Letzte Woche hat Docmorris ($DOCM (-3,01 %) ) die aktuellsten Geschäftszahlen präsentiert und ich möchte euch gerne Eindrücke von der Analystenkonferenz zusammenfassen.
Es war eine informative Veranstaltung, bei der CEO Walter Hess und der neue CFO Daniel Wüest die Ergebnisse präsentierten und sich den Fragen der Analysten stellten.
Gleich zu Beginn betonte Walter Hess die signifikanten Meilensteine, die DocMorris im Jahr 2024 erreicht hat. Besonders hervorgehoben wurde der fünffache Anstieg neuer E-Rezept-Kunden seit der Einführung von Cardlink im April 2024. Diese neuen Kunden zeigten zudem signifikant verbesserte KPIs im Vergleich zu früheren Rezeptkunden.
Ein weiterer wichtiger Punkt war die Erreichung der Profitabilität im Non-Rx-Geschäft (nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel ), was die erfolgreiche Umsetzung des Breakeven-Programms der letzten Jahre widerspiegelt . Insgesamt konnte ein Umsatzwachstum von 7% über alle Geschäftssegmente hinweg erzielt werden. Auch Teleclinic entwickelte sich sehr positiv und verdoppelte seine Umsätze bei attraktiver Profitabilität. Dank eines effektiven Cash Managements verfügte DocMorris Ende 2024 über einen Cashbestand von CHF 95 Millionen.
Für 2025 liegt der Fokus auf der weiteren Expansion des E-Rezept-Wachstums mit den bereits erwähnten Kunden mit verbesserten KPIs. Die neue Marketingkampagne "Mach's dir Doc einfach" soll die Bekanntheit steigern, die Conversion zu E-Rezept-Bestellungen erhöhen und die profitable Weiterentwicklung des Non-Rx-Geschäfts unterstützen. Teleclinic soll sein signifikantes Wachstum bei steigenden Profitabilitätmargen fortsetzen. Wie bereits bekannt gegeben, plant DocMorris eine Kapitalerhöhung von rund 200 Millionen CHF, um das E-Rezept-Wachstum zu unterstützen und die Refinanzierung der Wandelanleihe 2026 zu sichern.
Seit der Einführung des E-Rezepts in Deutschland im ersten Quartal 2024 wächst das Rx-Geschäft kontinuierlich. Die Cardlink-Innovation führte zu einem 2,5-fachen Anstieg des E-Rezept-Umsatzes bei gesetzlich Versicherten vom ersten zum vierten Quartal letzten Jahres. Gleichzeitig sanken die Papierrezept-Einlösungen bei gesetzlich Versicherten deutlich, während sie bei Privatversicherten leicht stiegen. Für das erste Quartal 2025 erwartet DocMorris einen weiteren, wenn auch etwas verlangsamten, Rx-Wachstum.
Besonders erfreulich ist das konsistente Wachstum neuer Rx-Kunden. Der Erfolg basiert auf kontinuierlich verbesserten Apps und einer besseren Kundenerfahrung. Die Marke DocMorris verzeichnete einen dreifachen Anstieg neuer Kunden im Jahresvergleich und sogar einen fünffachen Anstieg von Q4 2023 zu Q4 2024.
Ein Blick auf die E-Rezept-KPIs zeigt, dass die neuen E-Rezept-Kunden (Durchschnittsalter 57 Jahre) eine deutlich höhere Kundenbindung und Bestellfrequenz mit Cardlink aufweisen. Die Reorder-Rate der Cardlink-Kohorten ist 2,5-mal höher als bei früheren Rezeptkunden. Der durchschnittliche Bestellwert (AOV) erreichte 110 Euro, was auf einen höheren AOV neuer Rx-Kunden und einen wachsenden Anteil gemischter Warenkörbe zurückzuführen ist . Über 85% dieser Kunden nutzen die App und Cardlink, wobei über 95% der regulären Bestellungen am nächsten Tag zugestellt werden.
Die Profitabilität des Non-Rx-Geschäfts in 2024 ist ein wichtiger Schritt zur Diversifizierung der Umsatzströme und zur Stärkung der finanziellen Gesundheit. Zu den wesentlichen Treibern gehörten höhere Bruttomargen, das starke Wachstum von Teleclinic, das Retail Media Geschäft und die Expansion des Marktplatzes. Zudem trugen eine verbesserte operative und Marketing-Performance, höhere Conversion-Raten, Kostensenkungen und die Integration von Marken zur Profitabilität bei.
Teleclinic demonstriert, dass Telemedizin ein wichtiger Bestandteil der Gesundheitsversorgung ist. Der adressierbare Markt für ambulante Versorgung in Deutschland wird auf ca. 55 Milliarden Euro geschätzt, mit einer Online-Penetration von unter 1%. Die Einführung des elektronischen Krankenscheins, des E-Rezepts und die kommende elektronische Patientenakte werden weiteres Wachstum katalysieren. Teleclinic zeigte bereits 2024 eine Verdopplung des Umsatzes auf 11 Millionen CHF bei einer attraktiven EBITDA von über 3 Millionen CHF . Für 2025 und darüber hinaus wird weiteres starkes Umsatz- und EBITDA-Wachstum erwartet. Die Teleclinic App wurde bereits 2,5 Millionen Mal heruntergeladen und hat eine Bewertung von 4,8 von 5 Sternen. Teleclinic wird als führender Anbieter im deutschen Telemedizinmarkt gesehen.
