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TEIL 2: Wie ich versuche, menschliche Anlageentscheidungen mit einem strukturierten KI-Research- und Control-System zu verbessern

Teil 2: Von der Aktienidee zur begründeten Entscheidung

Kurze Rückschau auf Teil 1


Im ersten Teil ging es um die Entstehung des 55555-Systems, seine fünf Aufgabenbereiche und die Trennung zwischen Masterbook und aktuellem Master-Status. Die zentrale Idee war: Nicht möglichst viele Informationen führen zu besseren Entscheidungen, sondern ein nachvollziehbarer Ablauf mit passenden Prüfungen, Gegenargumenten und menschlicher Verantwortung. Daran knüpft dieser Teil direkt an und zeigt, wie aus einer ersten Aktienidee ein Kandidat für unser System - oder eine begründete Absage - wird.


Wer den ersten Teil verpasst hat, kann hier gerne nochmal schauen:


https://app.getquin.com/de/post/eJXKfiMMiJ/wie-ich-versuche-menschliche-anlageentscheidungen-mit-einem-strukturierten-ki-research-und-control-system-zu-verbessern


Eine interessante Aktie ist noch kein Kauf


Aber steigen wir ein, wie also finden wir neue Aktien?

Der Ausgangspunkt kann sehr unterschiedlich sein. Manchmal fällt ein Unternehmen durch eine Nachricht auf, manchmal durch starke Zahlen, einen ungewöhnlichen Kursverlauf oder eine Empfehlung. Aber auch in Diskussionen zwischen mir und der KI kommt es vor, das wir einfach sagen, lass uns doch mal den Konkurenten der Firma checken.


Der erste Impuls ist aber nur ein Hinweis und noch keine These.

Bevor wir über einen Einstieg sprechen, muss zunächst klar sein, was das Unternehmen eigentlich verdient, welche Aufgabe es in einem Depot übernehmen könnte und welche Risiken hinter der Geschichte stehen.

Diese Trennung zwischen Idee, Qualität und Kaufbarkeit ist ein Kernstück des Systems. Ein Unternehmen kann hervorragend sein und trotzdem gerade zu teuer. Ein stark gefallener Kurs kann attraktiv aussehen und dennoch auf ein beschädigtes Geschäftsmodell hindeuten. Deshalb wird nicht gefragt, ob eine Aktie irgendwie steigen könnte, sondern ob sie unter unseren Bedingungen nachvollziehbar in eine bestimmte Kategorie passt.

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Woher die Ideen und die Analysen kommen


Wir nutzen keine einzige Quelle als automatische Empfehlung.

Ideen entstehen aus einem breiten Suchfeld und werden anschließend unabhängig geprüft. Dazu gehören unter anderem:


• Unternehmensmeldungen, Geschäftsberichte und Earnings

• offizielle Ad-hoc-Mitteilungen und regulatorische Veröffentlichungen

• Aktien-Screener, Branchenlisten und thematische Suchläufe

• Analystenberichte und Bewertungsmodelle

• ungewöhnliche Kurs- oder Volumenbewegungen

• neue Technologien, strukturelle Trends und politische Rahmenbedingungen

• Vorschläge aus dem Austausch mit anderen Anlegern

• unsere Watchlists, Reservelisten und die Champions League


Auch eine Idee aus einem Screener oder aus einer Diskussion wird dabei nicht einfach übernommen. Sie landet zunächst in einer Prüfspur. Erst wenn Geschäftsmodell, Datenlage, Kategorie und Risiko zusammenpassen, wird daraus ein ernsthafter Kandidat.


Der erste Schritt ist das Geschäftsmodell


Bevor Kennzahlen gesammelt werden, versuchen wir das Unternehmen in einfachen Worten zu erklären.


- Was verkauft es?

- Wer sind die Kunden?

- Wie wiederkehrend sind die Erlöse?

- Welche Kosten bestimmen das Ergebnis?

- Ist das Geschäft kapitalintensiv, zyklisch, reguliert oder von wenigen Kunden beziehungsweise Produkten abhängig?


Diese Fragen verhindern, dass Kennzahlen aus ihrem Zusammenhang gerissen werden.

Ein hoher Cashflow kann bei einem reifen Softwareunternehmen etwas anderes bedeuten als bei einem Rohstoffproduzenten.

