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„7 Jahre warten auf die Steckdose? Die heimlichen Gewinner des „Grid Bypassing““

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Liebe Community,


nachdem seit meiner letzten Analyse zu den „Stromautobahnen“ und der Netzinfrastruktur nun eine Weile vergangen ist, wird es Zeit für eine Fortsetzung. Wir haben uns in den letzten Beiträgen systematisch durch die physikalische Kette des KI-Booms gearbeitet: Von der Ressource (Wasser) zu der Erzeugung (Nuklear/SMR) über Geothermie bis hin zur Verteilung (HVDC-Kabel).


Doch die Realität schlägt im Jahr 2026 weiterhin und unerbittlich zu. Während die Tech-Giganten immer neue, gigantische KI-Modelle ankündigen, stoßen wir in der echten Welt an eine betonharte Wand. Das Problem ist nicht mehr nur, den Strom über weite Strecken zu transportieren – das Problem ist, dass die öffentlichen Stromnetze schlichtweg voll sind. In vielen Regionen betragen die Wartezeiten für einen High-Power-Netzanschluss mittlerweile mehrere Jahre.


Ein Big-Tech-Konzern wartet aber nicht sieben Jahre auf eine Steckdose. Die Konsequenz? Ein radikaler Trend zum „Grid Bypassing“ und zu autarken Microgrids. Rechenzentren werden zunehmend zu eigenen, netzunabhängigen Kraftwerken direkt vor Ort. Und genau hier entsteht abseits der medialen Scheinwerfer ein völlig neuer, brutaler Wachstumsmarkt.


Die Unternehmen, die ich euch heute vorstellen möchte, wachsen im Schatten des KI-Hypes und liefern genau die Hardware, ohne die im Rechenzentrum sprichwörtlich das Licht ausgeht oder die Chips schmelzen:


1. Powell Industries ($POWL (+4,63 %))


Das Nervensystem für die Stromverteilung


Während Firmen wie Eaton gigantische Transformatoren bauen, liefert Powell Industries die maßgeschneiderten, hochkomplexen Schaltanlagen, Steuerungssysteme und modularen „Power Houses“, die den Strom in Schwerindustrien und eben massiven KI-Rechenzentren überhaupt erst sicher verteilen.


  • Geschäftsmodell & Fundament: Powell konzipiert, baut und wartet maßgeschneiderte Systeme für das komplette Energiemanagement. Sie sorgen dafür, dass die gewaltigen, unregelmäßigen Energieflüsse in Industrie- und Versorgungsanlagen präzise überwacht, gesteuert und vor Netzausfällen geschützt werden.


  • Produkte & Leistungen: Die Produktpalette reicht von Mittel- und Niederspannungs-Schaltanlagen über integrierte Steuerungssysteme bis hin zu schlüsselfertigen, modularen Kraftwerk-Containern (Power Control Rooms und E-Houses). Ergänzt wird das durch den hochmargigen After-Sales-Bereich mit Installation, Inbetriebnahme und weltweiten Feldservices.


  • Märkte & Vertrieb: Historisch tief verwurzelt im klassischen Industriesektor (Öl & Gas, Petrochemie, Bergbau und Schwerindustrie), rollt Powell das Geschäft nun aggressiv über Projekt-Engineering und Direktvertrieb im Bereich der erneuerbaren Energien und High-Tech-Infrastruktur aus.


  • Der Growth-Treiber: Wenn Tech-Konzerne eigene Mini-Kraftwerke (Microgrids) bauen, um unabhängig vom instabilen Stromnetz zu sein, benötigt jedes einzelne dieser Projekte die maßgeschneiderte Infrastruktur von Powell.


  • Die Zahlen sprechen für sich: Powell erlebt gerade eine historische Sonderkonjunktur. Die Auftragsbücher (Backlog) sind prall gefüllt, und die Gewinne steigen, weil die Margen bei maßgeschneiderten KI-Infrastrukturen extrem hoch sind.


