+++ Über Pläne und das Glück +++
Die letzten Tage waren hier hin und wieder sogenannte Recaps, Rückschauen oder Fazits zum eigenen Vermögensaufbau, persönlicher Entwicklung oder beruflicher Natur (oder meistgespielten Podcasts) Themen in der getquin-Community.
Das stecken von Zielen, ist das übliche Handeln zwischen den Tagen, spätestens nachdem der zweite Festbraten verspeist und der letzten Hosenknopf gerissen ist - gehört das für viele zur Tradition. Jedes Jahr. Immer wieder von Neuem.
Was für die einen körperliche Stählerei, die letzte Zigarette, kein Tropfen Alkohol mehr oder das „letzte Rindvieh“ essen ist, ist für diese Community unabdingbar die Planung der Finanzen im nächsten Jahr… das Setzen von Zielen, die Millionen Euro Frage. Das Planen der beruflichen Karriere. Das geschäftsmäßige Mindset.
Pläne sind wichtig. Ohne Zweifel. Ein Plan gibt ein Ziel vor. Ein Plan bestimmt die Richtung in die wir uns bewegen. Ein Plan darf, nein vielleicht muss er auch, regelmäßig einer Überprüfung unterliegen. Pläne geben Halt. Orientierung.
Nur was macht man, wenn man nicht jedes Jahr neue, irgendwelche, Luftschlösser herbei träumt, das Mindset nicht ständig auf Ruhm und Erfolg, auf ständige berufliche Karriere oder den nächsten Hype-Train-To-The-Moon-Rummelbumms fokussiert ist?
Man kommt zur Ruhe. Hängt Gedanken hinterher. Man erlaubt sich die ein oder andere Nachlässigkeit. Man beobachtet das Sein und Fließen.
Bisweilen fragt man sich, ob man wirklich die Ausnahme in all diesem Zirkus ist? Hier der Krieg in der Ukraine, da der Konflikt im Jemen, dort eine europäische Spitzenpolitikerin unter Korruptionsverdacht, irgendwo ein Land in der Wüste mit einer Fussball-WM im Winter… Nebenan die einsame alte Dame oder der Herr, ohne Familie und Freude an dieser unruhigen Zeit.
Ungewiss was morgen kommt. Da tut ein Plan gut, oder? Planen verschafft gefühlte Sicherheit. Ein Plan gibt deinem Leben einen Sinn. Ein Plan lässt dich ein Ziel haben. Ein Plan zeigt anderen, das du…. einen Plan hast.
Was wäre wenn wir das planen sein lassen? Zumindest das ständige Vorsätze machen und nach spätestens 6 Wochen wieder vergessene Planbefolgen? Das darüber ärgern, dass man es wieder einmal nicht geschafft hat? Das man am Ende des Jahres das Fazit des Misserfolgs zieht?
Und selbst wenn ich es schaffe, mein Jahresziel zu erreichen… Fraglich ob mich dies das ganze Jahr glücklich gemacht hat.
Natürlich gibt es keine Garantie für sich erfüllende Pläne. Es gibt nicht mal eine Garantie für ein Morgen.
Deswegen ohne Plan durchs Leben zu stolpern; keine Alternative.
Aber: Wie wäre es mit einem Vorschlag… einmal hinsetzen und durchatmen. Einmal richtig, in der Stille des Trubels, des Überfluss, der Hektik… ausbrechen. Ausbrechen und laufen. Davon und dahin.
Der Weg führt dich von deiner frühsten Kindheit, hin zum Heranwachsenden „Ich“, zu dem Menschen der du heute bist… Hast du alles so geplant? Ist wirklich alles so gekommen, weil du es so geplant hast?
Ist dein heutiges Sein nicht viel mehr das Ergebnis von Zufällen, Gelegenheiten und Ergebnissen aus alltäglichen, ungeplanten Momenten?
