Teil. 8
Hallo meine Lieben,
auch wenn es keine Nachfragen mehr zu meiner Serie
"Wer die Wahl hat, hat die Qual" gegeben hat.
Möchte ich zu Ostern trotzdem die Serie fortführen.
Wer Interesse an weiteren Folgen hat, darf gerne einen 👍da lassen.
Psychologie an der Börse
Wie wir die letzten Wochen wieder sehen können. Die Börse ist und bleibt unberechenbar, weil die Psychologie eine große Rolle spielt. Denn die Akteure an der Börse sind Menschen, die sich mit ihren Gefühlen und Stimmungen gegenseitig beeinflussen und anstecken.
Was wir auch jeden Tag hier bei getquin feststellen können.
Die Massenmedien, angefangen bei Presse über Funk und Fernsehen bis hin zum Internet, verstärken die Stimmungen noch. Vor allem die Boulevardpresse mit ihrer fatalen Vorliebe für Sensationsberichte heizt die Börse über die Privatanleger in Boomzeiten an und entfacht Panik in Crash-Zeiten. Und unsere lieben Finfluencer wollen wir nicht vergessen.
Zwar halten hier einige mit einer seriösen, maßvollen Berichterstattung dagegen. Aber leider gilt nicht nur im Alltag, sondern auch in unserer Mediengesellschaft:
"Wer am lautesten schreit, verschafft sich am meisten Gehör".
Bullen und Bären 🐻
An der Börse rückt der Mensch als Individuum in den Hintergrund. Wie in einer großen Herde wird der einzelne mitgezogen, hat scheinbar kaum eine Chance, aus diesem Strom auszubrechen. Bei der Kardinalfrage, wohin die Aktienherde zieht, hoch auf die Berge oder runter in die Täler, greift die Börse auf tierische Synonyme zurück.
Bullen und Bär stehen an der Börse für die beiden großen Richtungen:
Der Bulle verkörpert steigende Aktienkurse, der Bär dagegen fallende Kurse. Die Leittiere der Börse gehen zurück auf ein Wettspiel der kalifornischen Goldsucher vor 150 Jahren.
Zur Gaudi ließ man damals einen Bullen gegen einen Bären antreten. Der Bulle versuchte, den Bären nach oben auf seine spitzen Hörner zu nehmen, und der Bär versuchte, den Bullen mit seiner großen Tatze nach unten zu drücken.
Genau dieser Kampf spielt sich tagtäglich an den Börsen rund um den Globus ab. So lässt man im Lager der Bullen, der Optimisten, keine Gelegenheit aus, die Aktienkurse quasi auf die Hörner zu nehmen und nach oben zu treiben, während die Bären, die Pessimisten, alles daransetzen, die Kurse mit ihrer großen Tatze nach unten zu drücken.
Bei den Bullen bestätigt jede positive Wirtschaftsmeldung ihren Optimismus, ist Anlass für weitere Aktienkäufe. Dagegen nehmen die Bären jede Chance wahr, um auf negative Wirtschaftsaussichten aufmerksam zu machen, die ihren Pessimismus neue Nahrung geben. Natürlich auch, um möglichst viele Bullen vom Gegenteil zu überzeugen, sie quasi ins Bärenlager hinüberzuziehen, damit sie ihre Aktien verkaufen können.
➡️Bullish sein⬅️bedeutet also in der Börsensprache:
Als Anleger ist man optimistisch, setzt auf steigende Aktienkurse.
Und ➡️bearish sein⬅️heißt:
Man ist pessimisstisch eingestellt, rechnet mit fallenden Aktienkursen.
Je nachdem, wer gerade an der Börse das Zepter schwingt, die Bullen oder die Bären, geht der Aktienmarkt rauf oder runter. Zwar wird dieser Zweikampf jeden Tag neu ausgefochten, aber hat sich ein Lager auf dem Börsenparkett, zum Beispiel das der der Bullen, erst einmal klar durchgesetzt, kann die andere Seite, die Bären, für Wochen, Monate oder sogar Jahre zum Zuschauen an der Außenlinie verdammt sein.
Und unser Freund Käpten 🍊befeuert jeden Tag noch den Kampf, zwischen Bulle und Bär.
Alles reine Nervensache
Ebenso wie die Wirtschaftskonjunktur verläuft auch die Börse in Zyklen. Jedem Aufschwung folgt irgendwann ein Abschwung, bevor wieder ein neuer Aufschwung einsetzen kann. An der Börse können solche Phasen aufgrund von massenpsychologischen Phänomenen in die Länge gezogen werden. Ein solches Phänomen ist die ➡️Self-fullfilling prophecy⬅️. Damit ist gemeint, dass sich Prognosen selbst erfüllen. Einfach, weil fast alle dasselbe glauben und danach handeln, tritt das erwatete Ereignis auch ein.
So hatte in Deutschland nach der Maueröffnung alle Welt geglaubt, die Westunternehmen würden jetzt das große Geld in Osteuropa verdienen. Aufgrund dieser Ostphantasie kauften die Anleger die Anteilsscheine der entsprechenden Unternehmen und trieben damit die Aktienkurse in ungeahnte Höhen. Es entstand ein Bullenmarkt, getrieben von einem übertriebenen Optimismus bis hin zur zeitweisen Euphorie.