  • Chancen & Marktpotenzial: Powell ist als Spezialist für maßgeschneiderte Schalttechnik an der Schnittstelle von drei Megatrends: Dem Bau autarker Rechenzentren, der globalen Netzmodernisierung und der fortschreitenden Dekarbonisierung der Industrie. Durch strategische Zukäufe in den Bereichen Automatisierung und SCADA-Systeme (intelligente Überwachungs-Software) wandelt sich Powell zudem vom reinen Hardware-Lieferanten zum margenstarken Systemanbieter. Der monumentale Auftragsbestand sichert das Wachstum auf Jahre hinaus ab.


  • Risiken & Stolpersteine: Das Geschäftsmodell ist stark projektbasiert – Phasen von Investitionsstopps der Tech-Giganten können daher zu einer spürbaren Auftragszyklik führen. Zudem reagiert die Marge empfindlich auf Engpässe in der Lieferkette oder volatile Rohstoffpreise (wie Kupfer und Stahl). Der intensive Wettbewerb im Tech-Infrastruktur-Sektor erfordert permanenten Innovationsdruck. Auf operativer Ebene gilt es zudem, wetterbedingte Produktionsausfälle an den Hauptstandorten sowie die allgegenwärtige Gefahr von Cyber-Angriffen auf die Steuerungssysteme im Auge zu behalten.


2. Bloom Energy ($BE (+7,45 %))


Stromerzeugung direkt vor Ort (Behind-the-Meter)


Bloom Energy stellt sogenannte Festoxid-Brennstoffzellen (Solid Oxide Fuel Cells) her. Das Besondere: Sie erzeugen hocheffizienten Strom durch einen elektrochemischen Prozess – ganz ohne Verbrennung. Sie können mit Erdgas, Biogas oder reinem Wasserstoff betrieben werden.


  • Produkt & Technologie: Das technologische Prunkstück von Bloom sind stationäre Festoxid-Brennstoffzellensysteme für die dezentrale Stromerzeugung. Diese Module wandeln flexibel verschiedene Energieträger hocheffizient in Elektrizität um, sind unkompliziert modular skalierbar und kompromisslos für den kontinuierlichen Grundlast-Betrieb (24/7) ausgelegt.


  • Das Geschäftsmodell: Die Erlöse speisen sich aus einer cleveren Mischung: Dem direkten Verkauf von Systemen und Modulen kombiniert mit planbaren, wiederkehrenden Einnahmen aus Energy-as-a-Service-Verträgen, langfristigem Betriebsmanagement und Wartung. Die gesamte Projektentwicklung, von der Installation bis zur cloudbasierten Energiemanagement-Software, kommt dabei aus einer Hand. Zu den Kunden zählen globale Unternehmen, Versorger und zunehmend die größten Rechenzentrumsbetreiber der Welt.


  • Marktposition & Strategie: Bloom punktet im aktuellen Marktumfeld bei drei Kernkriterien: Radikale Emissionsreduktion, absolute Versorgungssicherheit abseits des Netzes und extreme Brennstoffflexibilität (die Systeme laufen heute mit Erdgas, sind aber voll einsatzbereit für Biogas oder reinen grünen Wasserstoff). Das Fundament für den langfristigen Erfolg ist die starke Symbiose aus margenstarken Hardwareverkäufen und jahrzehntelangen Service- und Liefervereinbarungen.


  • Der Growth-Treiber: Tech-Giganten können nicht mehr Jahre warten, bis lokale Energieversorger neue Stromleitungen zu ihren Rechenzentren legen. Bloom Energy liefert die Lösung für autonome Energie direkt auf dem Gelände. Oracle hat ein gigantisches KI-Rechenzentrum im US-Bundesstaat New Mexico angekündigt, das von einem massiven 2,45-Gigawatt-Brennstoffzellen-Microgrid von Bloom Energy angetrieben werden soll. Auch der Energieversorger AEP hat Verträge über bis zu 1 Gigawatt Kapazität mit Bloom geschlossen.


