Der Private-Equity-Riese KKR ist bekannt für große Deals, die auch für seine Kunden viel Geld abwerfen sollen. In Italien droht KKR nun über die Probleme des italienischen Telekom-Unternehmens FiberCop zu stolpern. Hat KKR bei der Due Diligence nicht aufgepasst?
Die US-amerikanische Gesellschaft KKR hat mit einem von ihr geführtem Konsortium im vergangenen Jahr die vom Mutterkonzern Telecom Italia ausgegliederte FiberCop für rund 22 Milliarden Euro übernommen. FiberCop betreibt die Festnetze, die von der italienischen Muttergesellschaft abgespalten wurden. Wie die „Financial Times “ berichtet, tut sich in der Bilanz von FiberCop plötzlich eine Lücke von 449 Millionen Euro auf.
Bei einem Investorentreffen am 16. Januar hatte dem Bericht zufolge der Finanzchef von FiberCop erklärt, dass das Ergebnis (Ebitda) im Jahr 2025 um 449 Millionen Euro niedriger ausfallen werde als im ursprünglichen Geschäftsplan von KKR prognostiziert. Das kumulierte Defizit über fünf Jahre würde jetzt auf zwei Milliarden Euro geschätzt.
Dividenden könnten um Milliarden Euro geringer ausfallen
Das Defizit bringt FiberCop in eine prekäre finanzielle Lage: Das Unternehmen ist nun gezwungen, die Dividenden in Milliardenhöhe zu kürzen oder zusätzliche öffentliche Kredite aufzunehmen, was zu einer Herabstufung der Kreditwürdigkeit führen dürfte.
Dem Bericht zufolge seien die überraschenden Zahlen den Investoren als Teil eines Geschäftsplanes vorgelegt worden. Zu den Investoren zählen neben dem staatlichen Vermögensfonds von Abu Dahbi (Adia) und KKR auch der kanadische Pensionsfonds CPP Investments, der italienische Fonds F2i und das italienische Finanzministerium. CPP Investments und Adia, die jeweils 17,5 Prozent an FiberCop halten, zahlen KKR auch eine Managementgebühr.
Die Investoren hätten sich über die schockierenden Nachrichten höchst verärgert gezeigt. Die FT zitiert den Leiter der digitalen Infrastruktur von Adia, Mamoun Jamai, unter Berufung auf einen Anwesenden mit den Worten: „Ich kann nicht glauben, dass nur wenige Monate nach der Zeichnung einer soliden Due-Diligence-Prüfung die Zahlen um 20 Prozent abweichen.“ Andere Investoren erklärten gegenüber der FT, dass es sich bei der Präsentation lediglich um einen „Entwurf“ handele.
Hat KKR bei der Due-Diligence-Prüfung nicht aufgepasst?
FiberCop bemüht sich dem Bericht zufolge jetzt bis zum Monatsende, ein aktualisiertes Budget für das laufende Jahr 2025 zu erstellen, das mit dem ursprünglichen, von den Aktionären genehmigten Geschäftsplan übereinstimmt. Mit einem neuen, umfassenden Geschäftsplan werde aber nicht vor diesem Sommer gerechnet.
FiberCop führt das Defizit laut FT auf eine ganze Reihe von Faktoren zurück: So habe sich die Einführung von Glasfaserkabeln in italienischen Haushalten deutlich verzögert. Auch seien die Einnahmen aus Verbindungsleistungen zurückgegangen und darüber hinaus die Arbeits- und IT-Kosten höher ausgefallen als erwartet.
Im vergangenen Monat war der Vorstandsvorsitzende von FiberCop, Luigi Ferraris, nach einem heftigen Streit mit KKR bei einer Vorstandssitzung zurückgetreten. Um sein Gesicht gegenüber den Investoren zu wahren, hat KKR FiberCop jetzt an die ganz kurze Leine genommen. In einem internen Memo vom 17. Februar, das der FT vorliegt, heißt es, dass alle „operativen Entscheidungen“ zunächst von einem der zwei von KKR unterstützten Führungskräften schriftlich genehmigt werden müssen. Dazu zählt eine Person, die derzeit für KKR in London arbeitet und diesen Monat zu FiberCop wechseln soll.
rei