. Sie hob hervor, dass Archer das Jahr mit 835 Millionen US-Dollar an Barmitteln und Barmitteläquivalenten abgeschlossen hat, was die höchste jemals erreichte Quartalsend-Cash-Bilanz darstellt. Die aktuelle Liquidität beträgt über 1 Milliarde US-Dollar. Gupta erwähnte auch die Möglichkeit einer zusätzlichen Kapitalzufuhr von Stellantis in Höhe von bis zu 400 Millionen US-Dollar.
Die Non-GAAP-Betriebsausgaben für das vierte Quartal beliefen sich auf 98,3 Millionen US-Dollar, während die gesamten GAAP-Betriebsausgaben 124,2 Millionen US-Dollar betrugen. Für das Gesamtjahr 2024 beliefen sich die Non-GAAP-Betriebsausgaben auf 380,6 Millionen US-Dollar und die GAAP-Betriebsausgaben auf 509,7 Millionen US-Dollar. Der Cashflow aus betrieblicher Tätigkeit und Investitionstätigkeit für 2024 betrug -450,6 Millionen US-Dollar, beinhaltete aber auch Ausgaben für den Aufbau der ARC-Anlage.
Für das erste Quartal 2025 erwartet Archer einen bereinigten EBITDA-Verlust von 95 bis 110 Millionen US-Dollar.
Im Frage-und-Antwort-Teil der Konferenz gingen die Führungskräfte von Archer auf Fragen von Analysten ein:
FAA-Zertifizierung und Kommerzialisierung: Goldstein betonte, dass es zwei unterschiedliche Wege gebe: den "Launch Edition"-Weg, der unabhängig von der FAA-Zertifizierung ist, und den FAA-zertifizierten Weg für den US-Markt. Er zeigte sich zuversichtlich, dass die neue Regierung dazu beitragen werde, die Prozesse zu beschleunigen.
Pilotenflug: Muniz erklärte, dass das Midnight-Flugzeug nun vollständig montiert sei und sich im Flugtestzentrum in Salinas befinde. Er gab zwar kein genaues Datum für den ersten Flug bekannt, deutete aber an, dass er bald stattfinden sollte.
Launch Edition Umsatz: Auf die Frage nach den Umsatzerwartungen für die Launch Edition Flugzeuge bestätigte Goldstein das Ziel von mehreren zehn Millionen Dollar Umsatz und einer positiven Marge für diese Flugzeuge.
Produktionskapazität: In Bezug auf die Produktionskapazität sagte Goldstein, dass das Unternehmen plane, 2025 und 2026 "Dutzende von Flugzeugen" zu bauen und ab 2027 die Produktion zu skalieren.
Software: Goldstein erwähnte, dass Software ein wichtiger Bestandteil der Strategie von Archer sei, insbesondere in Bezug auf Kundenbuchungserlebnisse, Bewegungssteuerung, Betriebssteuerung und Autonomie.
Konformes Flugzeug: Muniz erklärte, dass Archer einen detaillierten Plan für die Teile jedes Testflugzeugs habe, die konform sein müssen, um die angestrebten Flugtestziele zu unterstützen.
Verteidigungsinitiativen: Goldstein erklärte, dass der Zeitpunkt für die Bereitstellung von Ressourcen für die DoD-Initiativen gut sei, da das Midnight-Flugzeug ausgereift sei und Ingenieure von diesem Programm abgezogen werden könnten.
Finanzplanung: Gupta erläuterte, dass die Ausgaben im ersten Quartal voraussichtlich zwischen 95 und 110 Millionen US-Dollar liegen werden. Sie erwähnte auch, dass Archer die bestehenden Ressourcen im Engineering nutzt, da diese vom Midnight-Programm auf das Verteidigungsprogramm umsteigen.
Anduril Partnerschaft: Muniz sagte, dass Archer daran arbeitet, das Flugzeug zu bauen, und angesichts der Sensibilität der Sache im Moment nicht viel mitteilen kann.
Abu Dhabi Vertrag: Goldstein sagte, dass die Verträge je nach den Zielen der verschiedenen Länder und Partner, mit denen sie zusammenarbeiten, variieren werden. Die Flugzeuge sollen einen Preis von etwa 10 bis 15 Millionen Dollar haben.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Archer Aviation im vierten Quartal 2024 erhebliche Fortschritte erzielt hat, sowohl in Bezug auf die Technologie als auch auf die Liquidutät. Das Unternehmen verfolgt eine ehrgeizige Vision für die Zukunft der Luftfahrt und setzt auf eine Kombination aus zivilen und militärischen Anwendungen, um diese Vision zu verwirklichen.
Die Partnerschaft mit Abu Dhabi Aviation und das "Launch Edition"-Programm sind vielversprechende Schritte zur Kommerzialisierung der Midnight-Flugzeuge, während die Zusammenarbeit mit Anduril im Verteidigungsbereich neue Wachstumschancen eröffnet.
Weitere börsennotierte EVTOL Hersteller sind u.a. Joby Aviation ($JOBY ), Lilium ($LILM (-6,19 %) ) oder Eve Air ($EVEX )