Eine hohe Ausschüttungsquote kann bei einem Immobilienunternehmen anders zu beurteilen sein als bei einem Industrieunternehmen.

Deshalb wird die passende Kategorie möglichst früh festgelegt und die spätere Prüfung an das Geschäftsmodell angepasst.

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Die Kategorie wird nicht passend gemacht


Die fünf Kategorien wurden in Teil 1 bereits vorgestellt. Für die Aktiensuche dienen sie hier vor allem als Filter:


A steht für das ETF-Fundament, B für ausschüttungsorientierte Cash Cows, C für Qualitätswachstum, D für begrenzte asymmetrische Chancen und E für taktische oder besondere Situationen.


Die Zuordnung erfolgt vor der Detailbewertung und nicht nachträglich, um einen gewünschten Kauf zu rechtfertigen.

Wenn ein Unternehmen in keine dieser Aufgaben sinnvoll passt, ist das ein gültiges Ergebnis. Ein freier Platz ist besser als eine Kategorie, die nur aus Bequemlichkeit gefüllt wird.


Unsere Research Pipeline


Nach der ersten Einordnung läuft jede ernsthafte Idee durch mehrere Stationen.

Die Reihenfolge kann je nach Unternehmen variieren, die Fragen dahinter bleiben jedoch stabil:


1. These formulieren: Warum könnte dieses Unternehmen für uns interessant sein?

2. Geschäftsmodell verstehen: Woher kommen Umsatz, Margen und Cashflow?

3. Kategorie bestimmen: Welche Aufgabe soll die Aktie im Depot erfüllen?

4. Primärquellen prüfen: Was sagen Geschäftsbericht, Earnings und offizielle Mitteilungen tatsächlich?

5. Qualität bewerten: Wachstum, Profitabilität, Bilanz, Kapitalallokation und Wettbewerbsvorteil

6. Abhängigkeiten prüfen: Kunden, Produkte, Regionen, Rohstoffpreise, Regulierung und Finanzierung

7. Bewertung untersuchen: Welche Erwartungen sind bereits im Kurs enthalten?

8. Chart und Einstiegszone prüfen: Ist die Aktie kaufbar oder zunächst nur beobachtenswert?

9. Gegenargumente formulieren: Was müsste passieren, damit die These falsch ist?

10. Portfolio-Nutzen bestimmen: Verbessert der Kandidat das Depot insgesamt oder nur ein einzelnes Merkmal?


Das Ergebnis ist bewusst nicht immer ein Kauf.

Eine Aktie kann in der Champions League landen, aber wegen ihrer Bewertung oder eines ungünstigen Charts auf der Watchlist bleiben.

Umgekehrt kann ein günstiger Einstieg allein keine fehlende Qualität ersetzen.


Praxisbeispiel: Siemens und Investor AB


Ein gutes Beispiel für diesen Ablauf war die aktualisierte Prüfung von Siemens.

Das Unternehmen überzeugte mit einer starken Auftragslage, wachsenden Industrie- und Digitalgeschäften, einem hohen Auftragsbestand und robustem Cashflow.


Siemens bestand damit unsere Qualitätsprüfung und kam in die C-Champions-League.

Das bedeutete jedoch noch nicht automatisch, dass die Aktie gekauft wird.

Anschließend stellten wir Siemens - Investor AB gegenüber.

Siemens bietet einen direkten operativen Wachstumshebel über Automation, Software, Elektrifizierung und Infrastruktur.

Investor AB ist dagegen eine breit diversifizierte Beteiligungsgesellschaft mit einem defensiveren Holding-Charakter.


Der Vergleich lautete deshalb nicht einfach: Welches Unternehmen ist besser?


Entscheidend war: Welche Aktie erfüllt im Depot die wichtigere Aufgabe, zu welcher Bewertung und mit welchem Risiko?


Die Entscheidung fiel am Ende gegen einen Kauf beider Titel:


Beide Aktien wurden nicht gekauft und blieben Beobachtungskandidaten.

Siemens war qualitativ stark, stand nach dem Kursanstieg aber nahe am Hoch und bot zunächst keine ausreichend attraktive Einstiegszone.

Investor AB blieb als diversifizierter Qualitätsbaustein interessant, hätte gegenüber der bereits vorhandenen C-Funktion von RELX aber keinen klaren Gesamtvorteil von etwa 10 bis 15 Prozent gezeigt.



