Das Investment-Playbook #1
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Präambel
Im American Football ist ein Playbook ein Strategiebuch mit Spielzügen, Formationen und Taktiken, das Trainern und Spielern hilft, Spiele vorzubereiten und auf dem Spielfeld zu kommunizieren. Das Konzept des Playbooks stammt zwar aus dem American Football, wird aber mittlerweile auch abseits des Sports in Bereichen wie Marketing und dem Projektmanagement angewandt. In der Sitcom How I Met Your Mother ist "das Playbook" ein legendäres Buch, das von Barney Stinson erstellt wurde und ausgeklügelte Taktiken und Strategien enthält um Frauen zu verführen.
Ist es nicht verlockend, ein Art von Playbook rund um das Thema Investieren zu haben? Genau darum soll es in diesem Beitrag und in künftigen Beiträgen mit dem Thema "Investment-Playbook" gehen. Dabei soll es nicht strengformale Investmentkonzepte, Fundamentalanalysen oder Kennzahlen gehen sondern vielmehr um anekdotische Konzepte und Ideen, die sich gut auf das Investieren anwenden lassen. Mir geht es darum, nicht nur abstrakte Konzepte zu behandeln, sondern diese auch anhand konkreter Beispiele aus dem Alltag zu erklären. Genau wie ein Playbook im Football soll dir das Investment-Playbook helfen, bessere Entscheidungen zu treffen und zwar unabhängig davon, ob du Team Value, Team Growth, Team Dividend oder Team Crypto bist.
§1 Positive Gewohnheiten führen zu einem positiven Ergebnis
Ich bin derzeit 34 Jahre alt und habe aus eigener Dummheit im Alter von 25 Jahren mit dem Rauchen begonnen. Zuerst begann es mit der allseits bekannten Partyzigarette, dann entwickelte sich die Gewohnheit, Zigaretten zu rauchen, wenn ich etwas zu viel Alkohol getrunken hatte. Schließlich gehört dann etwas Trinken und eine Zigarette rauchen zusammen. In einem schleichenden Prozess habe ich mir lange Zeit nicht eingestehen wollen, dass ich spätestens zu diesem Zeitpunkt bereits nach Gründen suchte, um zu rauchen: "Heute war so ein stressiger Tag, dann setze ich mich mal auf meinen Balkon und rauch eine.", war zum Beispiel so ein Satz. Nachdem ich lange Zeit noch auf die Frage "rauchst du?" stolz mit "nein" geantwortet hatte, war es mir dann irgendwann bewusst: doch, ich rauche.
Als man mich fragte, wie viel ich am Tag rauche, wusste ich es nicht genau und antwortete immer lässig mit "nicht mehr als 5, 6 Stück", obwohl mir bewusst war, dass es wahrscheinlich mehr waren, wenn ich wirklich zählen würde. So gewöhnte man sich immer mehr an die Tatsache, dass die Zigarette zum Alltag gehört und nahm sich auch die berühmten Zigaretten-Pausen im Alltag. Ich war Raucher. Aus den "5 bis 6 Zigaretten am Tag" wurden schnell 10, dann 15 und noch mehr. Da ich die meiste Zeit meines Erwachsenenlebens Nichtraucher war, konnte ich mich nie wirklich damit identifizieren zu rauchen.In meinem Kopf redete ich mir immer noch ein, eigentlich Nichtraucher zu sein und dass ich sofort aufhören könnte, wenn ich wollte.
Einfach so aufhören konnte ich natürlich längst nicht mehr. Zumindest nicht ohne potenzielle Entzugserscheinungen. Ich fühlte mich in dem Moment nicht schlecht: die negativen Auswirkungen auf meinen Körper habe ich noch nicht gespürt. Man fühlte sich gesellig und konnte immer gute Gründe für kurze Pausen vom stressigen Alltag finden.
Im Alter von etwa 30 Jahren kamen bei mir erste Zweifel auf. Immer mehr habe ich auch gesundheitliche Auswirkungen wie Hustenanfälle oder Kurzatmigkeit gespürt. Leute aus meinem Umfeld sprachen mich vermehrt darauf an, warum ich eigentlich aufeinmal rauche, obwohl ich doch früher nie geraucht hatte. In meinem Kopf war ich trotzdem immer noch Nichtraucher und das obwohl ich schon ungefähr 5 Jahre geraucht hatte. Die erste Unzufriedenheit mit meinem Dasein als Raucher machte sich breit, und es entwickelte sich die vage Idee, mit dem Rauchen aufzuhören.