  • Wachstumspotenzial: Nachdem das Unternehmen jahrelang als unprofitabler Clean-Tech-Wert galt, katapultiert der KI-Strombedarf Bloom Energy nun in eine wesentlich höhere Liga des kommerziellen Wachstums.


  • Chancen & Marktpotenzial: Das Ass im Ärmel von Bloom ist ihre marktführende SOFC-Technologie, die sowohl mit Erdgas als auch mit Wasserstoff läuft und durch Kraft-Wärme-Kopplung (CHP-Nutzung) herausragende Gesamteffizienzgrade erreicht. Das zieht die massive Nachfrage von datenintensiven Rechenzentren und der Industrie magisch an. Mit den jüngst vermeldeten, massiven Umsatz- und Margenverbesserungen im Rücken, flankiert von neuen Elektrolyseur-Initiativen und globalen Giganten-Partnerschaften, besitzt das Unternehmen ein explosives Wachstumspotenzial.


  • Risiken & Stolpersteine: Eine historisch hohe Kursvolatilität und wiederkehrende Warnungen von Analysten zeigen, dass die Erwartungshaltung und die Bewertung der Aktie extrem sportlich sind. Zudem beruht die Story auf der erfolgreichen Skalierung der Produktion und einem konstanten Auftragsfluss. Eine hohe Abhängigkeit von politischen Fördermaßnahmen, volatile Gaspreise sowie der aufkommende Wettbewerb im Bereich dezentraler Energielösungen können die Ertrags- und Kursentwicklung zeitweise massiv belasten.


3. Modine Manufacturing ($MOD (+0,41 %))


Der unterschätzte Kühlungs-Spezialist


Häufig spricht man über Vertiv, wenn es um die Kühlung von Rechenzentren geht. Doch Modine Manufacturing ist die klassische Turnaround- und Growth-Perle, die man oft übersieht. Ursprünglich als Automobilzulieferer für Wärmetauscher bekannt, hat sich das Unternehmen radikal transformiert und fokussiert sich mit seiner Sparte „Modine Data Center“ voll auf die thermische Verwaltung von Serverfarmen.


  • Kerngeschäft & Technologie: Modine ist ein globaler Spezialist für hochkomplexes thermisches Management. Das Unternehmen entwickelt, fertigt und vertreibt fortschrittliche Wärmeübertrager, Kühler, Heiz- und Klimakomponenten sowie maßgeschneiderte Kühlkonzepte für die Elektronik- und Prozessindustrie.


  • Das Geschäftsmodell: Modine bedient sowohl Erstausrüster (OEMs) als auch den Aftermarket mit einer Mischung aus hochpräzisen Serienprodukten und modularen Systemlösungen. Der Hebel liegt in der Kombination aus kundenspezifischer Entwicklung, tiefen Engineering-Services und globaler Fertigungs- sowie Logistikunterstützung. Die Erlöse generieren sich primär aus hocheffizienten Produktverkäufen, langfristigen Serviceverträgen und gemeinsamen Entwicklungsprojekten.


  • Nutzenversprechen & Strategie: Das Kernversprechen im Zeitalter der Dekarbonisierung lautet: Maximale Energieeffizienz bei gleichzeitiger Gewichts- und Emissionsreduktion. Durch enge technische Kooperationen integriert Modine seine Systeme direkt in die Infrastruktur der Kunden. Strategisch fokussiert sich das Management radikal auf margenstarke Wachstumsmärkte wie moderne Gebäudetechnik und die thermische Beherrschung von Rechenzentren.