Immer, wenn es an den Börsen zu einer Aufwärtsbewegung kommt, ohne dass die Wirtschafts- und Gewinnaussichten Schritt halten können, löst sich der Finanzmarkt von der realen Wirtschaft ab, beginnt die Börse eine gewisse Zeit ein Eigenleben zu führen. Solche spekulativen Seifenblasen werden eines Tages unweigerlich zerplatzen, leider ohne Vorwarnung. Der reinigende Börsencrash, so schmerzhaft er für uns alle auch ist, passt den Wert der Unternehmen an der Börse wieder an ihren realen Wert in der Wirtschaft an. So folgte die Quittung für die euphorische Ostphantasie an der deutschen Börse Mitte der 90er Jahre.
Meine Lieben, seht ihr zur Zeit auch schon irgendwo eine Seifenblase entstehen?
Auf- und Abschwung oder in der Börsensprache Bullen- und Bärenmärkte geben sich also die Klinke in die Hand. Offen bleibt leider dabei die immer wiederkehrende Frage:
"Wann erfolgt der Stabwechsel, die sogenannte Trendumkehr".
Denn wer am Ende des Booms bzw. am Anfang der Krise kauft, der macht Verlust.
➡️The trend is only your friend, wenn man den trend nicht verpennt⬅️,
ist ein loker, aber treffender Spruch der Börsianer.
Ideal, aber fast nie erreicht: Aktien kaufen am Ende des Abschwungs, wenn die Kurse quasi am Boden sind, und die Aktien wieder verkaufen am Ende des Aufschwungs, wenn der Kursgipfel erreicht ist.
Auch hier macht die menschliche Psyche uns oft einen Strich durch die schöne Börsenrechnung, denn mal ehrlich:
"Wer verlässt schon gerne eine Party, wenn endlich Stimmung aufgekommen ist.🥳🎉"
Und wer hat schon die Nerven, Aktien zu kaufen, wenn alle Welt erleichtert ist, die Papiere losgeworden zu sein.
An der Börse ist halt vieles reine Nervensache!
Immer zwischen Angst und Gier!
Jeder Börsen-Einsteiger begibt sich unfreiwillig auf eine seelische Entdeckungsreise, bei der Momente auftreten können, in denen sich der gestresste Privatanleger zu Recht fragt, ob er nicht endgültig verrückt ist. Die persönlichen Erfahrungen entfalten eine erstaunliche Bandbreite, von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt, je nachdem wie die eigenen Aktien gerade stehen. Im schlimmsten Falle rauben sie einem sogar im wahrsten Sinne des Wortes den letzten Schlaf. Zu materiellen gesellt sich dann auch noch die psychische Erschöpfung.
Meine Lieben, deshalb an dieser Stelle mal:
➡️Für das Aktiengeschäft sollte jeder eine gehörige Portion Coolness mitbringen.⬅️
Die erste psychische Belastungsprobe beginnt bereits damit, aus der Vielzahl der angebotenen Aktien, gerade aus meinen Vorstellungen, einige wenige auswählen zu müssen. Damit schließt man gleichzeitig viele andere aus, die ebenfalls in Frage kämen. Wenn genau diese Aktien sich im nachhinein auch noch als die wahren Favoriten erweisen, ist der Ärger doppelt so groß. Vielleicht eine Begründung für meine große Anzahl an Positionen 🙈😂.
Die ständige Beobachtung der Aktienkurse wird für einen einen Anfänger schnell zur Geduldsprobe. Fallen die Kurse sogar, statt brav zu steigen, stellen sich erste Vorboten von Panik ein. Selbstzweifel breiten sich aus:
Hat man doch auf das falsche Pferd gesetzt oder den völlig falschen Zeitpunkt erwischt?
Angespannt verfolgt man sämtliche Wirtschaftsnachrichten, klopft sie heimlich auf kursbeeinflussende Faktoren ab. Aber selbst wenn die eigenen Aktienkurse steigen, gibt es natürlich immer Aktien, die besser laufen. Statt Sieges- kann sich dann trotzdem Katerstimmung einstellen 🙈.
Erschwerend kommt hinzu, dass wir mit unserem Seelenschmerz oft alleine bleiben. Während andere aus der Community hier ihre Erfolge posten. Freunde und Bekannte will man aus Angst vor Schadenfreude nicht behelligen und Familienmitglieder nicht unnötig beunruhigen. Dabei steht die allerschwierigste Entscheidung sogar noch bevor:
Wann ist der richtige Zeitpunkt, seine Aktien wieder zu verkaufen?
Selbst wenn man mit einem Gewinn abschließt, geht am Ende bestimmt noch irgend etwas schief. Entweder man verkauft zu früh, und die Aktienkurse steigen anschließend einfach weiter. Oder man verkauft zu spät, d.h. einen Teil der aufgelaufenen Gewinne haben andere bereits vor einem eingeheimst. Man ärgert sich also in jedem Fall, statt sich über die ersten Kursgewinne zu freuen. Aber für alle Aktien-Einsteiger gibt es einen Trost - selbst für jene, die mit Verlusten starten:
"Mehr Selbsterkenntnis ist ja auch schon ein Gewinn"
Meine Lieben, es ist mal wieder etwas länger geworden. Aber vielleicht findet ihr über die Feiertage ein wenig Zeit. Über Kommentare ob es euch gefallen hat würde ich mich natürlich auch sehr freuen.
Am Donnerstag habe ich ich für euch noch die Bullen aus der Community (@Simpson
@Max095
@Dividendenopi
@Get_Rich_or_Die_Tryin ) nach Frankfurt an die Börse geschickt, um die Bären zu vertreiben.
Jetzt wünsche ich euch aber ein paar stressfreie Ostertage!


