6Mon.·

Warum Sand?

Vor ein paar Tagen habe ch mir die Aktie von $SND (+0,47 %) ins Depot geholt. Ich war auf der Suche nach einem weiteren Profiteurvon steigenden Ölpreisen. In dieser Woche las ich dann einen interessanten Bericht, den ich in Auszügen mit Euch teilen möchte.


Sand? Klingt langweilig. Ist es aber nicht. Denn ohne Sand läuft beim Fracking fast nichts. Genau deshalb ist Smart Sand einer der spannendsten

Hebel auf eine wieder anziehende Fracking-Story in den USA. Der Zu-

sammenhang ist simpel: Beim Fracking werden Wasser, Chemikalien

und Sand in das Gestein gepresst. Der Sand hält die so entstehenden

Risse offen – ohne ihn würde die Förderung schnell einbrechen. Er ist

damit kein bloßes Füllmaterial, sondern ein entscheidender Produkti-

onsfaktor. Sand ist nicht gleich Sand. Smart Sand setzt auf hochwertigen „Northern White Sand“. Der Fokus liegt auf feinen Mesh-Größen

wie 40/70 und 100 Mesh. Die Kapazität liegt bei rund zehn Millionen

Tonnen jährlich, die Reserven bei über 450 Millionen Tonnen. Damit ist die Versorgung auf Jahrzehnte hinweg gesichert. Solcher Premiumsand ist zwar oft 50 bis 100 Prozent teurer als einfacher Fracking-Sand – kann aber deutlich höhere Fördererträge liefern. Eine Analyse von Rystad, einem unabhängigen Researchhaus für die Energiebranche, zeigt: Bohrungen mit Premiumsand schneiden in 85 Prozent der Fälle innerhalb von ein bis zwei Jahren besser ab. Der Grund: bis zu 3,4- bis 4,5-fach höhere Leitfähigkeit. Für

Fracker zählt am Ende nicht der billigste Sand, sondern der höchste

Cashflow pro Bohrung. Fracker, die am Sand sparen, sparen somit an der

falschen Stelle. Zumal Sand nur 10 bis 20 Prozent der gesamten Fracking-Kosten ausmacht. Billigen Sand nutzen Fracker nur, wenn sie die Kosten kurzfristig drücken wollen. Das ist vor allem dann der Fall, wenn die Preise für Öl und Gas im Keller sind. Je höher aber der Ölpreis, desto stärker verschiebt sich der Fokus von Kosteneinsparungen hin zu maximaler Förderung – und damit hin zu Premiumsand. Über 80 Dollar startet der Boom. Die grobe Formel lässt sich erstaunlich einfach herunterbrechen.

Unter rund 65 Dollar wird es bei vielen US-Produzenten zäh. Genau dort

liegt laut Dallas Fed aktuell der Ölpreis, den Produzenten im Schnitt

brauchen, um ein neues Bohrloch profitabel zu erschließen. In solch

einem Umfeld wird genau auf die Kosten geachtet. Premiumsand ver-

kauft sich dann schwerer, weil die Branche eher an Kosteneinsparungen als an Wachstum dankt. Zwischen 70 und 80 Dollar wird das Bild bereits deutlich besser. Neue Bohrungen rechnen sich eher, die Nervosität nimmt ab und die Produzenten beginnen wieder selektiv zu wachsen. „Sollten die Preise auf Werte im hohen 60er- und 70er-Dollar-Bereich steigen, wird die US-Schieferölförderung für einige Jahre wieder auf einen Wachstumskurs

zurückkehren“, meinte etwa Ryan Lance, CEO des US-Öl-Riesen Cono-

co Phillips, im Mai 2025. Das heißt aber noch nicht automatisch Vollgas.

Die US-Schieferölbranche ist heute deutlich disziplinierter als in früheren Boomphasen. Viele Unternehmen achten stärker auf freie Cashflows, Dividenden und Aktienrückkäufe. Für Smart Sand ist diese Zone

dennoch wichtig: Hier beginnt die Story zu arbeiten. Erst vorsichtig,

dann zunehmend spürbar. Die ersten zusätzlichen Frac-Jobs bringen

mehr Sandbedarf – auch wenn die großen Sprünge oft noch ausbleiben.

