Gestern fand ebenfalls die Analysenkonferenz von RWE ($RWE (-6,18 %)) zur Vorstellung der Ergebnisse des Geschäftsjahres 2024 statt.
Markus Krebber (CEO) und Michael Müller (CFO) gaben einen detaillierten Einblick in die Entwicklungen und beantworteten anschließend die Fragen der Analysten. Hier ist meine Zusammenfassung der wichtigsten Punkte:
Markus Krebber begann mit einem positiven Rückblick auf das Jahr 2024. Trotz eines Rückgangs der europäischen Rohstoffpreise zu Beginn des Jahres konnte RWE die gegebenen Versprechen einhalten. Das robuste Geschäftsportfolio ermöglichte eine starke operative und finanzielle Performance. Als Zeichen für die Anpassungsfähigkeit und die Kapitalallokation an die Aktionäre wurde im vierten Quartal des letzten Jahres ein Aktienrückkaufprogramm im Volumen von 1,5 Mrd. EUR initiiert.
Obwohl die Markt für die Stromnachfrage vielversprechend sind und signifikante Investitionen in zusätzliche Stromerzeugungskapazitäten in allen Kernmärkten erforderlich sind, herrscht eine höhere Unsicherheit im Investitionsumfeld. RWE wird daher bei zusätzlichen Investitionszusagen vorsichtiger sein. Das Unternehmen strebt eine konservative Leverage Ratio an, um eine starke Bilanz in volatilen Zeiten zu gewährleisten. Die internen Anforderungen wurden über alle Technologien und Märkte hinweg erhöht, und es werden strengere Investitionskriterien, insbesondere in den USA, angewendet.
Dies führt zu einer signifikanten Reduzierung des Investitionsprogramms bis 2030. Für die Jahre 2025 bis 2030 wurden die geplanten Investitionen um 25 % bzw. 10 Mrd. EUR gegenüber dem Kapitalmarkttag 2023 gekürzt. Ein Teil dieser Optimierung ist eine aktive Sell-down- und Partnering-Strategie für das Offshore-Portfolio, um die Belastung durch gebundenes Kapital während der Bauphase zu reduzieren. Trotzdem befinden sich Projekte mit einer Gesamtkapazität von 12,5 Gigawatt im Bau, was netto zugesagte Investitionen von derzeit 13 Mrd. EUR bedeutet.
Diese Projekte sollen attraktive Renditen liefern. Während die geplanten Investitionen für 2025 vollständig zugesagt sind, besteht ab 2026 eine hohe Flexibilität in der Kapitalallokation. Die finanziellen Ziele wurden bestätigt: Ein EPS-Wachstum (CAGR) von 18 % von 2025 bis 2027, das 3 EUR pro Aktie erreicht, sowie das langfristige Ziel von 4 EUR bereinigtem Ergebnis je Aktie im Jahr 2030. Die erhöhte Dividende für 2024 wurde bestätigt, und eine weitere Erhöhung um 0,10 EUR auf 1,20 EUR je Aktie für 2025 wird angestrebt. Das laufende Aktienrückkaufprogramm über 1,5 Mrd. EUR läuft bis zum zweiten Quartal 2026.
Im Rückblick auf 2024 hob Krebber die starke finanzielle und operative Performance hervor, die auf der Robustheit des integrierten Erzeugungsportfolios beruhte. Das bereinigte EBITDA lag bei 5,7 Mrd. EUR und übertraf die Mitte der Prognosespanne. Das bereinigte Ergebnis je Aktie erreichte 3,1 EUR und lag ebenfalls deutlich über der Prognosemitte. Gleichzeitig wurden Fortschritte bei der Dekarbonisierung erzielt. Die CO2-Emissionen sanken 2024 um weitere 13 % im Vergleich zum Vorjahr. Im Laufe der letzten zwölf Monate wurden sechs Braunkohlekraftwerke mit einer Gesamtkapazität von 2,4 Gigawatt stillgelegt, und das niederländische Kraftwerk Amer wurde auf 100 % Biomasse umgestellt. Die Science Based Targets Initiative (SBTi) bestätigte, dass die Klimaziele von RWE zur Emissionsreduktion mit dem 1,5-Grad-Pfad vereinbar sind.
