(Sorry für die Länge des Beitrags, aber ich wusste nicht, wo ich kürzen soll :D )
Bisher hab ich immer nur mitgelesen und mich über viele tolle Aktienvorstellungen gefreut. Ich bin vor zwei Monaten durch einen Handelsblatt Artikel zur Autoindustrie auf Horizon Robotics
$9660 (+8,87 %) gestoßen und da hier noch nicht über den Wert gesprochen wurde, hab ich mir einmal ein Herz gefasst und bin auf eure Einschätzungen gespannt. Der Wert ist definitiv ein Zock, aber ich würde mich freuen, wenn ihr bei der Einordnung helft.
1.Was macht Horizon: Horizon Robotics (gegründet 2015, IPO Ende 2024 in Hongkong) entwickelt hochleistungsfähige, energieeffiziente KI-Chips (die sogenannte "Journey"-Serie) und die passenden Software-Stacks für Fahrassistenzsysteme (ADAS) und autonomes Fahren. Kurz gesagt: Sie bauen das Gehirn für moderne smarte Autos.
- Die Technologie - BPU (Brain Processor Unit): Normale Computerchips (CPUs) sind Allrounder. KI-Aufgaben beim autonomen Fahren – wie das gleichzeitige Verarbeiten von 12 Kamerastreams, Radar- und Lidardaten in Echtzeit – brauchen jedoch extrem spezialisierte Rechenpower. Horizon Robotics hat dafür eine eigene Architektur entwickelt: die BPU (Brain Processing Unit).
- Hardware-Software-Symbiose: Im Gegensatz zu traditionellen Chip-Designern entwickelt Horizon die BPU-Hardware und die autonomen Fahr-Algorithmen parallel. Der Chip ist physisch genau so gebaut, dass er die spezifischen Berechnungen für neuronale Netze und moderne Foundation-Modelle (wie Transformer-Modelle beim End-to-End-Fahren) blitzschnell verarbeitet.
- Effizienz schlägt reine Power: Viele Hersteller werben primär mit astronomischen TOPS-Werten (Tera Operations Per Second). Horizon optimiert seine BPUs (wie die aktuelle Nash- und künftige Riemann-Architektur) jedoch auf die höchste Framerate (verarbeitete Bilder pro Sekunde) bei minimalem Stromverbrauch. Das verhindert, dass die Chips im Auto überhitzen oder zu viel Reichweite des E-Autos fressen.
2.🚀 Die "Journey 6"-Generation: Der Gamechanger
Mit der neuesten Journey 6-Serie hat Horizon Robotics einen massiven technologischen Graben gezogen, der dem Unternehmen auch Marktanteile gegenüber Giganten wie Nvidia sichert.
- Echte SoC-Integration (System-on-a-Chip): Die Journey 6 Serie vereint CPU, GPU (Grafik), MCU (Sicherheit) und die BPU (KI-Beschleuniger) auf einem einzigen, extrem kleinen Stück Silizium. Das reduziert den benötigten Platz auf der Platine um 50 % und macht den Chip quasi zu einer "Plug-and-Play"-Lösung für die Autoindustrie.
- Extreme Skalierbarkeit: Der Journey 6 kommt in verschiedenen Ausbaustufen. Vom kleinen J6B für simple Bremsassistenten im günstigen Einstiegsauto bis zum J6P-Flaggschiff mit massiven 560 TOPS Rechenleistung für hochkomplexes, urbanes autonomes Fahren. Ein Autobauer entwickelt seine Software nur ein einziges Mal und skaliert die Hardware dann je nach Preisklasse des Fahrzeugs.
- Entwicklungszeit halbiert: Durch diese völlig neue Architektur und die dazugehörigen offenen Software-Tools sinkt der F&E-Aufwand für die Autobauer enorm. Die Zeit bis zur Markteinführung eines neuen Autosystems wird laut Unternehmensangaben von bisher üblichen 18 Monaten auf gerade einmal 8 Monate verkürzt.
3.Makro Trend: "ADAS" - Wachstum: Der Markt für Fahrerassistenzsysteme wächst rasant. In China wird für den ADAS-Markt bis 2033 ein jährliches Wachstum (CAGR) von über 12 % prognostiziert, einige globale Schätzungen gehen im Softwarebereich sogar von 15 % bis 17 % aus, weil der Endkunde smarte, lernfähige Autos erwartet. Level 2- und Level 3-Systeme werden derzeit vom Luxus-Feature zum absoluten Standard im Massenmarkt (China ist hier auch in der Breite was die Akzeptanz in der Bevölkerung betrifft schon deutlich weiter als Europa). Hier profitiert Horizon Robotics vom "China Speed": Sie entwickeln und iterieren bedeutend schneller und kostengünstiger als westliche Konkurrenten.