Wo steht dein Kontostand in einem Jahr? In einem Jahrzehnt… am Ende deines Lebens? Kontostände sind Zahlen. Zahlen lassen sich messen und einordnen. Sind mal Rot, mal Schwarz, mal Grün…
Zahlen lassen kaum einen Interpretationsspielraum für ein Ergebnis offen… Zahlen sind wichtig. Richtig?
Ist Glück messbar?
Glück ist eine Variable in unserem Leben, welche je nach Zustand von Gesundheit, Finanzieller Stärke oder aber auch Alter, Familienstand und Wohnort (sowie vielen anderen Dingen) abhängig ist.
Glück und glücklich sein empfindet eben jeder Mensch anders. Und Glück lässt sich viel zu oft kaum in Worte fassen.
Das Glück ist mit die Doofen.
Warum sollte man also mit Glück planen? Glück kommt und geht. Glück wird mit Pech auf die Stufe des Zufalls gehoben.
Was aber wenn wir Glück und Glücklich sein planen könnten?
Würden wir es als stetigen Begleiter einplanen? Würden wir für Glück einen finanziellen Rahmen, ein finanzielles Budget oder ein Sparplan ausarbeiten?
Glück kommt nicht einfach um die Ecke oder gibt sich jederzeit freimütig zu erkennen. Glück ist oftmals schon wieder weg, wenn wir es erkennen. Der glückliche Moment erscheint genau dann als Realitätsfern. Als Illusion und Tagträumerei. Wir irren dann beinahe schon planlos dem Glück hinterher. Werfen alle Pläne über den Haufen… so einfach ist das mit dem Plan, wenn doch nur das Glück uns küssen würde.
Glückliche Momente mit unseren Familien, Freunden oder dem einfachen Sein, lassen sich nicht planen. Sie kommen und gehen.
Ist das wirklich so?
Ich behaupte: Man kann Glück im eigenen Leben planen.
Als ich 2014 den bewaffneten Überfall auf mich und eine Kollegin überlebte, wurde ich in einen Prozess des Lernen und Planens geführt. Das planen von Glück.
Ich lernte, das Glück haben, Glücklich sein einen Plan benötigt. Einen Plan Dinge mit Mut, der Ehrlichkeit dem eigenen „Ich“ gegenüber und dem Gefühl für das eigene Selbstverständnis und Selbstwertgefühl offen zu akzeptieren und zu leben.
Dieser Plan ist jedoch anders als kurzfristige Ziele, Pläne für ein neues Jahr oder einen bestimmten Zeitraum nicht am Jahreszeiten oder bestimmte Momente geknüpft.
Mit dem Plan des „Glücklichen Seins“ kann man nicht Zahlen und Daten erfassen oder entsprechende Glücksparameter messen oder vergleichen. Das Glück zu planen heisst alte Gewohnheiten über Bord zu werfen, Dinge im eigenen Sein zu akzeptieren und den „Fluss“ des Lebens zu folgen.
Einen Plan vom eigenen Glück zu haben basiert einzig und allein auf der Tatsache Glück und Glücklich sein als Geschenk, als zu lernende Gabe zu begreifen.
Als Möglichkeit Freiheit zu erleben und zu verstehen. Auf die eigene Stimme zu hören.
Der Plan vom Glück beschreibt für mich keine Ziele, welche ich ständig anpassen müsste. Keine Depotgröße der ich hinterher rennen müsste, keine Karriereleiter die ich unbedingt erklimmen sollte… Der Plan vom Glück ist für mich: das Leben.
Um Glück als solches zu begreifen, bedarf es der Erkenntnis, dass man selbst Glück hat.
Ich habe Glück, dass ich trotz schwieriger Kindheit und Jugend eine Frau kennen gelernt habe, welche mich so akzeptiert wie ich bin. Ich habe Glück, dass ich ein festes (Eigenheim-) Dach über meinen Kopf habe. Ich habe Glück das ich einen Sohn, ein Kind habe. Ich habe Glück, das ich einen gut gefüllten Kühlschrank für Essen habe. Das ich einen zweiten Kühlschrank für gute Getränke habe. Ich habe Glück, dass ich jeden Monat Geld in meine Zukunft investieren kann. Ich habe Erfolg in meinem Beruf. Das kann mich in gewisser Weise glücklich machen. Da weiss ich mich glücklich zu schätzen. Ich mache glücklicherweise Karriere.