  • Der Growth-Treiber: Modine baut hocheffiziente Luft- und Flüssigkeitskühlsysteme (Liquid Cooling). Da die neuen KI-Chips (wie Nvidias Blackwell-Architektur) mit reiner Luftkühlung nicht mehr zu bändigen sind, ist der Markt für Flüssigkeitskühlung ein absoluter Wachstumsgarant.


  • Die Nische: Während Vertiv die ganz großen Standard-Hyperscale-Verträge dominiert, sichert sich Modine extrem margenstarke Verträge im Bereich des Colocation-Marktes (Rechenzentren, die von Dritten gemietet werden) und bei maßgeschneiderten industriellen Kühlanlagen.


  • Chancen & Marktpotenzial: Mit einem extrem breiten Produktportfolio im Bereich der Datenzentrumskühlung und innovativen Wärmetauschlösungen schlägt Modine die Brücke zum absoluten Megatrend der Tech-Infrastruktur. Durch gezielte Zukäufe und aggressive Kapazitätserweiterungen im Bereich der Flüssigkeitskühlung positioniert sich das Unternehmen als internationaler Schlüsselspieler, um den explodierenden Bedarf an energieeffizienten Kühlsystemen abzugreifen.


  • Risiken & Stolpersteine: Auf der Kehrseite steht eine historisch gewachsene, hohe Kundenkonzentration und die klassische Zyklik des Automotive- und Industriesektors. Die schnellen Kapazitätserweiterungen bergen gewisse Ausführungsrisiken. Zudem können volatile Rohstoffkosten, Engpässe in den Lieferketten und regulatorische Hürden – wie die weltweite technologische Umstellung auf umweltfreundlichere, neue Kältemittel – die operativen Margen und den Cashflow kurzfristig belasten.


4. Hammond Power Solutions ($HPS.A (+3,27 %))


Der unscheinbare Flaschenhals-Bezwinger


Wenn Rechenzentren gebaut werden, ist Strom der absolute Flaschenhals. Hammond ist ein kanadischer Spezialist für Trockentransformatoren und Power-Quality-Systeme. Ohne diese Geräte kann der Strom aus dem Netz oder den On-Site-Generatoren nicht für sensible KI-Server nutzbar gemacht werden.


  • Geschäftsmodell & Technologie: Hammond fokussiert sich auf die Entwicklung und Fertigung von hochbelastbaren Trockentransformatoren. Diese sind im Gegensatz zu ölgefüllten Transformatoren wartungsarm, brandsicher und prädestiniert für den direkten Einbau in oder an kritischen Gebäudestrukturen.


  • Der Data-Center-Faktor: Rechenzentren benötigen maßgeschneiderte, extrem verlässliche Spannungswandlung. Hammond meldete im Q1 einen Sprung beim Auftragsbestand von +94,6 % im Vergleich zum Vorjahr – angetrieben fast ausschließlich durch weltweite Data-Center-Projekte.


  • Finanzielle Substanz: Im Q1 sprang der Umsatz um 31,5 % auf ein neues Rekordhoch. Der bereinigte Gewinn je Aktie (EPS) stieg um knapp 30 % auf 2,08 CAD. Das Unternehmen wächst hochprofitabel und investiert massiv in Kapazitätserweiterungen (u.a. in Mexiko), um der Nachfrage hinterherzukommen.


  • Chancen & Marktpotenzial: Durch den globalen Boom bei der Errichtung autarker Energienetze (Microgrids) und die schiere Masse an Rechenzentren-Ausschreibungen besitzt Hammond eine exzellente Preismacht. Da Transformatoren lange Lieferzeiten haben, sichert der enorme Auftragsbestand die Auslastung und die Profitabilität weit über das aktuelle Jahr hinaus ab.


  • Risiken & Stolpersteine: Das Unternehmen hängt stark von den Rohstoffpreisen für Kupfer und Elektrobandstahl ab. Sollte sich der globale Ausbau von Rechenzentren durch makroökonomische Schocks temporär abkühlen, würde dies die zyklische Nachfrage dämpfen. Zudem besteht ein logistisches Risiko durch die starke Konzentration der erweiterten Fertigungskapazitäten in Mexiko.


