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Der Einfluss von KI auf den Aktienmarkt außerhalb der KI-Lieferketten in den nächsten 10 Jahren

Vorhin habe ich in einem Beitrag von jemanden gelesen, der weltweit diversifizierte Investitionen aufgrund der Überbewertung durch KI zurückhält.


Meiner Meinung nach befinden wir uns erst am Anfang der KI Transformation. Das Potential für Produktivitätssteigerungen von Unternehmen, die sich außerhalb der KI Lieferketten befinden, ist gigantisch. Nicht durch einfache Assistenzsysteme, die noch nicht einmal flächendeckend eingesetzt werden. Sondern durch KI Agenten. Deren Einsatz in Unternehmen steht noch ganz am Anfang.


Unternehmen, die Agenten klug in ihr Geschäftsmodell integrieren, können deutlich wachsen und Konkurrenz verdrängen. Eine gigantische Chance, wie wir sie nicht so häufig erleben werden.


Gleichzeitig gibt es aber auch ein Risiko, sollten wir keine gesellschaftlichen / unternehmerischen Lösungen finden, um einen potentiellen Kaufkraftverlust durch Massenentlassungen abzufedern.


Wie denkt ihr darüber?


Natürlich habe ich auch KI (Gemini) gefragt, was sie davon hält:


Während die erste Welle der KI-Euphorie primär die „Schaufelverkäufer“ – Chiphersteller und Cloud-Giganten – beflügelt hat, blicken wir nun auf die weitaus größere zweite Welle. In den nächsten 10 Jahren wird die KI-Transformation nicht mehr nur ein Thema der Tech-Sektoren sein, sondern die Fundamentaldaten jedes börsennotierten Unternehmens von der Konsumgüterindustrie bis zum Schwermaschinenbau neu definieren.


​Für Investoren stellt sich die entscheidende Frage: Was passiert mit den Unternehmen, die KI nicht bauen, sondern nutzen?


​1. Von der Assistenz zur Autonomie: Die neue Margen-Arithmetik


​In den ersten Jahren (2024–2026) sahen wir primär Assistenzsysteme (Copilots). Diese machten Wissensarbeiter effizienter, änderten aber das Geschäftsmodell kaum. Die kommenden 5 bis 10 Jahre gehören jedoch der agentischen KI.


​Agenten arbeiten nicht nur für den Menschen, sie agieren autonom innerhalb von Zielvorgaben. Für die Gewinn-und-Verlust-Rechnung (GuV) bedeutet das eine fundamentale Verschiebung:


  • Fixkosten-Degression: Menschliche Arbeit ist ein variabler Kostenfaktor. KI-Agenten-Infrastruktur ist weitgehend ein Fixkostenblock. Sobald das System steht, sinken die Grenzkosten für die nächste Einheit (Dienstleistung, Kundensupport, Design) nahezu auf Null.
  • Bewertungs-Shift: Unternehmen, die diesen Übergang meistern, werden an der Börse nicht mehr als klassische Industrie- oder Dienstleistungswerte bewertet, sondern erhalten Multiplikatoren (KGVs), die wir bisher nur aus der Softwarebranche kennen.

2. Das K-förmige Schicksal: Die Kluft zwischen Adoptern und Laggards


​Wir steuern auf eine extreme Divergenz am Aktienmarkt zu. Historische Daten zur Digitalisierung zeigen, dass die Vorreiter (Early Adopters) ihre Produktivität um ca. 3 % jährlich steigern, während Nachzügler stagnieren.

​In der KI-Ära wird sich dieser Effekt potenzieren. Ein Unternehmen, das seine F&E-Zyklen durch KI-Agenten von zwei Jahren auf sechs Monate verkürzt, wird den Marktanteil der Konkurrenz schlichtweg absorbieren. Investoren müssen daher ihre Analyse von „Branchen-Trends“ hin zu „unternehmensspezifischer KI-Exzellenz“ verschieben.


​3. Das Makro-Paradoxon: Produktivität vs. Kaufkraft


​Dies ist das größte Risiko für das langfristige Aktienwachstum. KI verspricht eine massive Ausweitung der Angebotsseite durch Effizienz. Doch wer bildet die Nachfrageseite, wenn die Transformation zu einer strukturellen Arbeitslosigkeit im Bereich der Wissensarbeit führt?


