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Ersteinstieg Wolter Kluwer

Ich eröffne heute eine erste Position in Wolters Kluwer, weil der Markt hier einen fundamentalen Fehler macht. Das Unternehmen notiert 61 % unter dem Jahreshoch – nicht wegen einer operativen Verschlechterung, sondern weil ein KI-Panik-Abverkauf einen 190 Jahre alten Compounder getroffen hat, der €6,1 Mrd. Umsatz mit 83 % Recurring Revenue, einem ROIC von 26 % und einer FCF Yield von ~10 % erwirtschaftet.


Das Management kauft selbst zu €64 zurück – im Rahmen eines €500 Mio. Buyback-Programms – und sendet damit das klarste Signal, das ein Vorstand senden kann: die Aktie ist zu billig.


Mein Einstieg mit 50 % des Budgets ist bewusst kein Alles-oder-nichts-Entscheid. Ich rechne damit, dass AI-Headlines kurzfristig weiteren Druck erzeugen können, und halte deshalb zwei weitere Tranchen zurück.


Fällt der Kurs auf ~€59 – nahe dem 52-Wochen-Tief und dem Morningstar 5-Sterne-Preis von €57 – stocke ich mit weiteren 33 % des Budgets auf.


Eine dritte, kleinere Tranche mit den verbleibenden ~17 % setze ich entweder bei einem weiteren Rücksetzer unter €55 ein oder nutze sie im August nach den H1-Zahlen als Momentum-Aufstockung, wenn die Guidance bestätigt wird.


Für meine Gewinne habe ich drei konkrete Stufen definiert. Bei €90 verkaufe ich 25 % meiner Position – das entspricht der ersten Kurserholung, deckt einen Teil meiner Kosten und nimmt Druck aus der Position. Bei €112, dem Analyst-Konsens-Kursziel, veräußere ich weitere 40 % – das ist das wahrscheinlichste Kursniveau auf Sicht von 12–24 Monaten und entspricht einer Rendite von ~83 % auf meinen Durchschnittseinstand von ~€61,50.


Den verbleibenden Rest halte ich als Langfristposition offen, solange das Geschäftsmodell intakt ist.


Meine drei Szenarien mit klaren Zahlen: Im bullishen Fall – Wahrscheinlichkeit 35 % – beschleunigt Wolters Kluwer den Cloud-Übergang, KI erweist sich als Tailwind für neue Produkte, und der Kurs läuft bis 2028 auf ~€170, was einem Plus von rund 165 % entspricht.


Im neutralen Fall – Wahrscheinlichkeit 45 % – läuft das Geschäft wie bisher weiter, organisches Wachstum bleibt bei 5–6 %, und der Kurs normalisiert sich auf ~€105, was einem Plus von rund 64 % entspricht.


Im bärischen Fall – Wahrscheinlichkeit 20 % – setzt struktureller KI-Druck auf Legal- und Health-Segmente ein, Margen geraten unter Druck, und der Kurs fällt auf ~€57, was einem Minus von rund 11 % entspricht.

Der gewichtete Erwartungswert über alle drei Szenarien liegt bei ~€118, also rund 84 % über dem heutigen Einstiegskurs.


Mein Hard Stop-Loss liegt bei €52 – dort wird die Position automatisch geschlossen, da ein Bruch dieses Niveaus auf eine fundamentale, nicht nur sentiment-getriebene Verschlechterung hindeuten würde.​​​​​​​​​​​​​​​​

26.03
Wolters Kluwer logo
Gekauft bei 63,92 €
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8 Kommentare

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Hallo @Liebesspieler $WKL habe ich auch auf der Watch. Aber was mich hier abschreckt und mich im Gegenzug zu Titeln wie $NOW und $CRM hin zieht, ist folgendes: Wolters Kluwer hat ein breites Produktportfolio, aber so wie ich es verstehe (und kann sein ich verstehe es falsch, weil ich nicht tief drin bin) sind sie nicht mit den proprietären Daten der Unternehmen/Kunden verknüpft. Und das macht es für mich dann tatsächlich ersetzbarer und durch KI viel gefährdeter, als es die oben genannten Softwareunternehmen sind.

Wen hindert es denn, eine Steuersoftware (mein einziger Berührungspunkt mit WKL) mit KI zu schreiben und zu vermarkten? Oder irgendwelche Fachportale aufzubauen? Wenn das jemand will, dann kann er das doch mit Claude und wie sie alle heißen jederzeit zum Bruchteil der Kosten tun? Daher fühle ich den Abverkauf hier eher, also bei tief im Unternehmen vernetzten und verankerten Softwaretiteln.

Ich nehme an du siehst das anders, sonst hättest du nicht investiert. Daher würde mich deine Meinung hierzu sehr interessieren. Denn rein von den Zahlen betrachtet sieht das nach einem sinnvollen Investment aus.
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@Keineui bitte entschuldige die späte Antwort.

Das ist ein fairer Punkt und ich habe ihn mir beim Einstieg auch gestellt. Der entscheidende Unterschied liegt für mich im Wort “verankert”. Wolters Kluwer liefert keine generische Steuersoftware, sondern spezialisierte Compliance-Workflows, die tief in die Prozesse von Kanzleien, Steuerberatern und juristischen Abteilungen eingebettet sind. Der Wechsel kostet nicht nur Geld, sondern vor allem Zeit, Nerven und institutionelles Vertrauen. Das ist strukturell ein anderes Geschäft als ein Tool, das jemand mit Claude nachbaut.
Das KI-Risiko sehe ich eher als Chance für WKL als als Bedrohung. Sie haben die Daten, die regulatorische Glaubwürdigkeit und die Kundenbeziehungen, um KI sinnvoll zu integrieren. Ein Newcomer hat davon nichts. Genau das ist der Unterschied zwischen einem Moat aus Daten und Vertrauen und einem Moat aus reiner Funktionalität.

Ob ich am Ende recht habe, wird die Zeit zeigen. Aber genau deshalb kaufe ich in Tranchen und nicht auf einmal
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Sadly management bought 1b last year when prices were at all time high, and now only half since prices have went to 1/3rd. Still i also am a buyer so for the rest i agree
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Thank you very much for sharing your strategy. I just opened a position 2 days ago with 1/3 of the total expected weight. I would like to have a 4% of WKL in the portfolio and I think of it as long term investment but, if all goes good, there will be sales to manage the weight. Thanks again for your thoughts! Glad to see I’m not the only one seeing potential here.
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if I am not mistaken management also bought back when prices where way too high. Anyhow I think it is a good buy now, I am deep in the red on this one currently, might add some more to lower my averave price.
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Sehr interessant, Dankeschön 👍🏻
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Danke für's Heads Up, aber wieso hast Du nicht den Retest der 59 abgewartet?
Eine V-förmige Erholung wäre nach dem Desaster halt nicht so wahrscheinlich.
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@BeachPlease Guter Punkt: ein Retest der 59 wäre natürlich der sauberere Einstieg. Ich habe mich trotzdem für einen ersten Aufbau bei 64 entschieden, weil ich den genauen Timing-Punkt nicht vorhersagen kann und will. Was ich weiß: FCF Yield ~10 %, ROIC 26 %, das Management kauft selbst aktiv zurück – und genau für solche Szenarien habe ich Tranchen. Wenn die 59 kommt, bin ich dabei.
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