Die Vereinigten Staaten stehen vor einer starken haushaltspolitischen Belastung. Ein Defizit von 2 Billionen US-Dollar, entsprechend 7% des BIPS, entsteht durch Ausgaben in Höhe von 7 Billionen Dollar gegenüber Einnahmen von nur 5 Billionen Dollar. Diese Situation birgt das Risiko, eine Rezession auszulösen, die sich auf die gesamte Volkswirtschaft ausweiten könnte. Erste Daten weisen bereits auf einen Anstieg der Arbeitslosenanträge im District of Columbia hin, was als Frühindikator für eine wirtschaftliche Abschwächung gilt.
Um das Defizit auf 3% des BIP zu senken, gibt es zum aktuellen Zeitpunkt 3 Szenarien:
- Nominales Wirtschaftswachstum von 10% pro Jahr: Dies wäre jedoch mit einer stark inflationären Entwicklung verbunden und politisch kaum tragbar, da die Bevölkerung bereits unter aktuellen Preissteigerungen leidet.
- Erhöhung der Staatseinnahmen um 1 Billion Dollar: Da in der Vergangenheit Steuersenkungen (insbesondere unter Trump) im Fokus standen, müssten beispielsweise die derzeit bei 2–3 % liegenden Zölle auf etwa 30% angehoben werden, was jedoch den Inflationsdruck weiter erhöhen und Handelskonflikte verschärfen könnte.
- Ausgabenkürzungen um 1 Billion Dollar: Angesichts der Tatsache, dass 4 Billionen Dollar für Sozialleistungen (Renten & Gesundheitswesen) politisch als unantastbar gelten und die Zinslasten von 1 Billion Dollar nur durch sinkende Renditen reduziert werden könnten, was bei einer Zinspause der FED unrealistisch erscheint, bliebe als einzige Option, das Verteidigungs Budget, von 1 Billion Dollar, sowie Budgets in Bereichen wie Energie, Bildung &Verkehr zu kürzen.
Diese Sparmaßnahmen haben zum Aufstieg von eher populistischer Strömungen (DOGE & Elon Musk) beigetragen, die eine Reduktion der Staatsgröße fordern. Ein signalisieren des Ende der Ära des übermäßigen US-fiskalischen Engagements. Gleichzeitig deuten Marktsignale, wie die Outperformance defensiver Sektoren (Konsumgüter mit einem Plus von 8% im letzten Monat) und der Rückgang der US-Homebuilder Equties um 30% seit Oktober, auf wachsende Sorgen hinsichtlich des Wirtschaftswachstums hin.
2. Das Riyadh-Abkommen als potenzieller Wendepunkt
Die internationale geopolitische Landschaft wird zunehmend vom Energy realism bestimmt. Die Trump-Administration steht vor einem Dilemma. Um die Inflation zu bekämpfen, wären niedrigere Ölpreise notwendig, doch eine Steigerung der US-Ölproduktion um 3 Millionen Barrel pro Tag – auf insgesamt 16 Millionen – ist unrealistisch, da die Schieferölproduktion in den letzten drei Jahren lediglich um etwa 1 Million Barrel zulegte.
Eine mögliche Lösung könnte ein Abkommen in Riyadh mit OPEC+ darstellen:
- OPEC+, in Wien, könnte die aktuell umgesetzten Förderkürzungen von 5-6 Millionen Barrel pro Tag zurücknehmen, wenn im Gegenzug Sanktionen gegen Russland aufgehoben und militärische Sicherheitsgarantien für die Golfstaaten zugesichert werden.
- Ein solches Abkommen würde die Rückkehr zum klassischen Petrodollar System beschleunigen, bei dem die Erlöse aus dem Ölexport wieder in Bonds investiert werden.
Die Umsetzung dieses Szenarios hätte weitreichende Folgen: Günstigere Energiepreise könnten die Inflation dämpfen, globale Bond Märkte stabilisieren und internationale Aktien, vor allem in Europa und den EM stärken. Zugleich könnte Europa gezwungen sein, seine Abhängigkeiten von China (im Exportsektor), den USA (im Sicherheitsbereich) und Russland (bei der Energieversorgung) zu überwinden.
3. Europa, China und die zyklische Konjunkturerholung
Während die USA mit strukturellen Schwächen kämpfen, bieten andere Regionen attraktive Investitionsmöglichkeiten:
- Europa: Nach der Bundestagswahl könnten populistische Parteien, die derzeit 29,57% der Stimmen repräsentieren, nicht die notwendige Drittelmehrheit erzielen, um eine fiskalische Stimulusmaßnahme zu schaffen, was auch recht spekulativ ist. Ein solcher Impuls würde den DAX und den Euro Stoxx50 stärken, insbesondere in Kombination mit eventuell sinkenden Ölpreisen und umfangreichen Reconstruction Plan in der Ukraine.
- China: „Steigende“ Immobilienpreise (im Januar verzeichneten 24 von 70 Städten Preisanstiege oder Stabilität der Preise) und ein möglicher Konsumaufschwung (mit Einzelhandelsumsätzen, die um mehr als 6% im Jahresvergleich steigen) könnten internationale Investoren anziehen. Für 2025 plant die chinesische Regierung gezielte Maßnahmen zur Förderung des Konsums, darunter Handelszuschüsse, erhöhte Sozialleistungen und Anreize für Neugeborene. Eine Beschleunigung der globalen Einkaufsmanagerindizes (PMI) würde zudem die Nachfrage nach chinesischen Industrieprodukten fördern.
- Japan und Südkorea: Beide Länder profitieren zyklisch von einer Erholung der weltweiten Fertigungsindustrie, insbesondere im Halbleitersektor. Dazu zählen Blue-Collar-Chips wie $ADI (-0,71 %) , $MCHP (+0,77 %) & $TXN (-0,03 %) .
4. Technologiesektor und eingeschränkte Liquiditätsreserven
Die Stellung der Magnificent 7 verliert zunehmend an Stärke, auch durch den Aufstieg chinesischer AI Anbieter wie DeepSeek. Zudem signalisiert die Schwäche der US-Homebuilder-Aktien, die abnehmende Consumer Power, wobei Hypothekenanträgen und sich wieder erholt haben.
Ein weiteres Warnsignal ist die geringe Liquiditätsreserve: Der Anteil an Barmitteln in Fondsportfolios liegt bei nur 3,5%, der niedrigste Stand seit 2010, was die Märkte anfälliger für Korrekturen macht. Seit dem „Verkaufssignal“ im Dezember haben die Magnificent 7 um 5 % verloren, während der MSCI ACWI um 2% zulegte ein klarer Hinweis auf eine Rotation in internationale Märkte.
5. Anlageempfehlungen
- Eine stärkere Gewichtung von Long Term Bonds, wie 30 jährigen US-Staatsanleihen erscheint sinnvoll, da eine Flachlegung der Zinskurve & die internationale Nachfrage (bedingt durch das Petrodollar-Recycling) zu sinkenden Renditen führen könnten.
- Buy the Dip bieten Chancen für den Einstieg in exportorientierte Unternehmen und zyklische Sektoren, vor allem in den USA & China
- Ein Fokus auf defensive Bereiche wie Consumer und Health sowie auf Blue-Collar Halbleiter ist empfehlenswert, da diese von einer Erholung der Einkaufsmanagerindizes profitieren könnten.
- Gold kann man als Hedge gegen geopolitische Risiken empfehlen, während bei Öl eine vorsichtige Positionierung ratsam ist, da die anstehenden OPEC+-Verhandlungen zu erhöhter Volatilität führen könnten.