4.Partnerschaften:
Die VW-Roadmap: Volkswagen und die Software-Tochter Cariad haben im Rahmen ihres Joint Ventures Carizon (zusammen mit Horizon Robotics) offiziell angekündigt, Level-2++ Systeme explizit für den breiten Markt zu entwickeln. In offiziellen Mitteilungen bestätigte das Unternehmen, dass diese Systeme die Basis für die massentaugliche Einführung von Level-3-Funktionen bilden.
BYDs Preisstrategie: Auch BYD stattet seine Volumenmodelle in der Preisklasse unter 30.000 Euro mittlerweile serienmäßig mit komplexen ADAS-Paketen (teilweise betrieben durch Horizon-Chips) aus, um im Preiskampf zu bestehen. Die Technologie wird schlichtweg vorausgesetzt, um in China Autos verkaufen zu können.
5. Das Scheitern der „Automated Drive Alliance“ (ADA) zwischen VW & Bosch
Anfang 2022 mit großem Paukenschlag gestartet, sollte die ADA das europäische Gegenstück zu Tesla und Nvidia werden. Tausende Entwickler von Bosch und der VW-Softwaretochter Cariad sollten gemeinsam Level-2- (Fahrassistenz) und Level-3-Systeme (hochautomatisiertes Fahren) für die Massenproduktion entwickeln.
- Warum ist die Allianz gescheitert?
- Kulturelle & strukturelle Blockaden: Zwei träge Tanker (Konzernstrukturen) versuchten, agile Software zu entwickeln. Kompetenzgerangel und unterschiedliche Software-Philosophien bremsten das Projekt massiv aus.
- "China Speed" verpasst: Während Bosch und VW in Europa über Definitionen stritten, zog die chinesische Konkurrenz (BYD, Li Auto, Xiaomi) technologisch uneinholbar davon. VW verlor in China – ihrem wichtigsten Markt – dramatisch den Anschluss bei "Smart EVs".
- Für Horizon Robotics hat das drei fundamentale Auswirkungen:
- Vollreife des "Carizon" Joint Ventures: VW hat die Ressourcen aus dem gescheiterten Bosch-Projekt abgezogen und fokussiert sich voraussichtlich nun auf seine Partnerschaft mit Horizon Robotics (in Asien) im Joint Venture Carizon -> Europa noch unklar, da sie hier Auf der Suche nach neuem Partner sind. Horizon ist damit nicht mehr nur ein "Zulieferer unter vielen", sondern VWs Tech-Gehirn für den asiatischen Markt.
- Bosch muss einkaufen gehen: Bosch, die nun ohne den Großkunden VW für diese spezifische Allianz dastehen, können es sich nicht erlauben, den Anschluss zu verlieren. Bosch schwenkt massiv um und integriert nun die Journey 6-Plattform von Horizon Robotics in ihre eigenen Systeme, um überhaupt noch wettbewerbsfähige Produkte für globale Autobauer anbieten zu können. Horizon gewinnt also auf beiden Seiten.
- Der "Lock-in"-Effekt für westliche OEMs: Das Scheitern der ADA zeigt anderen westlichen Herstellern (wie BMW, Stellantis oder Mercedes), wie riskant und teuer Eigenentwicklungen sind. Horizon Robotics etabliert sich dadurch als die "Plug-and-Play"-Alternative für den globalen Markt.
6.Burggraben
Säule 1: Extreme Wechselkosten (Der Lock-in-Effekt)
Das ist der wahrscheinlich stärkste Burggraben von Horizon. Ein Autohersteller entscheidet sich nicht mal eben beim nächsten Modell für einen anderen Chip-Lieferanten.
- Hardware-Software-Verzahnung: Wenn ein Autobauer (wie BYD oder VW) sein Fahrassistenzsystem auf Basis der Journey-Architektur und der SuperDrive-Software von Horizon entwickelt, wird der gesamte Code, die Sensor-Ausrichtung und die Validierung darauf abgestimmt.
- Wechsel-Barriere: Ein Wechsel zu einem Konkurrenten wie Nvidia oder Mobileye würde Jahre der Neuentwicklung und Hunderte Millionen an F&E-Kosten bedeuten. Wenn ein Autobauer einmal im Horizon-Ökosystem ist, bleibt er in der Regel auch bei der nächsten Fahrzeuggeneration dort.