Eine gute Aktie nicht zu kaufen, ist in diesem System kein Fehler, sondern ein bewusst akzeptiertes Ergebnis.


Das Beispiel zeigt den Kern unseres Auswahlprozesses:


Erst werden Qualität und Geschäftsmodell geprüft, dann Kategorie, Bewertung, Timing, Risiken und Portfolio-Nutzen. Nur wenn diese Ebenen zusammenpassen, wird aus einer guten Aktie auch ein passender Kauf.

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Quellen werden nach ihrer Aussagekraft gewichtet


Bei widersprüchlichen Daten entscheidet nicht die Zahl, die am besten in die eigene Meinung passt. Unternehmensberichte, offizielle Veröffentlichungen und regulatorische Dokumente haben Vorrang. Sie werden durch unabhängige Daten, Analystenschätzungen, Bewertungsmodelle, Screener und technische Informationen ergänzt.


Bei jeder Kennzahl müssen Zeitraum, Währung, Definition und Rechnungslegungsstandard klar sein. Umsatzwachstum kann berichtet oder bereinigt sein.

Gewinn kann als GAAP, bereinigt oder je Aktie angegeben werden.

Cashflow kann durch einen Einmaleffekt verzerrt sein.

Wenn Angaben nicht sauber vergleichbar sind, wird das kenntlich gemacht.

Die KI soll keine scheinbare Genauigkeit erzeugen, indem sie unvereinbare Werte einfach mittelt.


Was der KI Agent übernimmt


Die KI ist in diesem Prozess ein Werkzeug für Recherche, Struktur und Kontrolle.

Sie kann große Mengen an Informationen schneller ordnen, Querverbindungen sichtbar machen und eine Analyse aus einer zweiten Perspektive hinterfragen.

Ihre Stärke liegt nicht darin, die Zukunft sicher vorherzusagen, sondern darin, den Entscheidungsweg nachvollziehbarer zu machen.


Typische Aufgaben sind:


• Informationen aus unterschiedlichen Quellen zusammenführen und zeitlich einordnen

• Geschäftsmodelle und Kennzahlen in verständlicher Sprache erklären

• passende Wettbewerber und Alternativen identifizieren

• Risiken, Abhängigkeiten und mögliche Katalysatoren herausarbeiten

• Bewertung und technische Einstiegszonen getrennt betrachten

• einen Kandidaten gegen bestehende Positionen oder Nachrücker vergleichen

• Widersprüche, fehlende Daten und mögliche Regelverletzungen markieren

• die Gegenposition formulieren, auch wenn sie meiner ersten Einschätzung widerspricht


Wichtig ist die Rollenverteilung:


Ich bestimme Fragestellung, Rahmenbedingungen und Prioritäten.

Die KI recherchiert, sortiert, rechnet, vergleicht und widerspricht.

Die endgültige Entscheidung bleibt beim Menschen. Der Agent darf weder eigenmächtig handeln noch die Regeln verändern, nur weil eine einzelne Aktie gerade besonders überzeugend klingt.


Wie aus Research eine Entscheidung wird


Am Ende jeder Prüfung steht eine klare, aber nicht künstlich überpräzise Einstufung.

Ein Wert kann als Kandidat für eine Kategorie bestätigt werden, als Watchlist-Fall mit besserem Einstieg beobachtet werden, in die Champions League der möglichen Nachrücker aufsteigen oder wegen fehlender Qualität und unpassendem Risiko ausscheiden.

Für einen Austausch im Depot reicht es nicht, dass ein neuer Name ebenfalls interessant ist. Er muss die Aufgabe des bisherigen Wertes besser erfüllen und das Gesamtdepot erkennbar verbessern.


Deshalb vergleichen wir nicht nur Wachstum, Rendite oder Kursziel, sondern auch Bilanz, Stabilität, Risiko, Diversifikation und den praktischen Einstiegszeitpunkt.

Ein einzelner Spitzenwert ersetzt keine Gesamtbewertung.


Diese Vorgehensweise hilft besonders an Tagen, an denen der Markt stark steigt oder fällt. Kursbewegungen können einen neuen Prüfauftrag auslösen, aber sie sind noch keine Entscheidung. Erst die Kombination aus Fakten, Kategorie, Bewertung, Chart und Portfolio-Nutzen führt zu einer Handlung.