Die aktualisierten Kapitalallokationspläne bis 2030 berücksichtigen die jüngsten Marktentwicklungen. Einerseits zeigen der Stromsektor in Europa und den USA starke Fundamentaldaten. Die Stromnachfrage wird voraussichtlich deutlich steigen, getrieben durch die allgemeine Elektrifizierung und den Bedarf zusätzlicher Rechenzentren zur Unterstützung der künstlichen Intelligenz. Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien in Kombination mit Batterien und der Absicherung durch Gas soll die notwendige zusätzliche Versorgung sicherstellen. Signifikante Investitionen sind in erneuerbare Energien, Batterien und Gaskraftwerke in allen Kernmärkten erforderlich. Andererseits ist für diese massiven Investitionen ein stabiler und zuverlässiger Investitionsrahmen entscheidend, der derzeit mit höheren Unsicherheiten behaftet ist. Fragen zur Energiepolitik in den USA und geopolitische Spannungen haben potenzielle Auswirkungen auf den internationalen Handel. RWE trägt diesem Umfeld durch einen vorsichtigeren Ansatz, höhere Renditeziele und strengere Investitionskriterien, insbesondere in den USA, Rechnung.
Die aktive Portfolioverwaltung des Offshore-Windgeschäfts ist Teil der optimierten Kapitalallokation. Ziel ist es, die Belastung durch gebundenes Kapital für Projekte im Bau zu reduzieren. RWE verfolgt dabei einen systematischen Ansatz und prüft Projekte in allen drei Phasen (Entwicklung, Bau, Betrieb) hinsichtlich Risiko und Kapitalintensität, um den optimalen Zeitpunkt und Umfang für Farm-downs zu bestimmen.
In der anschließenden Q&A Session wurden viele wichtige Themen behandelt:
Peter Bisztyga (Bank of America) fragte nach dem potenziellen Anteil von RWE an den geplanten 20 Gigawatt CCGT-Kraftwerken in Deutschland, den damit verbundenen Kapitalaufwendungen, der Umsetzungsgeschwindigkeit und den erforderlichen Rahmenbedingungen von der Regierung. Markus Krebber sieht RWE in einer sehr guten Position, um von diesem Vorhaben zu profitieren, insbesondere aufgrund der fortgeschrittenen Planung, guter Standorte und Vorverträge mit Lieferanten. Angesichts eines aktuellen Marktanteils von 20 % könnte dies ein Indikator für das Potenzial sein. Investitionen würden jedoch nur bei sehr attraktiven Renditen getätigt, die aufgrund des geringeren Wettbewerbs erwartet werden. Bezüglich Datenzentren sieht Krebber drei Möglichkeiten: Verkauf von signifikanten PPA-Volumina, Verkauf nicht mehr benötigter Flächen und Nutzung der bestehenden Infrastruktur durch langfristige Vermietung, möglicherweise mit 24/7-Stromversorgung und grünen PPAs. In allen drei Bereichen könnten in diesem Jahr weitere Ankündigungen folgen.
Alberto Gandolfi (Goldman Sachs) thematisierte das EPS-Ziel für 2027 und stellte fest, dass die aktuelle Guidance keine Gewinne aus Asset-Rotationen mehr enthält, die im vorherigen Kapitalmarkttag mit rund 300 Mio. EUR (0,30 EUR EPS) veranschlagt waren. Er fragte nach den Treibern für das Upgrade von 10 % ohne diese Gewinne. Michael Müller bestätigte die Annahme bezüglich der Asset-Rotationen. Markus Krebber ergänzte, dass die höheren Renditeerwartungen und die Flexibilität zwischen Investitionen und Aktienrückkäufen hier eine Rolle spielen. Gandolfi fragte auch nach der Priorisierung von Aktienrückkäufen gegenüber Investitionsmöglichkeiten wie dem deutschen Infrastrukturplan und ob es einen bestimmten Aktienkurs gibt, bei dem Aktienrückkäufe bevorzugt würden. Krebber betonte, dass RWE höhere Renditen für neue Investitionen anstrebt und bei Nichterreichen dieser Renditen Kapital an die Aktionäre zurückführen wird. Es gibt keine konkrete Kursformel, aber der Aktienkurs ist Teil der Überlegungen. Im aktuellen Marktumfeld würde bei vorhandener Flexibilität ab 2026 eher ein weiterer Aktienrückkauf in Betracht gezogen.
Deepa Venkateswaran (Bernstein) fragte nach dem Vertrauen in das Erreichen des EPS-Ziels von 4 EUR für 2030, obwohl die Kapitalausgaben um 8,5 Mrd. EUR niedriger ausfallen als zuvor angekündigt. Michael Müller erklärte, dass höhere Renditeerwartungen, die Balance zwischen Investitionen und Aktienrückkäufen sowie potenzielle Anpassungen der Kostenstruktur hier die entscheidenden Faktoren sind.
Ahmed Farman (Jefferies) bat um eine Aufschlüsselung der 10 Mrd. EUR CapEx-Reduktion nach Brutto-Reduktion und Farm-downs/Verkäufen sowie um eine Einschätzung der erwarteten Erlöse aus Farm-downs/Verkäufen bis 2027. Markus Krebber nannte als Bereiche mit geringeren Investitionen US-Offshore (keine weiteren geplant), Wasserstoff (signifikant reduziert) und US-Onshore (vorläufig keine weiteren). Die geringeren Netto-Offshore-Investitionen sind teilweise auf Farm-downs zurückzuführen, aber auch auf die geringe Bereitschaft, in der aktuellen Situation mehr Merchant-Risiko einzugehen.