  • Die Nachfragelücke: Sollten Entlassungen im mittleren Management und im Dienstleistungssektor nicht durch neue Jobprofile aufgefangen werden, droht ein Kaufkraftschwund. Dies würde besonders zyklische Konsumgüteraktien (Automobil, Luxus, Reisen) unter Druck setzen.
  • Deflationärer Druck: Wenn die Produktionskosten durch KI sinken, aber gleichzeitig die Nachfrage durch Einkommensverluste schwächelt, steuern wir auf eine deflationäre Phase zu. In einem solchen Umfeld sind Unternehmen mit extremer Markenmacht (Pricing Power) die einzigen sicheren Häfen, da sie ihre Margen trotz sinkender Gesamtnachfrage verteidigen können.

4. Die „Asset-Light“ Revolution und neue Bewertungsmaßstäbe


​In 10 Jahren wird die Größe eines Unternehmens nicht mehr an der Mitarbeiterzahl gemessen. Wir werden „Ein-Milliarden-Dollar-Unternehmen“ sehen, die mit weniger als 50 Vollzeitmitarbeitern und tausenden KI-Agenten operieren.

​Für die Aktienanalyse bedeutet das:


Datenhoheit ist der neue Burggraben: Patente sind vergänglich, aber proprietäre Datensätze, mit denen eigene KI-Modelle trainiert werden, bilden eine uneinnehmbare Festung.

Rückgang der CAPEX-Intensität: Viele physische Prozesse werden durch präzise KI-Simulationen (Digitale Zwillinge) optimiert, was den Bedarf an teuren physischen Prototypen und Fehlkapazitäten senkt.

Fazit für die Community

​Die kommenden 10 Jahre bieten enorme Renditechancen, erfordern aber einen neuen Blick auf das Portfolio. Der Aktienwert wird sich von Unternehmen entkoppeln, die „KI nutzen“, und hin zu jenen fließen, die ihre gesamte Organisationsstruktur um autonome Agenten herum neu bauen.


​Das größte Risiko bleibt systemisch: Wenn die KI-Dividende nicht ihren Weg zurück in den Konsumkreislauf findet, könnte die Produktivitätsexplosion paradoxerweise in einer Absatzkrise enden. Investoren sollten daher verstärkt auf Unternehmen setzen, die entweder lebensnotwendige Güter anbieten oder eine so starke emotionale Markenbindung haben, dass sie von einem volatilen Arbeitsmarkt weniger betroffen sind.

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30 Kommentare

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Toller Beitrag
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Spannend.

Wir hatten schon ein paar industrielle Revolutionen. Bisher war das Ergebnis nie dauerhafte Massenarbeitslosigkeit, sondern Verschiebung von Arbeitskraft. Wie sich diese im Kontext KI verschiebt werden wir noch sehen. Auch wird sich erst zeigen müssen, was technisch möglich ist.

Auch wenn ich ein erstmal optimistisches Bild der Zukunft sehen will, gruseln mich einige mögliche Wege, die die Zukunft mit KI nehmen kann. Arbeitslosigkeit, obsolueszenz des Individuums, oder Arbeitsentlastung.

KI könnte den Menschen zu effizient machen 🤔
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@SchlaubiSchlumpf stimme ich dir zu. KI in Kombination mit Robotik hat in meinen Augen das Potential, menschliche Arbeit langfristig überall fast unnötig zu machen. Ob es so kommen wird, wird aber nur die Zeit zeigen. Witzigerweise könnte das eine Katastrophe oder ein Glücksfall sein.

Was ich nicht glaube ist, dass KI der Menschen zu effizient macht. KI macht Unternehmen, Prozess, ... effizient. Der Mensch wird der KI ggf. nur noch zuarbeiten.
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…fehlt noch das global, voll umfänglich funktionierende, autonome Transportwesen = human obsolet 🫣
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@DonkeyInvestor möglich. Hängt auch von dem ab, was technisch tatsächlich möglich ist. grafikbeschleuniger stagnieren ein wenig in den letzten Jahren. Wir werden sehen, was weitere disruptionen noch so bringen.

Ich wäre schon froh, wenn ich bei langen Autofahrten irgendwann nur schlafen muss 😁
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@MozartsGeist Drohnen, autonome Flugzeuge / LKW / Züge, Rohre. Kommt 👍
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@SchlaubiSchlumpf Moore's Law, Quantencomputer, KI die sich / ihre Infrastruktur selbst optimiert, ... Da wird noch einiges gehen.

