Heute hat ebenfalls Volkswagen ($VOW (-3,61 %) ) die Investoren- und Analystenkonferenz abgehalten. Ich möchte euch einen Einblick aus dem Gespräch zusammenfassen.
Oliver Blume blickte auf ein Jahr 2024 zurück, das von strategischen Weichenstellungen in einem sich schnell verändernden Umfeld geprägt war. Trotz schwacher Nachfrage in Europa, steigenden Handelsbarrieren, herausfordernden industriellen Rahmenbedingungen in Deutschland und starkem Preiswettbewerb in China hat sich der Volkswagen Konzern nicht entmutigen lassen. Im Gegenteil, man habe einen entschlossenen Kurs gesetzt und den Wandel entlang des TOP-10 Programms vorangetrieben.
Ein wichtiger Punkt war die umfassende Modelloffensive mit über 30 neuen Modellen von Volkswagen, Skoda, Cupra, Audi und Porsche. Dabei wurde das Design geschärft, die Markenidentitäten betont und die Qualität der Produkte und Services messbar verbessert, was am positiven Feedback der Kunden und der Fachpresse deutlich wurde.
In China wurde eine neue Strategie implementiert, die auf starke regionale Technologiepartner (wie Xiaopeng), ein Innovationszentrum in Hefei, beschleunigte Entwicklungszeiten, überarbeitete Kostenstrukturen und eine auf chinesische Kunden zugeschnittene Produktstrategie setzt. Blume betonte, dass Volkswagen im Gegensatz zu vielen anderen Herstellern in China weiterhin profitabel ist, was die Investitionen in neue Modelle und Technologien ermöglicht.
Nordamerika bleibt ein Schlüsselmarkt für die Wachstumsstrategie des Konzerns. Investitionen und strategische Partnerschaften sollen das Wachstum in neuen Marktsegmenten vorantreiben. Die Wiederbelebung der Marke Scout für Pickups und robuste SUVs mit flexiblen Antriebsoptionen stieß auf großes Interesse, mit bereits fast 80.000 Vorbestellungen.
Auch im Bereich Software wurden wichtige Meilensteine erreicht. Die Softwareaktivitäten wurden neu ausgerichtet und das Team mit neuen Partnern gestärkt: Xiaopeng für China und Rivian für andere Regionen sollen die elektronischen Architekturen und Softwarelösungen der Zukunft entwickeln. CARIAD wird sich auf die Weiterentwicklung zentraler digitaler Services, autonomes Fahren, Infotainment, Cloud-Services und Datenverarbeitung konzentrieren. Die Verantwortung und Kontrolle über die Software soll dabei stärker bei den Marken liegen.
Ein weiterer wichtiger Erfolg war das Zukunftspaket für Volkswagen, das eine Basis für eine wirtschaftlich erfolgreiche Zukunft der deutschen Standorte bildet. Kernpunkte sind der Abbau von Überkapazitäten in Deutschland, die Senkung der Arbeitskosten, die Steigerung der Produktivität und wettbewerbsfähige Werkskosten.
Trotz dieser Herausforderungen und Restrukturierungsmaßnahmen konnte der Konzern einen Gruppenumsatz von fast 325 Milliarden Euro und ein operatives Ergebnis von 19,5 Milliarden Euro erzielen. Blume hob die Resilienz und den Gestaltungswillen des Unternehmens hervor. Basierend auf diesen Ergebnissen wurde der Hauptversammlung eine Dividende von 6,36 Euro je Vorzugsaktie vorgeschlagen, was einer Ausschüttungsquote von 30 % des Nettogewinns entspricht.
Arno Antlitz präsentierte die finanziellen Details für 2024 und den Ausblick für 2025. Der Fahrzeugabsatz belief sich auf 9 Millionen Einheiten, ein Rückgang von 3 % gegenüber dem Vorjahr. Der Umsatz stieg leicht um 1 % auf rund 325 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis sank um 15 % auf 19,1 Milliarden Euro, was einer operativen Marge von 5,9 % entspricht. Belastet wurde das Ergebnis durch Kosten für die Produktneuheiten, gestiegene Fixkosten und Restrukturierungsaufwendungen von rund 3 Milliarden Euro.
Der Netto-Cashflow im Automobilbereich übertraf die Erwartungen und lag bei 5 Milliarden Euro. Die Netto-Liquidität blieb mit 36,1 Milliarden Euro auf einem soliden Niveau.