Olly Jeffery (Deutsche Bank) fragte, ob RWE auch bei keinen weiteren US-Onshore-Investitionen über 2025/26 hinaus und unter Berücksichtigung potenzieller deutscher Gaskraftwerksinvestitionen und AR7-Investitionen ausreichend Bilanzkapazität für weitere Aktienrückkäufe in der Größenordnung des aktuellen Programms hätte. Markus Krebber verwies auf das Norfolk-Projekt, bei dem ein Farm-down angestrebt wird, um die Netto-Kapitalausgaben zu begrenzen. Die Entscheidung über die Kapitalallokation ab 2026, einschließlich weiterer Aktienrückkäufe, wird später im Jahr oder Anfang nächsten Jahres getroffen, unter Berücksichtigung der Renditeerwartungen und des Aktienkurses.
Harry Wyburd (BNB Paribas Exane) fragte nach den aktuellen Entwicklungen bei den Installationskosten für erneuerbare Energien (Onshore und Offshore Wind) und ob sinkende Kosten die Erfolgsaussichten zukünftiger Auktionen verbessern könnten. Markus Krebber sieht derzeit eine Plateaubildung bei den Kosten und erwartet aufgrund der Verlangsamung des US-Offshore-Windausbaus sogar eine Entspannung in der Lieferkette. Dies wird seiner Meinung nach jedoch nicht automatisch zu einer höheren Bereitschaft der Entwickler führen, mehr Merchant-Risiko einzugehen. Er plädiert für angepasste Fördermodelle, wie inflationsangepasste zweiseitige CfDs mit längeren Laufzeiten, um Investitionen zu ermöglichen und gleichzeitig die Kosten für die Verbraucher zu senken. Wyburd fragte auch nach den Risiken in der Lieferkette für neue Gaskraftwerke. Krebber bestätigte, dass die Lieferzeiten für Gasturbinen derzeit lang sind (ca. 2028), RWE sich aber durch reservierte Produktionsslots für die geplanten Projekte abgesichert hat. Er deutete an, dass dies RWE einen Wettbewerbsvorteil verschaffen könnte.
Rob Pulleyn (Morgan Stanley) vermisste die Erwähnung von Amprion und fragte nach dem Stand des Verkaufsprozesses für den 25,1 %-Anteil sowie ob die potenziellen Erlöse bereits in der heutigen Planung berücksichtigt seien. Markus Krebber bestätigte, dass Optionen für Amprion geprüft werden, um den hohen Kapitalbedarf dort zu lösen, da RWE nicht weiter in das TSO-Geschäft investieren möchte. Ein teilweiser oder vollständiger Verkauf ist möglich, und die potenziellen Erlöse sind noch nicht in den dargestellten Netto-Kapitalausgaben enthalten.
Piotr Dzieciolowski (Citi) fragte nach den Implikationen der höheren Renditeanforderungen für die langfristigen Ziele und ob der niedrigere CapEx-Bedarf Auswirkungen auf die operativen Ausgaben (z.B. Entwicklungskosten) hätte. Michael Müller bestätigte, dass dies alles in den Zahlen berücksichtigt sei und weniger Investitionsmöglichkeiten sich auch auf die Kostenstruktur auswirken würden.
Fazit:
Die RWE hat im Geschäftsjahr 2024 eine starke operative und finanzielle Performance gezeigt und die Erwartungen übertroffen. Für die Zukunft gibt sich das Unternehmen jedoch vorsichtiger, was die Investitionen angeht, und reagiert damit auf die gestiegenen Unsicherheiten im globalen Markt und energiepolitische Risiken, insbesondere in den USA. Die Reduzierung des Investitionsprogramms und der Fokus auf höhere Renditen deuten auf eine diszipliniertere Kapitalallokation hin. Gleichzeitig unterstreicht das Unternehmen sein Engagement für attraktive Aktionärsrenditen durch das laufende Aktienrückkaufprogramm und das Ziel eines kontinuierlichen Dividendenwachstums.
Die Offshore-Windsparte entwickelt sich weiterhin positiv, und RWE setzt auf Farm-down-Partnerschaften, um Kapital zu schonen. Batteriespeicher bleiben ein wichtiger Wachstumsbereich. Insgesamt vermittelt die Konferenz den Eindruck eines Unternehmens, das seine Stärken nutzt, sich aber gleichzeitig den aktuellen Herausforderungen bewusst ist und flexibel darauf reagiert.