Zum Glück und glücklich sein gehört für mich meine Familie. Sie ist nicht besonders gross, beschränkt sich im alltäglichen Leben auf meine Frau und meinen Sohn (und unsere Katze).
Ich habe auch meine Eltern noch, sie haben nicht so viel Glück wie ich gehabt. Trennung und die Entfernung zu ihren Familien und Liebsten.
Ich habe Familie. Freunde.
All das sind Anteilsscheine an meinem Glück.
Sie sind das Wertpapier, die Währung welche mir das Glück ermöglicht zu erleben. Ich kann es nicht in Werte beziffern. Und es macht mich glücklich.
Ich behaupte nicht das lose Zahlen und Kontostände nicht auch Glück verschaffen oder Glücksgefühle entstehen lassen. Ein gut gefülltes Konto erlaubt Freiheiten, Gelassenheit und Wohlstand.
Und das bedingt möglicherweise eben auch die eigene Definition zum Glücklich sein.
Bin ich reich? - Nein? Bin ich dadurch unglücklich?
Bin ich reich? - Ja? Bin ich dadurch glücklich?
Das Streben nach Glück unterliegt keiner Kategorie von Allgemeiner Bestimmbarkeit. Es liegt einzig und allein im Auge des Betrachtenden.
Wenn wir aufhören ständig getrieben zu werden, uns gejagt zu fühlen, uns vergleichen zu müssen… so können wir glücklich werden.
Die vergangenen Tage konnten wir Menschen, oder einen Menschen erleben welcher unglücklich war. Wer nicht glücklich ist, wer sich nicht erlaubt glücklich zu sein, bringt bisweilen andere Menschen dazu, eben auch dieses Unglück zu erleben. Hier mündete es „nur“ in einem Fakeprofil und gegenseitigen Schuldzuweisungen. Ob es den- oder diejenige Glücklich macht? Ich wage es zu bezweifeln. Ich wage zu bezweifeln, dass in diesem Moment sowas wie Glück und „glücklich sein“ einen Platz gefunden haben.
Glücklich sein heisst auch: „es gut sein zu lassen“. Zu verzeihen. Zu entschuldigen. Zu vergessen.
Wer anderen Glück schenkt, kann glücklich werden. Ich selbst erlebe es immer wieder wenn ich eine Sachspende oder eben auch finanzielle Unterstützung an die Arche in Berlin Hellersdorf oder einem Obdachlosen in der Bahn übergebe. Glück findet seinen Weg. Wenn ich Glücklich bin, kann ich andere Menschen glücklich machen.
Wenn ich los lasse, plane mein Glück wirken zu lassen, so brauche ich keinen Plan für jedes einzelne Ziel mehr. Ich muss keine Ziele mehr auf Krampf erreichen. Alles befindet sich im Plan, wenn ich glücklich bin.
Ich habe daher 2015 meinen Plan aufgestellt, welcher bis heute wirkt:
Mach das, was dich glücklich macht.
Und wenn du es tust, dann mach es richtig.
Mit allen Konsequenzen. Finde einen Kompromiss zwischen Notwendigkeiten und persönlicher Freiheit.
Seitdem läuft dieser Plan. Ich mache Karriere, Investiere und genieße aber vor allem die überwiegende Zeit meines Jahres mit Familie, mit Freunden, mit Hobbys und all den Dingen, welche mir wichtig sind.
Sie sind mein Plan. Sie sind mein Glück. Das Rezept zum glücklich sein, liegt im Begreifen der Möglichkeiten und der Erkenntnis:
Das Glück immer bei mir ist. Mit jedem Herzschlag.
Ich wünsche euch/dir und euren/deiner Familie_n eine besinnliche und vor allem glückliche Weihnachtszeit!
Euer Papa.


