Einführung in Anleihen
Eine Anleihe ist ein festverzinsliches Wertpapier, das dem Inhaber einen Anspruch auf regelmäßige Zinszahlungen (Kupon) sowie auf die Rückzahlung des investierten Kapitals (Nennwert) verleiht. Wird eine Zahlung nicht geleistet, gerät der Schuldner in Verzug, was einen Kreditausfall oder sogar eine Insolvenz zur Folge haben kann. Sowohl der Preis der Anleihe als auch der Kupon werden als Prozentsatz des Nennwerts angegeben.
Sowohl Unternehmen als auch Staaten können Anleihen ausgeben. In Europa erfolgt die Kuponzahlung üblicherweise jährlich, in den Vereinigten Staaten hingegen halbjährlich. Anleihen ohne Kupon werden als Null-Kupon-Anleihen bezeichnet.
Der Anleihenmarkt umfasst zahlreiche Arten von Anleihen, die nach Merkmalen und Bedingungen unterschieden werden.
Hier einige Beispiele:
- T-Bills (US): Kurzfristige Anleihen mit Laufzeiten bis zu einem Jahr.
- T-Notes (US): Mittelfristige Anleihen mit Laufzeiten von 2 bis 10 Jahren.
- T-Bonds (US): Langfristige Anleihen mit Laufzeiten zwischen 10 und 30 Jahren.
- Abrufbare Anleihen (Callable Bonds): Können vom Emittenten vorzeitig zurückgekauft werden.
- Wandelanleihen (Convertible Bonds): Ermöglichen eine Umwandlung in Aktien des Emittenten.
- Kündbare Anleihen (Puttable Bonds): Erlauben es dem Inhaber, die Anleihe vorzeitig zurückzugeben oder zu verlängern.
- Variabel verzinsliche Anleihen: Der Kupon ist an einen Referenzzinssatz gekoppelt, beispielsweise an den Zinssatz eines Schatzwechsels.
- TIPS (Treasury Inflation-Protected Securities): Inflationsgeschützte Anleihen, die den realen Wert sichern.
Internationale Anleihen und Währungskomponenten
Zu den gängigen Typen internationaler Anleihen gehören:
- Yankee-Anleihen: Anleihen ausländischer Emittenten, die in den USA verkauft werden.
- Samurai-Anleihen: In Japan von ausländischen Emittenten in Yen ausgegebene Anleihen.
- Bulldog-Anleihen: Auf Pfund Sterling lautende Anleihen, die von ausländischen Emittenten in Großbritannien ausgegeben werden.
- Eurodollar-Anleihen: Auf US-Dollar lautende Anleihen, die außerhalb der USA verkauft werden.
- Euroyen- und Eurosterling-Anleihen: In Yen oder Pfund Sterling lautende Anleihen, die außerhalb Japans bzw. des Vereinigten Königreichs verkauft werden.
Bewertung von Anleihen durch die DCF-Methode
Der Wert einer Anleihe ergibt sich aus dem diskontierten Zahlungsstrom, den der Käufer erhält. Zunächst wird die Anleihe zum aktuellen Preis P gekauft, daraufhin erhält man die regelmäßigen Kuponzahlungen (CPN) und am Ende der Laufzeit den Nennwert (FV). Der Barwert (PV) aller künftigen Zahlungen lässt sich wie folgt berechnen:
PV= CPN/(1+r) + CPN/ (1+r)^2 +... +CPN+FV/(1+r)^N
Dies ist der fundamentale Wert der Anleihe, den ein Käufer maximal zu zahlen bereit sein sollte. Da viele Kupons konstant sind, vereinfacht sich die Berechnung zu:
PV=CPN• [1/r - 1/r(1+r)^N] + FV/(1+r)^N
Hierbei entspricht r der Rendite vergleichbarer Anlagen und spiegelt somit das Risiko der Anleihe wider.