Die Digitalisierung des Gesundheitswesens in Deutschland (E-Rezept, ePA, eAU) ermöglicht nahtlose digitale Gesundheitswege, die zu besserer Adhärenz, Kundenerfahrung und Bequemlichkeit führen sollen. DocMorris plant, alle Gesundheitsbedürfnisse durch die Integration von Online-Apotheke, Telemedizin, Marktplatz für Gesundheitsprodukte und -dienstleistungen sowie wertvollen Gesundheitsinformationen zu erfüllen.
In den ersten zwei Monaten des Jahres 2025 setzt sich das Wachstum in allen Geschäftsbereichen fort, insbesondere bei Teleclinic und im Servicegeschäft . Für das erste Quartal 2025 wird ein Rx-Wachstum von rund 50% im Vergleich zum Vorjahr erwartet.
In der anschließenden Q&A Session der Analysten wurden interessante Themen behandelt, die ich euch ebenfalls zusammenfassen möchte:
Olivier Calvet (UBS) fragte nach Restatements der Rx-Umsätze. Daniel Wüest stellte klar, dass es keine Rx-spezifischen Restatements gab, sondern eine allgemeine Anpassung aufgrund einer positiven Rechtsentscheidung. Er bestätigte die Basis für das Q1 Rx-Wachstum von 50% mit 37 Millionen CHF aus dem Vorjahr. Zum Einfluss der elektronischen Patientenakte (ePA) äußerte sich Walter Hess positiv, sah aber einen längerfristigen Rollout und Vorteile für das Ökosystem von DocMorris. Bezüglich des Netto-Umlaufvermögens im E-Rezept-Geschäft erklärte Daniel Wüest, dass der durchschnittliche jährliche Wert bei 4,7% liegt und mittelfristig ein Ziel von 4% angestrebt wird.
Jan Koch (Deutsche Bank) erkundigte sich nach der Zuversicht bei der Kapitalerhöhung. Daniel Wüest zeigte sich sehr zuversichtlich aufgrund des Feedbacks der mandatierten Banken und der üblichen Praxis von Bezugsrechtsemissionen in der Schweiz. Die Frage nach einem Verkauf einer Teleclinic-Beteiligung wurde von Daniel Wüest als sehr unwahrscheinlich eingestuft, da dies dem Ökosystemgedanken widersprechen würde und der Wert für die Aktionäre langfristig höher eingeschätzt wird. Bezüglich des sequenziellen Rx-Wachstums im ersten Quartal bekräftigte Walter Hess das kontinuierliche Wachstum, auch wenn der hohe Anteil neuer Kunden mit zunächst niedrigeren Bestellwerten das Umsatzwachstum beeinflusst. Daniel Wüest bestätigte, dass ein Wachstum von Q1 zu Q4 erwartet wird, da Q4 üblicherweise das stärkste Quartal ist.
Gian Werro (ZKB) fragte nach den Gründen für die Reduzierung der Lagerbestände im zweiten Halbjahr 2024. Daniel Wüest nannte verbesserte Bestellfrequenzen und direktere Beziehungen zu Lieferanten. Zur E-Rezept-Umsatzprognose im Verhältnis zur Reorder-Rate erklärte Walter Hess, dass die vorsichtigere Marketingausgabe im ersten Quartal eine Rolle spielt, aber auch das Management der Kundenakquisitionskosten wichtig ist.
Michael Heider (Warburg Research) fragte nach der Marketingausgabe 2024 im Vergleich zur Guidance. Daniel Wüest korrigierte, dass die Aussage auf eine Verdopplung der E-Rezept-Marketingausgaben und nicht der gesamten Marketingausgaben abzielte, was auch erreicht wurde. Bezüglich der Diskrepanz bei den AOV-Zahlen erklärte Walter Hess, dass die 110 Euro den durchschnittlichen Bestellwert gemischter Warenkörbe darstellt, während die 98 Euro für reine Rx-Bestellungen gilt und durch neue Kunden mit niedrigeren Erstbestellungen beeinflusst wird.
Christopher Johnen (HSBC) erkundigte sich nach der Einschätzung des EuGH-Urteils zum Bonusverbot. Walter Hess bewertete die Bestätigung des Urteils von 2016 bezüglich direkter Boni positiv. Die Entscheidung bezüglich OTC-bezogener Boni liegt nun wieder beim deutschen Gericht. Langfristig sieht er die Bequemlichkeit für den Kunden als wichtigeren Faktor. Zum Stand des wiederkehrenden Rezepts gab Walter Hess an, dass die Umsetzung durch Ärzte und Krankenkassen definiert wird und ein Start Anfang nächsten Jahres realistisch erscheint. Dies soll die Bequemlichkeit weiter erhöhen und Bonusdiskussionen irrelevant machen.
Die Analystenkonferenz der DocMorris AG hat ein positives Bild gezeichnet. Das Unternehmen hat wichtige strategische Ziele erreicht, insbesondere die Profitabilität im Non-Rx-Geschäft und ein starkes Wachstum im E-Rezept-Bereich nach der Einführung von Cardlink. Die Kennzahlen der neuen E-Rezept-Kunden sind vielversprechend und deuten auf eine hohe Kundenbindung hin. Teleclinic entwickelt sich weiterhin dynamisch und untermauert das Potenzial des digitalen Gesundheitsökosystems.
Auch wenn die kurz- und mittelfristige Guidance aufgrund der Kapitalmarkttransaktion noch aussteht, zeigten sich das Management sehr zuversichtlich für die zukünftige Entwicklung.