5. Sterling Infrastructure ($STRL (+9,19 %))


Vom Fundament zur schlüsselfertigen Tech-Infrastruktur


Sterling hat sich in den letzten zwei Jahren extrem erfolgreich von einem klassischen Tief- und Straßenbauer zu einem gefragten Spezialisten für die Infrastruktur von Tech-Giganten gewandelt. Ihr Segment "E-Infrastructure Solutions" macht mittlerweile über 60 % des Geschäfts aus.


  • Kerngeschäft & Fundament: Sterling agiert als breit aufgestellter Infrastruktur- und Baukonzern. Das traditionelle Fundament umfasst anspruchsvolle Tiefbau- und Verkehrsprojekte, den Brücken-, Flughafen- und Straßenbau sowie komplexe Wasser- und Entwässerungsanlagen. Ergänzt wird dies durch schlüsselfertige Systemlösungen für den Gewerbe- und Wohnungsbau.


  • Wachstumsfokus & Transformation: Das Unternehmen steuert sein Portfolio radikal in Richtung Zukunft: Der klare Fokus liegt auf dem Segment E-Infrastructure (speziell optimiert für Mega-Rechenzentren und industrielle High-Tech-Versorgung) sowie spezialisierten technischen Dienstleistungen. Durch gezielte, strategische Akquisitionen bricht Sterling gezielt in hochmargige und extrem wachstumsstarke Märkte auf.


  • Geschäftsmodell-Logik: Die finanzielle Strategie ist clever durchdacht: Sterling nutzt die stabilen, cashgenerierenden Erlöse aus klassischen Verkehrs- und Infrastrukturaufträgen als internen Motor, um die Expansion in den rasant wachsenden Tech-Segmenten zu finanzieren. Durch dezentralisierte, hocheffiziente operative Einheiten kombiniert der Konzern schnelle Skalierung und steigende Margen mit einer prall gefüllten, wiederkehrenden Projektpipeline.


  • Der Data-Center-Faktor: Sterling übernimmt die komplette Erschließung, das Fundament (Civil Construction) und – durch die wichtige Übernahme der CEC Facilities Group – auch die hochkomplexe elektrische und mechanische Ausrüstung moderner Hyperscale-Rechenzentren.


  • Finanzielle Substanz: Das E-Infrastructure-Segment verzeichnete zuletzt ein Umsatzplus von 123 % im Jahresvergleich. Mit einem Signed Backlog von rund 3 Mrd. USD und einer gesamten Projektvisibilität von nahezu 4,5 Mrd. USD verfügt Sterling über eine außergewöhnlich starke Grundlage für weiteres Wachstum. Besonders beeindruckend sind die operativen Margen des Segments, die sich stabil im Bereich von rund 25 % bewegen.


  • Chancen & Marktpotenzial: Der radikale Fokus auf das E-Infrastructure-Segment erweist sich als massiver Wachstumskatalysator. Sterling reitet hier nicht nur auf der Rechenzentrums-Welle, sondern profitiert auch direkt vom globalen Trend des industriellen Onshorings (Rückverlagerung von Produktion). Der unaufhaltsam wachsende Auftragsbestand und extrem zielgerichtete Zukäufe zementieren eine hervorragende Marktposition. Die stark anziehenden Margen und eine grundsolide Cash-Generierung verschaffen dem Management maximalen finanziellen Spielraum für weiteres organisches Wachstum und strategische Übernahmen.