Über 80 Dollar wird es für Smart Sand richtig spannend. Denn ab diesem Niveau verschiebt sich der Fokus vieler Produzenten deutlich stärker von Kosten drücken zu Förderung maximieren. Und genau dann gewinnt Premiumsand an Bedeutung. Wer aus jeder Bohrung mehr Output herausholen will, spart ungern am Material, das die Risse im Gestein offen hält. Bleibt der Ölpreis mehrere Wochen oder Monate über 80 Dollar, werden zunächst mehr Bohrlöcher fertiggestellt und später auch wieder mehr neue Bohranlagen eingesetzt – und damit steigt die Nachfrage nach dem Sand von Smart Sand stark. Bei einem Ölpreis von Über 90 Dollar wird aus einer guten Story sogar eine potenziell rasante Hebel-Story.

Reichlich Aufholbedarf

Wichtig ist dabei: Die reine Anzahl aktiver Bohranlagen (Rig Counts) ist

heute nicht mehr so wichtig wie früher. So weist auch die US-Energiebehörde EIA darauf hin, dass die traditionelle Verbindung zwischen

Rig Count und Produktion schwächer geworden ist, weil die Produzenten effizienter arbeiten, länger bohren und mehr aus jedem einzelnen Rig herausholen.

Genau das ist für Smart Sand aber kein Nachteil – im Gegenteil. Wenn

jede einzelne Bohrung intensiver bearbeitet wird und längere Laufzeiten

bekommt, steigt der Sandbedarf pro Job. Die Zahl aktiver Bohrungen

muss gar nicht explodieren, damit die Sandnachfrage steigt – es reicht

schon, wenn pro Bohrloch mehr Material verbraucht wird. Dennoch lohnt sich auch ein Blick auf die Zahl der Bohrungen. Im historischen Vergleich gibt es hier noch reichlich Luft nach oben. 2008 lag der Rig Count von Baker Hughes bei 2.031 Anlagen. Heute sind es etwa 550. Dass sich die Zahl deutlich erhöhen kann, hat sich 2022 gezeigt. Nach dem Ukraine-Krieg stiegen die Rig Counts im Jahresverlauf um ein Drittel auf rund 800. Daten der EIA zufolge stehen in den USA derzeit rund 5.000 Fracking-Quellen auf Abruf bereit. Diese sogenannten DUC-Wells können bei steigenden Ölprei-

sen vergleichsweise schnell in Produktion gebracht werden.

Flexible Energie für die KI

Nicht nur Öl treibt die Story, sondern auch Gas – vor allem als Energiequelle für KI-Rechenzentren. Genau hier ist Smart Sand perfekt positioniert. Das Unternehmen ist stark in den Appalachen und in Kanada positioniert – also in Regionen, in denen Erdgas eine zentrale Rolle spielt. Vor allem in den Appalachen wird diese Story zunehmend konkret. Der Quantencomputing-Spezialist CoreWeave hat im Juli 2025 angekündigt, bis zu sechs Milliarden

Dollar in ein KI-Rechenzentrum in Lancaster, Pennsylvania, zu investie-

ren. Das Projekt startet mit 100 Megawatt und kann auf 300 Megawatt

wachsen.

Für Smart Sand heißt das nicht, dass morgen jeder neue Server automatisch einen neuen Sandzug auslöst. Aber es zeigt, wohin sich die Region bewegt: mehr Strombedarf, mehr Fokus auf verlässliche Energie und damit mehr strategische Bedeutung für Gas. Schließlich kann der gesamte Stromhunger der KI-Rechenzentren nicht sofort durch Wind, Solar oder Atomkraft gedeckt

werden. Vor allem in den Überbrückungsjahren braucht es daher auch

zwingend mehr Gas. Und wo die Gasförderung zunimmt, steigt früher

oder später auch die Relevanz der Dienstleister und Zulieferer in der Kette. Die EIA erwartet die stärkste 4-Jahres-Phase beim US-Stromverbrauch seit 2000 und nennt große Computing-Zentren ausdrücklich als Treiber. Neben der Rechenzentren lässt zudem der boomende LNG-Export nach Europa die Gasnachfrage in den USA stark steigen.