Die menschliche Entscheidung bleibt zentral


Das Projekt ist keine Blackbox, in der eine KI ein geheimes Signal ausgibt.

Ich bringe Ziele, Erfahrung, Risikobereitschaft und die Verantwortung für das Depot ein.

Die KI übernimmt Recherche, Struktur, Gegenprüfung und eine zusätzliche kritische Perspektive. Sie kann blinde Flecken sichtbar machen, aber nicht entscheiden, welche persönlichen Ziele Vorrang haben oder wie viel Unsicherheit jemand tragen möchte.


Transparenz ohne private Depotdaten


Die Forumsserie soll den Prozess nachvollziehbar machen, ohne private Finanzdaten zu veröffentlichen. Deshalb nenne ich keine Depotwerte, keine Stückzahlen, keine absoluten Positionsgrößen, keine Kaufvolumina und keine absoluten Gewinne oder Verluste. Prozentuale Gewichtungen oder qualitative Begriffe wie Kernposition, normale Position und kleine Position sind davon bewusst getrennt, werde ich auch aufzeigen und können den Aufbau trotzdem verständlich machen.

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Ausblick auf Teil 3


Im dritten Teil stelle ich die fünf Kategorien A bis E ausführlicher vor.

Dabei geht es nicht nur um ihre unterschiedlichen Aufgaben, Mindestanforderungen und Prüfmaßstäbe, sondern auch um die aktuell im Depot enthaltenen Titel.


Ich erläutere für jeden Wert, warum wir ihn gekauft haben, welche Aufgabe er in seiner Kategorie erfüllt, was wir uns von der Position versprechen und welche Risiken wir beobachten.


So wird sichtbar, dass ein Titel nicht nur wegen eines guten Charts oder einer einzelnen Kennzahl im Depot liegt, sondern wegen einer konkreten Investmentthese.


Auch Teil 2 beschreibt ausschließlich meinen persönlichen Entwicklungs- und Entscheidungsprozess. Er ist weder Anlageberatung noch eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren.


Ich freue mich weiterhin auf Fragen, Anregungen und konstruktive Kritik. Besonders interessant finde ich den Austausch darüber, wie andere Anleger Recherche, Regeln und menschliche Entscheidungen miteinander verbinden.


Schönes Wochenende


Raketentoni

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8 Kommentare

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Also Toni, ich muss schon sagen: Netflix-Serien, die ich schauen möchte, müssen sich aktuell erstmal hinten anstellen. Deine Serie hat Priorität 👀 wieder mega Arbeit 🫶 Danke 🙏🏽
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@Aktienhauptmeister danke fürs Lob. Ich glaube Teil 3 wird für die meisten am interessantesten. Wenn es um einzelne Werte geht und der Grund wieso genau diese Aktie im Depot ist.
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@Raketentoni wie du sicherlich weißt interessiere ich mich für das ganze System was du aufgebaut hast ! Ich nehme alles mit was möglich ist, dafür bin ich dir mega dankbar 🫶 und hab schon bisschen angefangen rum zu spielen 🫣👀
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Danke! Mich würde interessieren inwiefern dein Anlagehorizont deine Herangehensweise verändert. Wie viel Risiko lässt du zu. Welche Faktoren werden wichtiger/ welche weniger wichtig?
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@Darkwingduck Hi, natürlich hat der Anlagehorizont Einfluss auf meine Strategie und meine Herangehensweise.
Ich habe noch ca. 17 Jahre bis ich fertig sein will mit arbeiten und wenn ich jetzt 20 wäre würde ich sicher mehr Risiko, mehr Krypto und mehr in Tech gehen.
Aber da ich im Alter auch Cashflow will, enthält natürlich das Depot klar auch Dividendenwerte. Aber dann wird Teil 3 für dich sehr interessant, weil ich da all die Fragen beantworte, denn da wird jede Einzelne Aktie gezeigt und welche Funtkion sie hat.

Hoffe das hilft dir erstmal 🫡
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@Raketentoni da ich erst anfang 20 bin interessiert mich natürlich die risikoreicheren Varianten. Es gibt hier so geballtes Wissen und auf meinen Anlagenhorizont könnte jeder Tipp hier Gold wert sein 😁
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@Darkwingduck bekommst du 😬 dann solltest du dann nächsten freitag vor allem auf Kategorie C und D achten
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