Die ersten Versuche aufzuhören scheiterten kläglich. Einfach die letzte Zigarette zu rauchen und dann nie wieder eine Schachtel Zigaretten anzurühren, funktionierte für mich zu diesem Zeitpunkt nicht. Frustriert rauchte ich weiter. Alsbald waren es 20-25 Zigaretten am Tag, was meine Beschwerden verschlimmerte, was natürlich zu mehr Frust und letztendlich zu noch mehr Zigaretten führte. Alle guten Argumente wie "denk an deine Gesundheit" oder "schau mal was du jeden Monat an Geld dafür ausgibst" haben zu der Zeit bei mir nicht gewirkt. "Ich bin doch erst 30, aufhören kann ich auch noch später.", dachte ich mir. Dass dieses Denken das Problem nur weiter nach hinten verschiebt war mir unterbewusst natürlich klar.
Zeitsprung. Es ist der Mai 2023, ich bin 34 Jahre alt und rauche auf meiner Terrasse eine Zigarette. Etliche Versuche mit dem Rauchen aufzuhören waren über die vergangenen Jahre gescheitert. Ich rekapituliere meine Situation. Ich bin unzufrieden Raucher zu sein. Ich beginne damit mir selbst Fragen zu stellen, die sich in folgende 3 Fragen zusammenfassen lassen:
1.) Wieso habe ich angefangen zu rauchen?
2.) Was hält mich davon ab aufzuhören?
3.) Wie schaffe ich es aufzuhören?
Es ist gar nicht so einfach darauf ehrliche Antworten zu finden. Meine Antworten auf die obigen 3 Fragen sahen wie folgt aus:
1.) Wieso habe ich angefangen zu rauchen? Es begann mit einer schlechten Gewohnheit (auf Partys rauchen). Durch ständige Wiederholung dieser negativen Gewohnheit wurde es zu einer negativen Entwicklung (mehr rauchen, Gründe für das Rauchen erfinden). Am Ende dieser negativen Entwicklung stand das negative Ergebnis: ich war Raucher.
2.) Was hält mich davon ab aufzuhören? Natürlich wirkt es als wäre die Nikotin-Sucht der Hauptgrund dafür nicht aufzuhören. In der Zeit als Raucher hatte ich es aber immer wieder auch mal phasenweise geschafft mehrere Tage lang nicht zu rauchen. Trotzdem habe ich danach wieder angefangen. Warum? Es ist vordergründig nämlich nicht meine Nikotin-Sucht, die mich davon abhält aufzuhören: es sind meine negativen Gewohnheiten und Verknüpfungen, die es mir Tag für Tag so schwer machen:
- Nach dem Essen --> eine Zigarette rauchen
- Stress im Alltag --> ich lege eine Pause ein um zu rauchen
- Warten auf den Bus --> ich überbrücke die Wartezeit und rauche
- Alkohol trinken --> ich rauche dazu, etc.
Genau diese Verknüpfungen, die ich mir selbst durch schlechte Gewohnheiten antrainiert habe, haben es für mich so schwer gemacht mit dem Rauchen aufzuhören. Das Wort "antrainiert" ist in diesem Fall wirklich sehr zutreffend, denn unser Gehirn lernt Verhaltensweisen durch ständige Wiederholung. Irgendwann passieren die Abläufe quasi automatisch ohne nachzudenken; oder denkt ihr noch bewusst darüber nach, in welche Richtung ihr den Blinker setzen müsst, wenn ihr mit dem Auto abbiegt?
3.) Wie schaffe ich es aufzuhören? Mir wurde bewusst, dass ich es wirklich nur dann schaffe aufzuhören, wenn ich eben auch diese schlechten Gewohnheiten durchbreche und diese durch positive Gewohnheiten ersetze. Getreu dem Motto: "Positive Gewohnheiten führen zu positiven Veränderungen". Diese positiven Gewohnheiten, führen dann zu einer positiven Entwicklung (ich halte es durch nicht zu rauchen) und schließlich zu dem positiven Ergebnis: ich bin Nichtraucher.
