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Warum wir Angebote speziell für Frauen brauchen

✨ von finance, baby!

Female finance - ist das ein Trend, der tatsächlich gebraucht wird oder einfach nur Schwachsinn? Was soll schon für Frauen* anders gehandhabt werden als für Männer*? Braucht es wirklich Angebote, die speziell auf Frauen ausgerichtet sind?

Wir sagen ganz klar: JA, UNBEDINGT. Warum erklären wir Euch in diesem Artikel.

“Frauen haben halt einfach kein Interesse an Geld”

Wenn wir diesen Satz nochmals hören, kann es gut sein, dass einer von uns der Kopf explodiert. Natürlich können wir Nichts pauschalisieren und möchten auch nicht sagen, dass sich JEDE Frau in Deutschland oder auf dieser Welt selbstständig um ihre Finanzen kümmern und finanziell unabhängig sein möchte. Und das ist okay. Aber wir können für viele Frauen sprechen und diesen Satz ein für allemal aus der Welt räumen: wir haben Interesse. Wir möchten dieselben finanziellen Chancen. Aber wir wissen nicht, wo wir anfangen sollen und haben großen Respekt davor, etwas falsch zu machen.

Wir liegen zurück!

Und das hat gute Gründe: hast Du gewusst, dass Frauen in Deutschland zum Beispiel erst seit 1958 das Recht darauf haben, ein Girokonto zu eröffnen? Dass Frauen erst seit 1919 wählen und gewählt werden dürfen? Dass Frauen überhaupt erst seit 1958 freiwillig darüber entscheiden dürfen, ob sie arbeiten gehen möchten?


Wenn wir uns diese Fakten ansehen, dann ist es doch eigentlich absolut nicht verwunderlich, dass wir was unsere Finanzen angeht noch einiges aufzuholen haben.

Zudem haben wir heute, unter anderem durch diese Umstände, und durch unser damit verbundenes, niedriges finanzielles Selbstbewusstsein mit Gender Paygap, Pension Gap und Co. zu kämpfen.

Und dieser Kampf ist nicht ohne. Denn wenn wir ihm nicht entgegenwirken, dann sieht unsere Zukunft folgendermaßen aus: Frauen erhielten 2019 im Durchschnitt 543 € Rente. Das sind über 58 % weniger als Männer - und wer Zahlen lesen kann, hat zudem bemerkt, dass dieser Betrag niemals ausreichen wird, um eigenständig zu überleben zu können.

Dann haben wir ein weiteres, großes Problem:

Finanzielle Bildung wird im aktuellen Schulsystem leider kaum berücksichtigt, was für alle Menschen gleichermaßen negativ und dringend notwendig ist. Wenn wir dann allerdings einen Blick auf die weitere Bildung, nämlich Studienfächer werfen, liegen Frauen im Finanzwesen deutlich hinten. Daraus resultiert, dass Anstellungen, Beförderungen und Lebensanstellungen für Frauen an wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten im Finanzwesen bei gerade mal 10-25% liegen. In der Buchhaltung sind Frauen stattdessen zu fast 90% repräsentiert.

Aber woran liegt das? Studien zufolge wird geglaubt, dass Frauen nicht gut genug in Mathematik sind, um auf dem Fachgebiet Erfolg zu haben. Dieser Glaube hat sich in unserer Sozialisierung breit gemacht und schon Entscheidungen für Studiengänge und Berufe geprägt. Auch in Kinderbüchern werden Mädchen mit rosa Pferden und Kochtöpfen gezeigt, während alles, was mit Big-Business zu tun hat, immer von Männern ausgeführt wird. Wir verinnerlichen was wir sehen - und machen es zu unserer Realität.  

Und auch in der Finanzwissenschaft gibt es eine riesige klaffende Gender Gap. Das bedeutet: Männer sind primär in Führungspositionen und richten finanzielle Strukturen aus. Please don’t get us wrong: wir lieben Männer (und alle, die sich ganz egal welchem Geschlecht zugehörig fühlen!). Wir sehen die einzige Chance auf eine Gleichberechtigung nur in der Umkehrung dessen, was die letzten Jahrhunderte zum Vorteil der Männer passiert ist. Wir müssen Strukturen auf Frauen optimieren und Angebote speziell für Frauen schaffen.

Was muss man denn jetzt genau für Frauen anders machen als für Männer?

Die häufigste Frage, die wir gestellt bekommen ist, was man denn jetzt für Frauen anders erklären muss als für Männer. “Angebote speziell auf Frauen auszurichten, würde ja implizieren, dass Frauen die Fachsprache nicht verstehen”, ist einer der häufigsten Kritikpunkte, mit welchem Female Finance Angebote zu kämpfen haben. Aber darum geht es absolut nicht. Es geht darum, dass wir mehr Frauen dazu ERMUTIGEN müssen, sich überhaupt erst mit dem Thema zu beschäftigen und die Realität neu zu formen, die sie sich durch soziale und gesellschaftliche Prägungen gebaut haben. Und das geht nunmal durch Sprache und Ansprache, durch Personen. Durch spezielle Angebote für Frauen.

Frauen haben andere Lebenssituationen.

Trotzdem gibt es Unterschiede zwischen Männern und Frauen, wenn wir davon ausgehen, dass immer noch über 90 % der Mütter eher in Elternzeit gehen und ganze 85 % der Alleinerziehenden  Frauen sind. Frauen stehen vor anderen Lebenssituationen - und mit diesen Lebenssituationen kommen andere Herausforderungen als mit einem 9 to 5 Fulltimejob und einem vollen Ingenieurs- oder Unternehmensberater-Gehalt.

Spezielle Angebote für Frauen SIND kein Humbug. Sie versuchen die Lücke zu schließen und uns ein Stück Richtung Gleichberechtigung zu verhelfen, die wir dringend brauchen. Die Zweifel, die wir Frauen haben sind berechtigt. Die Angst ist berechtigt. Wir müssen dafür ein Verständnis schaffen. Einen Weg. Ein bisschen mehr Offenheit und vor allem: Ermutigung, den ersten Schritt zu gehen.