Langfristiger Wachstumsmarkt

KI-Energiehunger und gestiegene Ölpreise verstärken ein ohnehin vorhandenes Wachstum. Dem Analysehaus Future Market Insights zufolge

wird die weltweite Fracking-Produktion von 29,2 Billionen Kubikfuß im

Jahr 2021 bis 2036 auf 92,5 Billionen Kubikfuß steigen. Das entspricht

mehr als einer Verdreifachung in 15 Jahren und einer jährlichen Wachstumsrate von acht Prozent. Fracking ist somit kein kurzfristiger Boom,

sondern ein langfristiger Wachstumstrend. Wohlgemerkt: Die Zahlen stammen noch aus der Zeit vor dem Irankrieg. Selbst ohne ganz hohe Ölpreise dürfte somit die Fracking-Produktion und damit auch die Nachfrage nach Schlüsselkomponenten wie Frac-Sand strukturell

wachsen.

Voller Service bis zum Bohrloch

Smart Sand liefert aber nicht nur Sand, sondern die komplette Kette:

Minen, Bahnanschluss, eigene Terminals in North Dakota, Pennsylvania

und Ohio. Der neueste Clou sind SmartSystems – mobile Lager- und

Managementlösungen direkt am Bohrloch. Sie sollen den Ablauf ver-

einfachen, Kosten senken und die Sicherheit erhöhen. 2025 hat Smart

Sand an einem überarbeiteten Design gearbeitet. Der erste Feldeinsatz der neuen SmartSystems soll im ersten Quartal erfolgen.

Solide Finanzen

Trotz mehrerer schwieriger Jahre der US-Fracking-Industrie ist Smart Sand zudem keine hochverschuldete Zockerbude. Im Gegenteil. Das

Fremdkapital wurde seit 2020 fast halbiert. Seit Anfang 2023 kauft Smart Sand sogar eigene Aktien zurück. 2024 gab es zudem erstmals eine Dividende. 2025 wurde diese um 50 Prozent auf 0,15 Dollar je Aktie erhöht. 2026 dürfte die Ausschüttung mindestens konstant bleiben. Auf aktuellem Niveau entspricht das immerhin 3,4 Prozent.

Selbst bei niedrigen Ölpreisen hat Smart Sand zudem den Umsatz von

2021 bis 2025 nahezu verdreifacht auf 330,2 Millionen Dollar. Aufgrund

hoher Investitionen blieb zwar nur ein Nettogewinn je Aktie von 0,05

Dollar übrig. Die Vergangenheit hat aber gezeigt, was möglich ist, wenn

die Ölpreise nicht im Keller liegen und keine großen Zukunftsinvestitionen die Marge drücken. So fuhr Smart Sands 2019 einen Gewinn je

Aktie von 1,36 Dollar ein. Beim aktuellen Kursniveau würde das ein KGV

von lediglich 3 bedeuten. Und damals lag der Umsatz bei 233 Millio-

nen Dollar. Diesmal ist die Ausgangsbasis der Erlöse um rund die Hälfte

höher. Gewinnschätzungen für 2026 gibt es bisher noch nicht, da sich oh-

nehin nur drei Analysten überhaupt mit der Aktie beschäftigen und keiner davon eine aktuelle Studie veröffentlicht hat. Das zeigt, wie wenig selbst Experten diese Anlagestory auf dem Schirm haben.

• Sand drauf

Smart Sand schwebt komplett unter dem Radar. Bleibt Öl über 80 oder

zumindest über 70 Dollar, dürfte die Fracking-Produktion kräftig anziehen – und damit auch Smart Sand.

Eine Verdopplung ist dann locker möglich.

13
2 Kommentare

Profilbild
Hört sich interessant und plausibel an. Mehr als ins Minus gehen kann es eh nicht wenn ich Mal eine Position eröffne 🙈
•
6
•
Profilbild
Danke für eine interessante Einschätzung.
••
Werde Teil der Community