Für alle, die bis jetzt durchgehalten haben und sich fragen "Wo bleibt denn nun die Verbindung zum Investieren?". Genau jetzt kommt der (zugegebenermaßen) lange Bogen hin zum Thema Investieren:
Ich habe am 11. Juni 2023 meine letzte Zigarette geraucht und bin jetzt seit ziemlich genau 4 Monaten komplett rauchfrei. Ich habe mir die antrainierten negativen Gewohnheiten wieder abtrainiert und mir zusätzlich einen positiven Anreiz geschaffen rauchfrei zu bleiben: Jede Woche nehme ich das Geld, das ich sonst für Zigaretten ausgegeben hätte, und investiere es per Sparplan in den weltweit größten Hersteller von Tabakprodukten, Philip Morris ($PM (+1,72 %) ). Mir ist durchaus bewusst, dass die Wahl, das gesparte Geld in Philip Morris zu investieren, durchaus kontrovers gesehen werden kann. Für mich persönlich ist jedoch folgender Gedanke daran reizvoll: Das Geld, das ich sonst diesem Unternehmen gegeben hätte, investiere ich stattdessen in das Unternehmen. Dadurch werde ich vom Konsumenten der Produkte zum Investor in das Unternehmen.
Jede Schachtel Zigaretten, die ich mir kaufen würde um zu rauchen, würde mir das Geld nehmen um in dieses Unternehmen zu investieren. Zusätzliches Geld, das ich sonst nicht zum Investieren zur Verfügung hätte. Geld, das mir lange eine angenehme Dividende zahlt, ohne dass ich etwas dafür tun muss. Geld, das sonst einfach weg gewesen wäre. Die Beträge, die auf diese Weise gespart werden, können über einen langen Zeitraum sehr beachtlich werden insbesondere wenn man den Zinseszins-Effekt berücksichtigt. In [1] findet ihr den "Rauchfrei Rechner" von Finanzfluss mit dem ihr etwas experimentieren könnt. Für mich persönlich würde nach 10 Jahren ohne Zigaretten und einer jährlichen Rendite von 5% eine Summe von etwa 40.000€ zusammenkommen. Dazu käme dann wahrscheinlich noch eine Dividende, die bei 40.000€ $PM (+1,72 %) Aktien derzeit etwa 2.100€ jährlich bzw. 175€ monatlich beträgt. Bedenkt man potenzielles Dividendenwachstum, so könnte dieser Betrag in 10 Jahren natürlich deutlich höher sein.
Fazit
Am Beispiel meines persönlichen Prozesses vom Nichtraucher, zum Raucher und wieder zurück habe ich verdeutlicht, wie schnell sich negative Gewohnheiten verstetigen und zu einem negativen Prozess führen, an dessen Ende dann ein negatives Ergebnis steht. Wenn man diese noch so kleinen negativen Gewohnheiten durch positive ersetzt und sich zudem die richtigen Anreize schafft, können diese positiven Gewohnheiten über einen längeren Zeitraum hinweg "verzinst" werden (compounding) und schließlich einen großen Effekt haben. Für mich war es der Weg zum Nichtraucher, der mir jetzt durch meinen Sparplan zusätzlich versüßt wird. Für euch sind es vielleicht andere Dinge wie ein sparsameres Auto fahren, einen Nebenjob aufnehmen oder überhaupt anzufangen jeden Monat Geld zu investieren. Jede noch so kleine positive Gewohnheit -- wie ein monatlicher Sparplan in Höhe von 20€ auf einen Welt-ETF*-- kann einen großen positiven Effekt für euch persönlich haben.
Euer
Michael Scott
* In 40 Jahren könnte sich so bei einer jährlichen Rendite von 7% ein Betrag von ca. 48.000€ angesammelt haben. Siehe [2].
Quellen:
[1] Finanzfluss: https://www.finanzfluss.de/rechner/rauchfrei-rechner/
[2] Finanzfluss: https://www.finanzfluss.de/rechner/zinseszinsrechner/