- Joint Ventures: Durch das Carizon-Joint-Venture mit VW hat sich Horizon sogar direkt in die Firmenstruktur eines OEMs eingekauft. Tiefer kann ein Lock-in-Effekt kaum sein.
Säule 2: Regulatorik und Geopolitik (Der Lokale Schutzschild)
Normalerweise ist Geopolitik ein Risiko, aber im chinesischen Markt ist es für Horizon ein gewaltiger Burggraben.
- Daten-Souveränität: Moderne Autos sammeln Terabytes an Videodaten. Die chinesische Regierung erlaubt es kaum noch, dass diese hochsensiblen geografischen Daten von ausländischen Firmen verarbeitet oder gar außer Landes gebracht werden.
- Zwang zur Lokalität: Westliche Hersteller (wie VW, BMW, Audi) müssen zwingend mit lokalen Playern wie Horizon zusammenarbeiten, um ihre Autos in China überhaupt mit modernem ADAS auf die Straße zu bringen. Horizon profitiert als eine Art "Mautstelle" für westliche Autobauer im asiatischen Markt.
Säule 3: Algorithmus-Hardware-Symbiose & Daten-Flywheel
Im Bereich des maschinellen Lernens gilt: Wer die meisten realen Daten hat, gewinnt.
- Das Daten-Flywheel: Da Horizon einen Marktanteil von fast 48 % bei heimischen Marken hat, fahren Millionen Autos mit ihren Chips herum. Diese sammeln reale Fahrdaten, die Algorithmen werden besser, das System wird sicherer, was wiederum mehr Autobauer anzieht. Ein klassischer Netzwerkeffekt.
- Co-Optimierung: Weil Horizon nicht nur den Chip (BPU), sondern auch die Software (Algorithmen) selbst entwickelt, können sie beide Komponenten perfekt aufeinander abstimmen. Das führt zu einer extremen Energieeffizienz, die klassische "Allzweck-KI-Chips" oft nicht erreichen.
⚠️ Risiken:
Der Burggraben wird auch angegriffen:
- Die "In-House"-Gefahr: Das größte Risiko ist, dass riesige Volumenhersteller wie BYD irgendwann sagen: "Wir sind groß genug, wir entwickeln unsere Chips jetzt selbst." Tesla hat es vorgemacht. Obwohl BYD den eigenen Chip-Release zuletzt verschoben hat, bleibt das ein Damoklesschwert.
- Nvidias Übermacht im High-End: Während Horizon den Massenmarkt dominiert, ist Nvidia (z. B. mit dem Thor-Chip) im absoluten Luxus- und Robotaxi-Segment immer noch der Goldstandard. Horizon muss beweisen, dass sie technologisch auch in der absoluten Spitzenklasse dauerhaft mithalten können.
- China: Muss ich nicht weiter erläutern I guess?
7.Finanz-Check
Hier zeigt sich die geteilte Realität von Horizon Robotics: Beim Wachstum wird geliefert, bei der Profitabilität wird Geld verbrannt.
IST-Wert (FY/25) vs Analysten-Schätzung
Umsatz
3,76 Mrd. RMB vs. ~3,65 Mrd. RMB (+3,0 % 🟢)
Bruttomarge
64,5 % vs. 62,0 % (+2,5 % 🟢)
EPS (Verlust pro Aktie)
-0,81 RMB vs -0,37 RMB (-118 % 🔴)
Nettoverlust (Gesamt)
-10,47 Mrd. RMB 🔴
Kurze Einordnung: Während Horizon Robotics beim Umsatz (starkes Plus von knapp 58 % im Jahresvergleich) und der Bruttomarge (64,5 % ist für den Automotive-Sektor überragend) absolut überliefert, hat der immense Cashburn den Markt auf dem falschen Fuß erwischt. Der Verlust pro Aktie (EPS) verfehlte die Erwartungen der Analysten um beachtliche 118 %, da die Forschungs- und Entwicklungskosten (R&D) für die neuesten Chip-Generationen massiv gestiegen sind. Genau dieser krasse "Miss" beim EPS ist der Hauptgrund für die schwache Kursentwicklung im laufenden Jahr, aber vllt auch die Chance?
Was sagt ihr?
@Tenbagger2024
@Multibagger
@Raketentoni
@EpsEra
@Get_Rich_or_Die_Tryin