Für das Jahr 2025 erwartet Antlitz einen signifikanten Rückenwind durch das erneuerte Modellportfolio und eine leicht positive Volumenentwicklung außerhalb Chinas. Die Umsetzung des Zukunftspakets für Volkswagen und eine fortgesetzte Kostendisziplin sollen sich positiv auswirken. Allerdings werden die Expansion der BEV-Volumina, insbesondere in Europa, sowie Anlaufkosten für neue Modelle und die Batterieaktivitäten das Ergebnis belasten. Insgesamt wird ein Umsatzwachstum von bis zu 5 % erwartet, bei einer operativen Umsatzrendite zwischen 5,5 % und 6,5 %, wobei das erste Quartal margenschwächer ausfallen soll. Die Investitionsquote im Automobilbereich soll zwischen 12 % und 13 % liegen, und der Netto-Cashflow wird in einer Bandbreite von 2 bis 5 Milliarden Euro erwartet. Dieser Ausblick berücksichtigt keine potenziellen Auswirkungen von Zöllen, veränderten CO2-Regulierungen oder weiteren Restrukturierungsmaßnahmen.
Im anschließenden Q&A stellten die Analysten diverse Fragen, die ich hier thematisch zusammenfassen möchte:
Strategie und Ausführung: Tim Rokossa von der Deutschen Bank fragte, ob nach Produkten, Partnern und Kosten nun die Ausführung die Hauptpriorität sei. Oliver Blume betonte, dass nach 2,5 herausfordernden Jahren und umfangreichen Restrukturierungen nun die Beschleunigung der Umsetzung im Fokus stehe. Man sei mit den Programmen im Plan und in vielen Fällen schneller als erwartet.
Cashflow und Margen: Rokossa erkundigte sich nach dem freien Cashflow und dem stärkeren Start ins Jahr. Arno Antlitz erklärte, dass der freie Cashflow 2025 durch Restrukturierungsausgaben von 2 Milliarden Euro und weiterhin hohe Investitionen belastet werde. Zudem wirke sich das geringere Ergebnis der chinesischen Joint Ventures auf die Dividende und damit den Cashflow aus. Der stärkere Start ins Jahr sei auf einen signifikanten Anstieg des BEV-Anteils zurückzuführen, der kurzfristig margenschmälernd wirke. Mike Tyndall von HSBC fragte nach den weiteren Belastungen neben dem BEV-Mix, die das operative Ergebniswachstum begrenzen. Antlitz verwies auf höhere Abschreibungen aufgrund der getätigten Investitionen.
CO2-Regulierung: George Galliers-Pratt von Goldman Sachs sprach die europäische CO2-Regulierung an. Oliver Blume zeigte sich positiv hinsichtlich einer möglichen Anpassung, die mehr Flexibilität für 2025 bringen könnte. Auch für die Ziele 2030 und 2035 seien weitere Diskussionen über mehr Flexibilität im Gange.
Investitionen und Kapitalallokation: Patrick Hummel von UBS thematisierte die Reduzierung des 5-Jahres-Investitionsplans und mögliche höhere Ausschüttungen in der Zukunft. Arno Antlitz betonte, dass der Fokus zunächst auf der Erreichung der gesteckten Ziele liege, insbesondere der Reduzierung der F&E- und Investitionsausgaben auf 10 % bis 2027. Über eine mögliche Erhöhung der Ausschüttungsquote könne man in ein bis zwei Jahren sprechen.
China-Strategie: Mehrere Analysten fragten nach der China-Strategie. Blume bekräftigte die "in China, für China"-Strategie und die erfolgreiche Zusammenarbeit mit lokalen Partnern. Antlitz erläuterte, dass man in China bewusst Entscheidungen zwischen Marge und Marktanteil treffe und für 2025 einen weiteren Rückgang des Marktanteils erwarte, bevor man ab 2026 mit neuen Produkten wieder angreifen wolle.
Software und Partnerschaften: Horst Schneider von der Bank of America erkundigte sich nach dem Fortschritt bei den Softwarepartnerschaften mit Rivian und Xiaopeng. Blume zeigte sich zufrieden mit den Fortschritten. Mit Xiaopeng sollen 2026 erste Volkswagen Modelle auf den Markt kommen, und gemeinsam werde an einer eigenen Volkswagen China Plattform gearbeitet. Mit Rivian liege man im Plan, mit ersten Fahrzeugen für Wintertests 2025/2626.
CARIAD und PowerCo: Harald Hendrikse von der Bank of America fragte nach dem Ausblick für die Verluste von CARIAD und PowerCo und wann diese die Gewinnschwelle erreichen könnten. Arno Antlitz versprach, hierzu auf dem nächsten Event in Frankfurt detailliertere Informationen zu geben.
Mein Eindruck aus der Analystenkonferenz ist, dass sich die Volkswagen AG in einem anspruchsvollen Transformationsprozess befindet, aber solide Ergebnisse für 2024 präsentieren konnte. Die strategischen Entscheidungen scheinen Früchte zu tragen, auch wenn die Herausforderungen im globalen Markt weiterhin bestehen. Der Fokus für 2025 liegt klar auf Kosteneffizienz, der erfolgreichen Einführung neuer Modelle und der Stärkung der Präsenz in China und Nordamerika.
Insgesamt wirkte das Management fokussiert und entschlossen, die gesteckten Ziele zu erreichen. Die kommenden Quartale werden zeigen, inwieweit die ambitionierten Pläne umgesetzt werden können.