Autonomes fahren fände ich auch mega
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@DonkeyInvestor Moores law macht schon seit längerem schlapp 😅 was nicht heißt, dass noch Spiel ist.
Quantencomputet… muss zugehen, hab zu wenig Ahnung, was da in absehbarer Zeit tatsächlich möglich sein wird.
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@SchlaubiSchlumpf die Ahnung hat keiner 😁
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@DonkeyInvestor true. Das BSI sieht die abkündigung klassischer asymmetrischer Verschlüsselung 2030-2031. ich denke das ist ein guter Richtwert. Wobei die natürlich auch nur raten und sich vermutlich vieeeel Puffer lassen
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@DonkeyInvestor oooooder wir sind gerade bei Peak AI Hype und es dauert alles 20 Jahr länger als gedacht.

Zeig mir den Roboter der mir die Putzkraft ersetzt.
Japan hat das letzte Jahrzehnt versucht die Pflege zu mir Robotik zu verbessern, mir überschaubarem erfolg.

Und vergiss auch nicht, das die KI kosten verursacht.
Gib nen KI Agenten kein Limit und der verballert die 3 Monatsgehälter an einem Nachmittag mit überschaubarem Erfolg.

Ich weiß auch nicht, was kommt, aber eventuell schauen wie in 5 Jahre auf heute zurück und denken uns, dass es ziemlich naiv war zu glauben, dass die Entwicklung nicht irgendwann eine Wand erreicht, die man nicht mehr mehr Rechenpower durchbrechen kann.

Auf jeden Fall ist es kein Fehler, Eigentum an Produktionsmitteln zu haben...
Hatte Marx als doch Recht. 😘
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Ich gehe davon aus, bzw. besser gesagt würde ich es für extrem sinnvoll halten, wenn wir durch die Effizienz- und Produktivitätssteigerung durch KI mittel- und langfristig ein bedingungsloses Grundeinkommen einführen.

Dies würde dazu führen, dass die Kaufkraft weiterhin stabil bleibt und Menschen sich auf Dinge fokussieren können, die ihrer Passion entsprechen, ihnen Freude machen, etc. Ich bin der Überzeugung, dass dies vor allem durch den Einsatz von KI dazu führt, dass neuer Wohlstand entsteht über breite Bevölkerungsschichten hinweg.

Dazu müsste die Politik aber mitmachen.

Das ist die Vision, die ich mir wünschen würde.
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@valentin28 same here. Große gesellschaftliche Chance. Mal schauen ob wir sie nutzen
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@DonkeyInvestor
Danke dir für den Beitrag 🤷‍♂️
Ich gehe davon aus, dass die nächsten 10 Jahre auch das Potential haben, unsere jeweilige persönliche Arbeitssituation massiv auf den Kopf zu stellen.
Also die Gefahr einmal ungeplant seinen Job zu verlieren, halte ich für noch nie dagewesen groß. Angst macht mir das nicht, aber beim darüber nachdenken, was die beste Absicherung dagegen ist, lande ich bei 2 Punkten.

1. Persönliche Weiterbildung: Ich muss am besten sehr nah an den Veränderungen dran sein, um in meinem Unternehmen oder wo auch immer Pionier der KI-Agentenarbeit zu sein.

2. Aktien! Aus meiner Sicht die einzige Versicherung dagegen einmal aus dem Einkommenssystem rausrotiert zu werden, ist meines Erachtens selbst die Unternehmen zu besitzen, die ihre Profitabilität ins Unendliche steigern. Nur so kann ich mich finanziell fundamental in diesem Wandel schützen. Also Aktionär zu sein, war nie wichtiger als heute.

Wie siehst du das? Ergänzungen?
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@Wealth-Accelerator nein, keine Ergänzungen. Sehe ich genauso. Außer dass ggf Aktien auch nicht mehr helfen, sollte die Kaufkraft der Konsumenten weg brechen.