Beispielrechnung
Herr Müller erwirbt im Oktober 2022 eine französische Staatsanleihe mit einem Nennwert von 100 EUR, einem Kupon von 4,25 % und einer Laufzeit bis Oktober 2026. Bei einer Rendite vergleichbarer Anleihen von 0,15 % ergibt sich ein Anleihewert von:
PV=4,25/1,0015 + 4,25/(1,0015)^2 + 4,25/(1,0015)^3 + 104,25/(1,0015)^4=116,34
Dieser Wert wird in Prozent des Nennwerts als 116,34 % angegeben. Das bedeutet, der Anleihewert liegt über dem Nennwert, da die Marktrendite unterhalb des Kupons liegt.
Die Rendite die du machst ist dann deine vorherige YTM oder bei einer Frühauszahlung auch so ausrechnenbar = Gewinn x 100 / eingesetztes Kapital = Rendite relativ
Zusammenhang zwischen Anleihepreis und Zinssatz
Wenn der Anleihepreis steigt, sinkt die Rendite, und umgekehrt. Grundsätzlich gilt: Wenn die Zinsen für ähnliche Anleihen steigen, fällt der Kurs, da höhere Renditen nur durch günstigere Einstiegspreise erreichbar sind.
Zinsstrukturkurve und Laufzeiten
Die Zinsstrukturkurve bildet den Zusammenhang zwischen der Laufzeit und dem Zinssatz ab und wird aus den Renditen von Staatsanleihen abgeleitet. Üblicherweise gilt, dass langlaufende Anleihen höhere Zinsen bieten (normale Zinsstruktur), um langfristige Risiken und Inflationsunsicherheiten zu kompensieren.
Anleihen und das Ausfallrisiko
Die Höhe der Anleihenrendite wird maßgeblich durch das Ausfallrisiko des Emittenten beeinflusst. Ein höheres Risiko bedeutet eine höhere Rendite. Rating-Agenturen klassifizieren Anleihen nach ihrem Risiko in Rating-Klassen, die Investoren bei der Entscheidung helfen.
Quiz
Eine Anleihe mit 10 Jahren Laufzeit wird zu einem Nennwert von 1.000 US-Dollar emittiert und zahlt jährlich 60 US-Dollar Zinsen. Was passiert mit der Nominalverzinsung (d.h. dem Kupon) der Anleihe, wenn die YTMs vergleichbarer Anleihen kurz nach der Emission steigen?
a) keine Veränderung
b) steigt
c) fällt
d) hängt vom Rating der Anleihe ab
Eine Anleihe mit 10 Jahren Laufzeit wird zu einem Nennwert von 1.000 US-Dollar emittiert und zahlt jährlich 60 US-Dollar Zinsen. Was passiert mit der YTM der Anleihe, wenn die YTMs vergleichbarer Anleihen kurz nach der Emission steigen?
a) keine Veränderung
b) steigt
c) fällt
d) hängt vom Rating der Anleihe ab
Eine Anleihe mit 10 Jahren Laufzeit wird zu einem Nennwert von 1.000 US-Dollar emittiert und zahlt jährlich 60 US-Dollar Zinsen. Was passiert mit dem Preis der Anleihe, wenn die YTMs vergleichbarer Anleihen kurz nach der Emission steigen?
a) keine Veränderung
b) steigt
c) fällt
d) hängt vom Rating der Anleihe ab
Zusammenfassung
- Der Preis einer Anleihe wird mithilfe der DCF-Formel ermittelt.
- Steigt das allgemeine Zinsniveau, sinkt der Anleihepreis und umgekehrt.
- Langfristige Anleihen bieten in der Regel höhere Zinsen, da das Zins- und Inflationsrisiko steigt.
- Das Ausfallrisiko einer Anleihe wird durch Rating-Agenturen beurteilt und in Rating-Klassen unterteilt.
Quelle: Brealey, R., Myers, S., Allen, F., Edmans, A. (2022): Principles of Corporate Finance, 14. Auflage, McGraw Hill, ISBN 1260013901 sowie Vorlesungsfolien.