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Firefly Aerospace: Zwei Optionsscheine in einer Aktie

$FLY (+5,38 %) ist der teuerste Weg, an die falsche These zu glauben, und gleichzeitig der günstigste Weg, an die richtige zu glauben. Welche der beiden zutrifft, hängt an einem einzigen Programm, das erst 2027 fliegt.


Das operative Bild aktuell: Umsatz im ersten Quartal 2026 bei 80,9 Mio. Dollar, plus 45 Prozent im Jahresvergleich, rund 6 Mio. über den Analystenschätzungen. Der Verlust je Aktie lag bei minus 0,46 Dollar non-GAAP, sechs Cent besser als erwartet. Firefly ist damit klar in der Skalierungsphase, aber noch weit von Profitabilität entfernt, was bei einem Unternehmen mit einem einzigen etablierten Trägersystem auch nicht überraschen sollte.


Das Trägersystem ist Alpha, ein Small-Lift-Vehikel, das 2025 genau einen orbitalen Flug absolviert hat. Zum Vergleich: Rocket Labs Electron kam im selben Jahr auf 21 Starts bei hundert Prozent Erfolgsquote. Das ist der Kern des Problems, das der Markt bei Firefly einpreist. Eine Kadenz von eins ist kein Launch-Geschäft, das ist ein Prototyp mit Kundenverträgen.


Was den Namen trotzdem relevant macht, ist Blue Ghost. Firefly hat mit Mission I im März 2025 die bislang einzige vollständig erfolgreiche private Mondlandung hingelegt, inklusive kompletter Erfüllung des Missionsprofils auf der Oberfläche. Das hat der NASA gereicht, um Firefly wiederkehrend einzubinden. Zehn Payloads bei der letzten Mission, ein neuer Auftrag über 75 Mio. Dollar vom Jet Propulsion Lab für vier Drohnen zum lunaren Südpol im Rahmen des MoonFall-Programms, dazu ein Space-Force-Engineering-Vertrag über 109 Mio. Dollar. Firefly ist im Moment weniger ein Launch-Unternehmen mit Mondgeschäft als ein Mondgeschäft mit Launch-Ambitionen.


Der eigentliche Kurstreiber liegt woanders, nämlich bei Eclipse, dem Medium-Lift-Programm in exklusiver Partnerschaft mit Northrop Grumman. Markteintritt frühestens 2027. Bis dahin ist jede Bewertung von Firefly im Kern eine Wette auf ein Programm, das noch nicht geflogen ist, mit einem Partner, der die technische Schwerarbeit übernimmt, während Firefly den kommerziellen Zugang zum Medium-Lift-Markt bekommt, ohne die volle Entwicklungslast zu tragen. Das ist strukturell klug, verschiebt aber auch einen Teil der Wertschöpfung zu Northrop.


Bewertung: P/S bei rund 26x, damit günstiger als Rocket Lab (rund 33x) und deutlich günstiger als SpaceX (rund 115x seit dem IPO). Das IPO selbst war im August 2025 bei 45 Dollar, danach ein Kursrückgang um die Hälfte nach einer Explosion am Teststand während der Entwicklung. Der Titel notiert seither überwiegend unter dem Ausgabepreis, was für ein Unternehmen in dieser Entwicklungsphase eher normal als alarmierend ist.


Die nüchterne Einordnung: Firefly ist kein Ersatz für Rocket Lab, sondern eine andere Wette. Wer Rocket Lab hält, kauft ein diversifiziertes, bereits cashflow-näheres Geschäft mit Integrationsrisiko aus der Iridium-Übernahme. Wer Firefly kauft, kauft im Wesentlichen zwei Optionsscheine in einer Aktie, den einen auf Eclipse ab 2027, den anderen auf ein fortgesetztes NASA-Mondprogramm. Die Bewertung ist günstiger, weil der Beweis noch aussteht. Das ist kein Widerspruch, das ist der Preis für das Risiko.

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