$SAP (+0,93 %)
Wie bereits angekündigt wollte ich Einzelpositionen reduzieren.
Beim letzten Post zu SAP hier, habe ich mich mit dem Wert beschäftigt:
SAP leidet aktuell unter dem schlechten Sentiment gegenüber der Softwarebranche.
Ich haben die möglichen Folgen des KI-Booms detailliert analysiert und sehe bei dem Softwareriesen eine attraktive Einstiegschance.
Der Einstieg erfolgte bei SAP (zu 163 Euro) am gestrigen Mittwoch (18.3.).
Seit dem vor einem Jahr (19.2.25) markierten Allzeithoch bei 283,50 Euro hat das DAX-Schwergewicht sogar 40% an Wert eingebüßt.
Mitder Depotaufnahme stellen ich mich bewusst gegen den aktuell klar negativen Trend der Aktie.
Es handelt sich also um eine antizyklische Positionierung in einer Phase, in der der Markt die Auswirkungen des forcierten Einzugs der Künstliche Intelligenz (KI) in unser Leben noch sehr pauschal bewertet.
Das allseits beherrschende Thema an den Börsen ist aktuell die Sorge, dass spezielle KI-Agenten etablierte Softwareanbieter in Zukunft strukturell schwächen oder deren Geschäftsmodell sogar komplett disruptieren werden.
BeiSAP speist sich diese Sorge vor allem aus dem klassischen Lizenzmodell, das historisch stark an Nutzerzahlen gekoppelt war.
WennKI-Agenten künftig Aufgaben übernehmen, für die bislang mehrere Mitarbeiter eine SAP-Lizenz benötigten, sinkt theoretisch die Zahl der „Seats“.
Daswürde für SAP sinkende Einnahmen bedeuten.
Der Konzern fokussiert sich daher bereist auf Modelle, bei denen nicht die Zahl der Lizenzen, sondern der konkrete Mehrwert einer KI-Aktion bepreist wird.
Bis sich das spürbar in den Umsätzen niederschlägt, dürfte allerdings noch Zeit vergehen.
SAP hat einen klaren strukturellen Vorteil
Diese negative Sicht vieler Marktteilnehmer greift bei SAP wegen ihrer Positionierung aus meiner Sicht dennoch zu kurz.
Der Konzern ist das operative Rückgrat von mehr als 400.000 Unternehmen weltweit, in deren Systemen Finanzbuchhaltung, Beschaffung, Personalprozesse oder Lieferkettensteuerung zusammenlaufen.
DieDaten sind strukturiert, historisch gewachsen und eng miteinander verknüpft. Für produktive KI-Anwendungen ist genau das entscheidend.
Eine KI kann nur dann Prozesse automatisieren, wenn sie auf konsistente, geprüfte und gut aufbereitete Geschäftsdaten zugreift.
Genau das bietet SAP.
In seiner Rolle als „Single Source of Truth“ besitzt das Unternehmen daher einen klaren strukturellen Vorteil, der sich auch von noch so intelligenten KI-Agenten nicht kopieren lässt.
Das Risiko für die Walldorfer liegt daher weniger in einer vollständigen Verdrängung, sondern in einer möglichen Entkopplung der Benutzeroberfläche.
Wenn Mitarbeiter künftig über externe KI-Assistenten arbeiten, die lediglich über Schnittstellen auf SAP-Daten zugreifen, könnte SAP den direkten Kundenzugang und damit an Preissetzungsmacht verlieren.
Dochauch das hat der Vorstand längst erkannt und seinen Kunden mit Joule einen eigenen KI-Assistenten zur Verfügung gestellt, der auf die unternehmensinternen Geschäftsdaten zugreift, Fragen beantwortet, Analysen erstellt und Routineprozesse automatisiert.
Dadurchsollen die KI-Funktionen so tief in die Prozesse der Unternehmen eingebettet werden, dass sie wirklich als Mehrwert wahrgenommen und dementsprechend bezahlt werden.
KI kann vom potenziellen Risiko zum echten Margentreiber werden
Genau hier sehen ich eine große Chance.
SAPhat sehr früh begonnen, KI nicht als isoliertes Produkt, sondern als integrierten Bestandteil seiner Cloud-Strategie aufzubauen.
DerUmstieg in die Cloud bündelt Daten, erhöht die Planbarkeit der Umsätze und schafft die technische Basis für skalierbare KI-Funktionen.
Gelingt es, diese Funktionen schrittweise über nutzungsbasierte Modelle oder höherwertige Pakete zu monetarisieren, kann KI für meinen neuen Depotwert vom potenziellen Risiko zum echten Margentreiber werden.
Positiv werten ich vor diesem Hintergrund, dass sich SAP auch personell trotz aller Widerstände frühzeitig auf die Transformation des Geschäftsmodells eingestellt hat.
Die aktuellen Kursrückschläge spiegeln aus meiner Sicht daher vor allem die momentane Unsicherheit wider, weniger eine fundamentale Neubewertung der Ertragskraft.
Wie so oft an den Börsen wird in einem ersten Schritt ohne große Differenzierung verkauft.
Dasbietet mittelfristig große Chancen. Das 12-Month-Forward-KGV von SAP hat sich von knapp 43 in der Spitze auf aktuell nur noch 23 fast halbiert und liegt exakt auf dem 10-Jahres-Durchschnitt.
Ich sehe bei den Gewinnschätzungen perspektivisch noch reichlich Luft nach oben, auch weil der Vorstand explizit an höheren Margen arbeitet (u.a. durch den internen Einsatz von KI).
Antizyklische Strategie mit Nachkauflimit
Das aktuell eindeutig negative Momentum erschwert aber das Timing.
Wer in einer solchen Phase antizyklisch zugreift, muss damit rechnen, dass die Kurse erst mal noch weiter fallen, bis sich die Stimmung dreht und andere Narrative in den Fokus rücken.
Deshalb haben ich für die Aktie (163 Euro; DE0007164600) knapp oberhalb einer charttechnisch Unterstützung noch ein Nachkauflimit bei 149,00 Euro platziert.
SAP wird im Text als fundamental starker, aber durch KI-Sorgen kurzfristig unter Druck stehender Qualitätswert beschrieben, bei dem sich aktuell eine antizyklische Einstiegschance bietet.