  • Risiken & Stolpersteine: Wo viel gebaut wird, lauern auch Risiken: Komplexe Großprojekte bergen stets unvorhersehbare Ausführungs- und Kostenrisiken, die auf der Marge lasten können. Zudem ist das Unternehmen durch seine verbliebenen traditionellen Sparten weiterhin anfällig für die Zyklizität des Bau- und Wohnungsmarktes. Der harte Wettbewerb bei Ausschreibungen, potenzielle Integrationsprobleme nach Firmenübernahmen sowie eine inhärente Abhängigkeit von staatlichen Fördergeldern und privaten Investitionsprogrammen verlangen von Anlegern ein wachsames Auge.


6. Preformed Line Products ($PLPC (+5,09 %))


Die physische Verbindung zum Rest der Welt


Ein extrem solides, oft übersehenes Industrieunternehmen, das die physische Verbindungskomponente für die Energie- und Kommunikationsnetze liefert. Sie stellen Kabelhalterungen, Spleißgehäuse und Schutzarmaturen her.


  • Geschäftsmodell & Infrastruktur: PLP stellt unverzichtbare Nischenprodukte her: Hochfeste Halterungen, Dämpfungssysteme und Spleißgehäuse, die Kabelnetze vor mechanischen Belastungen, Stürmen und Verschleiß schützen. Sie sorgen dafür, dass die physische Verbindung von Daten- und Stromleitungen stabil bleibt.


  • Der Data-Center-Faktor: Jedes Rechenzentrum benötigt gigantische Mengen an Glasfaser- und Stromanbindungen nach außen. PLP liefert die kritische Infrastruktur, um diese Netze sturmfest, sicher und hochperformant mit den Rechenzentren und den neuen, dezentralen Energiequellen zu verbinden.


  • Finanzielle Substanz: Im frisch gemeldeten Q1 stieg der Umsatz um 19 % auf 176,3 Mio. USD. Das US-Geschäft legte sogar um 26 % zu – angetrieben durch den Ausbau von Energie- und Kommunikationsnetzen. Mit einem Gewinn je Aktie von 2,14 USD demonstriert PLP eindrucksvoll, wie profitabel die oft übersehenen Infrastruktur-Zulieferer vom Investitionszyklus rund um Elektrifizierung, Netzausbau und Rechenzentren profitieren können.


  • Chancen & Marktpotenzial: Da der weltweite Netzausbau sowie die Errichtung privater Microgrids massiv vorangetrieben werden müssen, ist die Nachfrage nach den Verbindungselementen von PLP deutlich weniger konjunktursensibel als viele klassische Industrieunternehmen. Die extrem starke Marktposition bei Energieversorgern und Telekommunikationsriesen sichert dem Unternehmen langfristig verlässliche und hochprofitable Cashflows.


  • Risiken & Stolpersteine: Auch PLP ist stark von den Materialkosten für Aluminium, Stahl und Kunststoffe abhängig. Zudem agiert das Unternehmen in einem stark fragmentierten Markt, was bedeutet, dass lokale Nachfrageschwankungen im Telekommunikationssektor (z.B. Verzögerungen beim Glasfaserausbau) das kurzfristige Wachstum in einzelnen Quartalen bremsen können.



Meine persönlichen Favoriten

Wenn ich mich heute auf zwei Werte aus dieser Liste festlegen müsste, wären es eindeutig Sterling Infrastructure und Powell Industries.


Sterling Infrastructure ($STRL (+9,19 %)) gefällt mir, da das Unternehmen den Wandel vom klassischen Infrastruktur-Dienstleister zum Profiteur des Hyperscaler- und Rechenzentrumsbooms bereits erfolgreich vollzogen hat. Das E-Infrastructure-Segment ist inzwischen der wichtigste Wachstumstreiber und verbindet solide Wachstumsraten mit bemerkenswert starken Margen für diesen Sektor. Besonders attraktiv finde ich, dass Sterling nicht auf den Erfolg eines einzelnen KI-Unternehmens angewiesen ist – sie verdienen am physischen Fundament, das unabhängig vom jeweiligen Gewinner der KI-Revolution benötigt wird.