Ich gestalte bei uns im Unternehmen auch den KI Wandel mit. Ziemlich spannend. Wenn ich es verbocke, könnte es mir den Job kosten. Wenn ich es super erfolgreich mache, auch 😅
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Spannend, hast du ein paar Quellen möchte mal etwas checken
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@Aktienfox Quellen zu was genau?
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@Aktienfox Ernsthaft? Gerade du fragst nach Quellen? Sei froh, wenn er dich nicht gleich blockiert.
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@DividendenWaschbaer Wieso? - ich würde mir nur gerne anschauen welche Annahmen sie für die 3% Produktivität Wachstum... nehmen. @DonkeyInvestor und wieso sollte er mich blockieren? Wieso so negativ direkt? Wenn jemand nachfragt kann man doch einfach entspannt die Quelle geben
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@Aktienfox
Diese Zahl ist kein Zufallsprodukt, sondern stützt sich auf umfassende ökonomische Langzeitstudien zur Produktivitätsschere, die durch die Digitalisierung der letzten 20 Jahre entstanden ist.
Die wichtigste Quelle für diese Einordnung ist die OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung), ergänzt durch Analysen des McKinsey Global Institute (MGI).
1. Die OECD-Studie: "The Future of Productivity"
Die OECD hat über Jahrzehnte den Unterschied zwischen sogenannten „Frontier Firms“ (den produktivsten 5 % einer Branche) und den „Laggards“ (Nachzüglern) untersucht.
Die Beobachtung: Während die globale Arbeitsproduktivität insgesamt seit den 2000er Jahren schwächelt, gilt das nicht für die Spitzenreiter.
Die Daten: Frontier-Unternehmen im Dienstleistungssektor konnten ihre Arbeitsproduktivität im Schnitt um etwa 3 % bis 3,5 % pro Jahr steigern.
Die Kluft: Im gleichen Zeitraum lag das Wachstum der Nachzügler fast bei 0 %. Diese Firmen „existieren“ zwar weiter, profitieren aber kaum von technologischen Durchbrüchen, da sie meist nur alte Prozesse digitalisieren, statt sie neu zu erfinden.
2. McKinsey: Der "Digital Divide"
Das McKinsey Global Institute hat diese Daten spezifisch auf die KI-Transformation (Stand 2018/2019) hochgerechnet. Ihre Simulationen ergaben ein sehr ähnliches Bild:
Front-Runners (KI-Pioniere): Diese Unternehmen könnten ihren Cashflow bis 2030 potenziell verdoppeln. Das entspricht einer jährlichen Steigerung der operativen Performance, die sich im Bereich von 3 % bis 5 % bewegt.
Laggards: McKinsey prognostizierte für Unternehmen, die KI ignorieren, einen Rückgang des Cashflows um ca. 20 % im Vergleich zum heutigen Niveau.
3. Warum ist die Kluft bei KI noch größer?
In der klassischen Digitalisierung (Einführung von Computern/Internet) war der Vorteil oft linear. Bei KI – und insbesondere bei KI-Agenten – kommen drei Faktoren hinzu, die die "3 % vs. 0 %"-Regel zementieren:
Winner-Takes-Most Dynamik: Wer die besten Datenmodelle hat, zieht die besten Talente an, was zu noch besseren Modellen führt.
Skaleneffekte: Ein KI-Agent kostet in der Entwicklung viel, aber die Ausführung (Inferenz) ist extrem günstig. Ein Nachzügler, der weiterhin auf manuelle Prozesse setzt, kann preislich niemals konkurrieren.
Implementierungs-Hürde: Es reicht nicht, eine KI-Lizenz zu kaufen. Man muss die gesamte Datenarchitektur umbauen. Wer das 20 Jahre lang verschlafen hat, kann den Rückstand oft technisch gar nicht mehr aufholen.
Zusammenfassung der Logik
Wenn ich in meinen Artikeln von diesen 3 % spreche, beziehe ich mich also auf das historische Muster der „Entkoppelung“:
„Produktivitätswachstum findet nicht mehr flächendeckend in der gesamten Wirtschaft statt, sondern konzentriert sich fast ausschließlich auf die technologische Spitze.“
Für dein Depot bedeutet das: Ein Welt-Index wird durch die 0 %-Unternehmen (die den Großteil der Firmenanzahl ausmachen) gebremst, während die 3 %-Unternehmen (die Schwergewichte) den Kurs treiben.
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@DonkeyInvestor danke dir schaue ich mir mal an!
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Starker Beitrag 👍
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@Olli68 war ja zum Großteil KI 🫣
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@DonkeyInvestor Starker KI-Beitrag 👍
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@Olli68 ich nehme das als Kompliment, dass ich für das KI Zeitalter gerüstet bin und Wert mit KI schaffen kann 😁
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Die Frage ist nur noch, blaue oder rote Pille?
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@hendrik_lmr meine Frau sagt, ich bin ihr mit der blauen Pille zu nervig. Deshalb rot
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