Im heutigen Newsletter von “WELT | Alles auf Aktien” wird eine steile These zu $SIE (+0,24 %) aufgestellt, die ich hier gerne teile / zitiere.
Die Autoren stellen die steile These auf, dass Siemens in absehbarer Zukunft der Sprung in den Billionen-Club zuzutrauen ist. Das wäre fast fünfmal so viel wie heute. Der Weg ist zwar noch weit, aber Siemens ist schon heute der wertvollste börsennotierte Konzern Deutschlands. Und in wenigen Wochen könnte eine Entscheidung fallen, die darüber mitbestimmt, ob aus dem traditionsreichen Industriekonzern tatsächlich einmal ein globaler Tech-Champion dieser Größenordnung wird.
Am 1. Oktober will sich Siemens ganz offiziell als „One Tech Company“ präsentieren. Ab diesem Moment erhöht Konzernchef Roland Busch den Einsatz in seiner großen KI-Wette massiv. Lohnt sich jetzt der Einstieg?
Siemens wurde unter Joe Kaeser radikal umgebaut. Siemens Energy
$ENR (-0,69 %) und Siemens Healthineers
$SHL (+1,59 %) wurden abgespalten. Das sorgte damals für heftigen Widerstand. Heute kann man zumindest sagen, dass der verbliebene Konzern hervorragend läuft. Siemens verzeichnete einen Rekordgewinn von mehr als zehn Milliarden Euro und Margen von über 17 Prozent.
Siemens-CEO Roland Busch will diesen Erfolg nun fortschreiben. „One Tech Company“ heißt sein Programm. Die drei großen Sparten Digital Industries, Smart Infrastructure und Mobility bleiben bestehen. Darunter soll Siemens schlanker werden: weniger Hierarchie, größere Einheiten und klarere Verantwortlichkeiten.
Die eigentliche Börsenstory ist Künstliche Intelligenz (KI). Siemens will industrielle KI zum verbindenden Element des Konzerns machen. Siemens sitzt dort, wo KI die reale Welt erreicht: in Fabriken, Stromnetzen, Gebäuden und Infrastruktur. Es geht um Maschinen, die effizienter produzieren, Netze, die intelligenter gesteuert werden und Fabriken, die automatisierter arbeiten.
Unsere Bullenthese lautet deshalb: Siemens könnte sich vom klassischen Industriekonzern immer stärker zum Technologie- und Softwareunternehmen entwickeln. Das wäre auch für die Bewertung entscheidend. Industrieunternehmen bekommen an der Börse normalerweise niedrigere Multiples als Tech-Konzerne.
Wenn Siemens beweist, dass sich Software, Daten und KI skalierbar monetarisieren lassen, könnte der Markt dem Konzern irgendwann eine höhere Bewertung zugestehen. Darin steckt ein möglicher Weg zur Billion. Der Haken: Diesen Beweis gibt es bislang nicht.
Das ist die zentrale Schwäche der Story. Noch redet Siemens viel über industrielle KI, weist aber nicht separat aus, wie viel Umsatz und Auftragseingang damit tatsächlich erzielt werden. Investoren wissen also bislang nicht genau, über welchen Mechanismus KI den Gewinn erhöht.
Genau deshalb ist der 1. Oktober so wichtig. Dann muss Busch erklären, ob „One Tech Company“ mehr ist als eine neue Konzernfolie und wie daraus konkret mehr Wachstum, höhere Margen und stärkere Kundenbindung entstehen sollen.
Selbst wenn die KI-Rechnung aufgeht, besteht noch das Risiko, dass Siemens inzwischen stärker am KI-Zyklus hängt, als man auf den ersten Blick vermutet. Rechenzentren, Halbleiter, Elektrifizierung und Automatisierung werden vom gleichen Investitionsboom getrieben. Sollte die KI-Euphorie kippen, könnte das mehrere Siemens-Geschäfte gleichzeitig treffen.
Mit Medizintechnik und Energie hat Siemens zwei stabilisierende Säulen abgegeben. Gerade Siemens Energy hat sich inzwischen selbst zum deutschen Börsenstar entwickelt. Der Betriebsrat sagt offen, dass Siemens mit Siemens Energy und Siemens Healthineers heute noch wertvoller wäre. Andererseits wären die Rekordmargen vielleicht ohne diese Fokussierung gar nicht möglich gewesen.
Für Anleger zählt die Zukunft. Siemens muss das Wachstum und die Margen hochhalten, der Umbau muss tatsächlich alles effizienter machen und der Konzern muss zeigen, dass KI nicht nur technologisch funktioniert, sondern auch finanziell. Dazu müssen am 1. Oktober Erkenntnisse greifbar werden.
Gelingt das, könnte Siemens ein europäischer Industriekonzern mit zunehmend technologischer Bewertung werden.
Quelle: WELT | Alles auf Aktien, 19.08.2026