Powell Industries ($POWL (+4,63 %)) ist für mich ein absoluter Schlüsselspieler im gesamten KI-Infrastruktur-Komplex, der abseits der großen Schlagzeilen oft noch zu wenig Aufmerksamkeit für seine kritische Rolle bekommt. Während Anleger primär über Nvidia, Broadcom oder Stromerzeuger diskutieren, liefert Powell die kritische Schaltanlagen- und Mittelspannungsinfrastruktur, ohne die keine einzige neue Anlage sicher ans Netz gehen kann. Die Auftragsbücher sind prall gefüllt und die zunehmenden Engpässe im Stromnetz sprechen langfristig für eine anhaltend hohe Nachfrage. Für mich ist Powell daher ein klassischer „Pick-and-Shovel“-Wert: Unspektakulär auf den ersten Blick, aber unverzichtbar für die Elektrifizierung.


Beide Unternehmen profitieren vom gleichen Megatrend – dem explosionsartigen Bedarf an Strom- und Rechenzentrumsinfrastruktur. Während Sterling als verlässlicher Partner bei der großflächigen Projektentwicklung der Hyperscaler glänzt, überzeugt Powell mit einer enormen Preissetzungsmacht in einem kritischen Nischenmarkt. Genau diese Kombination macht die beiden Titel für mich aktuell besonders spannend.


Kurzes strategisches Fazit: Die Skalierung von KI scheitert im Jahr 2026 nicht am fehlenden Willen von Big Tech, sondern an den physikalischen Grenzen unserer Infrastruktur (darüber diskutieren wir hier durchweg). Wer sich vom maroden öffentlichen Netz abkoppelt, gewinnt das Rennen um die Rechenleistung. Die Perlen der zweiten und dritten Reihe sitzen hier direkt an der Quelle des Kapitals, da die Hyperscaler bereit sind, jeden Preis für schnelle Verfügbarkeit zu zahlen.


Mich interessiert nun eure Einschätzung zu dieser Dynamik: Macht der Trend zu autarker Infrastruktur diese klassischen Industrie-Perlen im Moment zu den eigentlich „sichereren“ Growth-Wetten als die extrem hoch bewerteten Software- und KI-Modellanbieter und wo seht ihr das größte Klumpenrisiko bei diesen Werten? Sind es eher die volatilen Rohstoffpreise für Kupfer und Stahl, die auf die Margen drücken könnten, oder seht ihr die größere Gefahr darin, dass Big Tech bei einer Konjunkturabkühlung die milliardenschweren Projekt-Pipelines sofort einfriert?


Viele Grüße ✌🏼


Anderlé

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2 Kommentare

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Ich seh' das ähnlich. Für mich liegt das größte Risiko derzeit tatsächlich weniger bei Kupfer- oder Stahlpreisen, sondern in der Investitionsbereitschaft der Hyperscaler.

Der Unterschied ist allerdings: Wenn die Nachfrage nach KI-Infrastruktur strukturell anhält, lassen sich verschobene Projekte oft nur aufschieben, nicht dauerhaft streichen. Der physische Bedarf verschwindet nicht einfach.

Gerade deshalb finde ich Unternehmen wie Powell oder Sterling spannend. Sie sitzen nicht am Ende der Wertschöpfungskette, wo sich die Gewinner ständig ändern können, sondern an Engpässen der physischen Infrastruktur. Nach denen suche ich konsequent über Digital AI, Physical AI, Space und Defense hinweg.

Ob am Ende OpenAI, Meta, Amazon oder ein ganz anderer Player das Rennen macht, ist für die Schaltanlage, den Transformator oder das Fundament des Rechenzentrums oft zweitrangig. Irgendjemand muss die Infrastruktur trotzdem bauen.

Das macht diese Werte für mich nicht risikolos, aber in gewisser Weise berechenbarer als viele der hoch bewerteten KI-Software-Storys.
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@ScaleLimits Danke für deine Einschätzung ✌🏼
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